"Van Nistelrooy" schallte es ohrenbetäubend durch die HSH Nordbank Arena. Ein Dezibelmesser wäre wohl bis zum Maximum ausgeschlagen - und das gleich drei Mal.

Denn bei jeder Einwechslung eines Spielers des Hamburger SV wird erst dessen Vorname von den Stadionsprechern Dirk Böge und Lotto King Karl mehrfach angekündigt, die Fans schreien den Nachnamen dann lauthals hinaus. Und als Winterneuzugang Ruud van Nistelrooy in der 64. Minute im Europa-League-Hinspiel gegen den PSV Eindhoven den Rasen betrat, kannte die Begeisterung der Anhänger keine Grenzen.

"Deshalb bin ich Fußballer geworden"

Es war der erste Einsatz des Niederländers vor heimischem Publikum, nach dem er in der Bundesliga in Köln und Stuttgart bereits am Ball war. Und schon vor seiner Einwechslung forderten und feierten die HSV-Fans ihren neuen Superstar.

"Ich hatte richtig Gänsehaut. Das sind die Momente, in denen ich ganz genau weiß, warum ich Fußballer geworden bin", erklärte van Nistelrooy nach dem Schlusspfiff. Während er vor wenigen Tagen beim VfB nach seiner Einwechslung noch mit zwei Treffern für den Sieg der "Rothosen" sorgte, konnte er gegen seinen Ex-Club Eindhoven jedoch nichts Zählbares zum 1:0-Erfolg beitragen.

"Ich möchte mich herzlich bei allen Zuschauern für diesen Empfang bedanken. Leider konnte ich es nicht mit einem Tor zurückzahlen, eine gute Möglichkeit hatte ich ja, aber der Torwart hat gut gehalten", entschuldigte sich "Van the Man".

Jansen cool vom Punkt

Der HSV durfte am Ende dennoch jubeln. Dafür sorgte Marcell Jansen mit einem verwandelten Foulelfmeter (26.). Robert Tesche, der etwas überraschend in der Startelf stand, schickte Mladen Petric in die Gasse. Eindhovens Stanislav Manolev kam im Strafraum einen Schritt zu spät, brachte Petric zu Fall und Schiedsrichter Claudio Circhetta zeigte sofort auf den Punkt. Jansen schob eiskalt ein.

"Mladen wurde gefoult und wollte deshalb nicht schießen. Da habe ich es gemacht und ich habe gehofft, dass der Torwart in die andere Ecke springt", beschrieb der Torschütze sein Erfolgsmoment.

Die Hamburger hatten in der Folge zwar Möglichkeiten, das 2:0 zu erzielen. Die Gäste kamen aber im Laufe der zweiten Halbzeit besser in Schwung und kreierten vor allem über die rechte Abwehrseite der Hausherren immer wieder gefährliche Aktionen. Kurz vor Schluss sicherte Torwart Frank Rost dem HSV mit einer Glanzparade den Sieg.

Labbadia für Rückspiel gewarnt

Trainer Bruno Labbadia nimmt die vielen Schrecksekunden ernst und hofft für das Rückspiel auf einen Lerneffekt bei seinen Spielern. "Wir sind gewarnt, müssen nächste Woche im Rückspiel einen Super-Tag haben, um eine Runde weiter zu kommen", sagte er.

Van Nistelrooy, der von 1998 bis 2001 beim PSV spielte und dessen Heimatort nur 30 Minuten von Eindhoven entfernt liegt, glaubt aber an ein Weiterkommen seines HSV. "Insgesamt können wir mit dem 1:0 zufrieden sein, auch wenn es im Rückspiel nicht leicht wird. Ich kenne das Stadion und die Stimmung in Eindhoven sehr gut, es wird ein intensives Spiel - und eines, auf das wir uns richtig freuen können", stellte van Nistelrooy fest.

Dass sich wohl auch die PSV-Fans auf ihren ehemaligen Spieler freuen, zeigte sich schon in Hamburg. Denn auch sie applaudierten und schrieen vereinzelt mit, als van Nistelrooy den Rasen betrat.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis