Einst erlernte er sein fußballerisches Können beim dreifachen italienischen Meister AS Rom. Später zauberte er in der Jugend des fünffachen Deutschen Meisters VfB Stuttgart. Doch die Volltreffer landete Giovanni Zarrella als Musiker.

Der Deutsch-Italiener war Teil der erfolgreichen Popstars-Casting-Band Bro Sis und feierte mittlerweile auch als Solo-Künstler große Erfolge. Für seine zweite große Liebe - die Musik - gab er in seiner Jugend den Traum vom Profifußballer auf.

Im Zuge der Prosieben-Dokusoap "Pizza, Pasta und Amore" hat er nicht nur ein eigenes Restaurant in Köln ("78") eröffnet, sondern auch an neuen Songs gearbeitet. Das Album "Ancora Musica" sowie die Single "I can t dance alone", die er mit seinem ehemaligen Bro Sis-Band-Kollegen Ross aufgenommen hat, platzierten sich erfolgreich in den Charts. Mehr Infos zur Single und zum Album sowie zu den kommenden Terminen gibt es auf www.giovanni-zarrella.de.

Da das Herz des 32-Jährigen nie aufgehört hat, für "Il Calcio" zu schlagen, schreibt Zarrella exklusiv für bundesliga.de eine WM-Kolumne. Bevor der Startschuss in Südafrika fällt, spricht er im Vorab-Interview über seinen Weg vom Fußball zur Musik und die Chancen der Ballack-losen deutschen Nationalelf bei der WM.

Weiterhin wagt Zarrella, der am Freitag bei der TV total Autoball-WM in der Kölner LanxessArena antreten wird, einen Ausblick auf die Chancen einer Titelverteidigung des Weltmeisters und sein Dilemma, wenn Deutschland gegen Italien spielen sollte…

bundesliga.de: Herr Zarrella, wie groß ist Ihre Vorfreude auf die WM?

Giovanni Zarrella: Wenn ich einfach nur daran denke, dass es in ein paar Wochen losgeht und an das tolle Klima dort unten und die Begeisterung der Fans in Südafrika, dann ist die Vorfreude groß. Wenn ich aber an unsere Nationalmannschaft denke, dann ist sie nicht so groß.

bundesliga.de: Wie dramatisch bewerten Sie denn den Ausfall von Michael Ballack?

Zarrella: Das ist schon sehr dramatisch für Deutschland. Es fehlt einfach der Leader. Das ist überhaupt nicht zu unterschätzen. Die vergangenen Wochen, Monate und Jahre hat sich die Mannschaft auf Michael Ballack verlassen können. Er war der Mann für die großen Momente. Nicht unbedingt, um die Tore zu schießen, aber er hat immer ein Zeichen gesetzt, wenn es drauf ankam. Wenn so jemand fehlt, ist das ein herber Rückschlag. Egal, wer da jetzt an seiner Stelle die Kapitänsbinde trägt, es wird nicht leicht werden.

bundesliga.de: Das klingt, als wenn Ihr Herz für Deutschland schlagen würde. Schlägt es denn auch für Italien?

Zarrella: Also mein Herz schlägt zu einhundert Prozent für Italien. Aber bei allen Spielen, in denen wir nicht gegeneinander spielen, bin ich auch für Deutschland. Sobald Italien gegen Deutschland auf dem Plan steht, muss ich leider zugeben, dass es mich Richtung Süden zieht (lacht).

bundesliga.de: Also waren Sie beim WM-Halbfinale vor vier Jahren für Italien?

Zarrella: Ja. Ich bin wirklich ein großer Fan des AS Rom und auch ein "Azzurri"-Fanatiker. Aber ich schaue mir auch die Deutschland-Spiele gerne an und bin auch selbst begeistert dabei, wenn sie gegen Argentinien, Spanien oder wen auch immer gewinnen sollten.

bundesliga.de: Sie haben einst in der Jugend des AS Rom gespielt. Warum haben oder konnten Sie eine mögliche Fußballerkarriere nicht weiterverfolgen?

Zarrella: Ich habe bei meinen Großeltern in Rom gelebt. Meine Eltern hatten ihr Restaurant in Deutschland. Nachdem mein Opa dann verstorben war, durchlebten wir einige schwere Zeiten. Meiner Oma hatte dieser Verlust nicht gutgetan. Das war auch für mich nicht leicht. Ich war ja noch ein kleiner Junge. Ich bin dann zurück nach Deutschland gegangen und habe hier beim VfB Stuttgart und beim SSV Reutlingen gespielt. Ich habe dort in den höchsten Nachwuchsklassen gespielt. Als ich zwischen 18 und 20 Jahre alt war, habe ich in der Verbandsliga und auch in der Oberliga gespielt. Ich hatte immer diese zwei großen Leidenschaften: Fußball und Musik. Irgendwann bin ich dann zum Musik-Casting gegangen und es hat direkt geklappt. Ich habe mir den Platz bei Bro Sis erkämpft. Da habe ich eben mit dem Fußball aufhören müssen. Es ist aber immer ein stückweit unerfüllter Traum geblieben.

bundesliga.de: Spielen Sie heute noch ab und an Fußball? Kommen Sie überhaupt noch dazu?

Zarrella: Ich versuche schon, noch immer regelmäßig zu spielen. Ich bin auch in einem Verein, mit dem wir jetzt auch aufgestiegen sind. Es ist ein spanischer Verein in Köln. Ich brauche den Fußball für mich, um da alles loszuwerden, was mich die Woche über aggressiv gemacht hat.

bundesliga.de: Ihre Frau ist Brasilianerin. Könnte es da im Turnierverlauf womöglich zu einem Familienkonflikt kommen, sollten Italien und Brasilien da aufeinandertreffen?

Zarrella: Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, dann landen wir ja auf Platz 1 in unserer Gruppe und die Brasilianer auch. Dann würden wir uns wenn überhaupt erst im Finale treffen. Aber ich sehe ehrlich gesagt ziemlich schwarz für uns Italiener in diesem Jahr. Bei dieser WM kann es ja richtige Knaller geben. Da könnte Argentinien ja im Viertelfinale wie schon 2006 auf Deutschland treffen. Italien könnte gegen Spanien spielen oder auch Frankreich gegen England. Dieses Jahr gibt es richtig auf die Mütze für alle, die nicht richtig vorbereitet sind. Die Italiener haben immer eine starke Truppe und es läuft immer gut, aber ich glaube, diesmal wird es nichts.

bundesliga.de: Ein Blick auf den Kader Italiens verrät, dass Luca Toni nicht dabei ist, und auch Inter Mailand stellt nicht einen einzigen Spieler. Überrascht Sie das?

Zarrella: Das ist es ja, was mich bei Inter so stört. Die haben da wirklich keinen einzigen Italiener auf dem Platz. Das ist natürlich sehr traurig, wenn das Aushängeschild des italienischen Fußballs ohne nationale Spieler spielt. Das ist ein Armutszeugnis. Das keiner für Italien bei der WM dabei ist, ist natürlich traurig.

bundesliga.de: Wo werden Sie die Spiele anschauen? Daheim vorm Fernseher, beim Public Viewing oder im eigenen Restaurant?

Zarrella: Ich glaube, bei uns im Restaurant. Wir haben ja einen neuen Laden seit einigen Monaten. Wir werden uns im hinteren Bereich des "78" ein bisschen gemütlich einrichten und da viele Spiele anschauen. Ich freue mich schon drauf.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz