Er spielte für Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, Juventus Turin und den FC Schalke 04. Nach seiner Karriere als Profi arbeitete Andreas Möller zunächste als Trainer und ist seit 2008 Manager beim Offenbacher FC Kickers 1901 in der 3. Liga.

Trotzdem behält Möller die Bundesliga weiterhin im Auge. Bei bundesliga.de spricht der Weltmeister von 1990 über die abgelaufene Saison, positive und negative Überraschungen und ob er selbst gern noch unter Felix Magath gespielt hätte.

bundesliga.de: Herr Möller, wie lautet Ihr persönliches Fazit zur abgelaufenen Saison in der Bundesliga?

Andreas Möller: Ich finde, dass die Bundesliga mit dem FC Bayern München einen würdigen Deutschen Meister gefunden hat. Sie haben am Anfang zwar Probleme gehabt, aber dann haben sich die Klasse und die Qualität des FC Bayern durchgesetzt. Ansonsten war das eine sehr interessante Bundesligasaison. Es war zwar nicht so packend wie 2001 bei dem Meisterschaftskampf zwischen Bayern und Schalke 04, als es ja wirklich ein Herzschlagfinale war, aber es war trotzdem bis zum Schluss spannend. Mich persönlich freut es außerdem, dass Borussia Dortmund ins internationale Geschäft zurückgekehrt ist.

bundesliga.de: Was war denn für Sie die größte Überraschung?

Möller: Überraschend war, dass Schalke 04 die Champions League erreichen konnte und dass Werder Bremen zum Schluss noch so einen Lauf bekommen hat. Denn da sah es zwischenzeitlich nicht danach aus, dass sie die Qualifikation zur Champions League noch schaffen können. Und bei den Absteigern kam es für mich schon ein bisschen überraschend, dass es Bochum erwischt hat. Die waren ja eigentlich schon im sicheren Hafen.

bundesliga.de: Der VfL hatte am 24. Spieltag noch satte neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Wie kann eine Mannschaft dann noch so einbrechen?

Möller: Wenn eine Mannschaft erst einmal im "freien Fall" ist, dann fällt es einfach schwer, das zu stoppen und das Ruder noch herumzureißen. Die Bundesliga ist qualitativ eine sehr gute Liga und da darf man sich nie zu sicher sein, sondern muss immer wieder an sich arbeiten. Ansonsten kann man dann eben in solch einen Strudel nach unten hineingeraten und auch absteigen. Das hat man jetzt bei Bochum und auch bei Hertha BSC gesehen.

bundesliga.de: Es gibt aber auch ein Gegenbeispiel: Hannover 96 hat neun Spiele in Folge verloren, außerdem gab es das 0:7-Debakel beim FC Bayern München. Sie sind aus dem Abwärtsstrudel wieder heraus gekommen. Hätten Sie gedacht, dass sie es noch schaffen können?

Möller: Ja, denn Hannover 96 hat einfach das Potenzial. Die Qualität der Mannschaft ist schon für einen Tabellen-Mittelplatz geeignet. Das wäre sicher die größte Überraschung gewesen, wenn sie abgestiegen wären.

bundesliga.de: Hätten Sie einer Mannschaft mehr zugetraut, als sie dann tatsächlich bringen konnte?

Möller: Ja, ich hatte schon damit gerechnet, dass Hoffenheim um die internationalen Plätze mitspielen würde. Aber die hatten dann wahrscheinlich zu große Verletzungssorgen.

bundesliga.de: Gibt es einen Spieler, der Sie besonders beeindruckt hat?

Möller: Man muss Thomas Müller vom FC Bayern München loben, der ja Stammspieler beim FC Bayern wurde und auch in die Nationalmannschaft gekommen ist. Das freut mich ganz besonders, weil er im Offensivbereich die Rolle einnimmt, die ich früher auch hatte. Ich finde es gut, dass es doch wieder solche Spieler gibt, die diese Position einnehmen. Özil zum Beispiel ist ja auch ein ähnlicher Typ.

bundesliga.de: Sie haben es zu Beginn schon angesprochen: Der FC Schalke hat die direkte Qualifikation zur Champions League geschafft. Felix Magath hat in einem Jahr gründlich aufgeräumt und den Club auf Vordermann gebracht. Hätten Sie gedacht, dass er so schnell so erfolgreich sein würde?

Möller: Schalke hat ja eine gute Mannschaft. Aber dass sie sofort in die Champions League kommen, damit habe ich nicht gerechnet. Internationale Plätze ja, in die Europa League, aber nicht in die Champions League.

bundesliga.de: Hätten Sie denn selbst gern noch unter Magath gespielt?

Möller: Ganz klares Nein! (lacht) Ich hätte Magath wahrscheinlich in Grund und Boden gelaufen, weil ich physisch so stark bin, dass er damit nicht fertig geworden wäre. (lacht)

bundesliga.de: Ribery, Robben, van Nistelrooy… Die Bundesliga hat schon einige Stars zu bieten. Glauben Sie, dass das erst der Anfang war und weitere folgen werden?

Möller: Es wird immer so sein, dass sich Spieler aus dem Ausland in der Bundesliga wohl fühlen und auch sofort sehr gute Leistungen bringen können. Ich gehe davon aus, dass wir auch in der neuen Saison wieder den einen oder anderen Unbekannten sehen werden, der dann zum Topstar wird.

bundesliga.de: Gibt es einen Spieler, den Sie sich für die Bundesliga wünschen?

Möller: Ich bin immer ein Fan von gutem Fußball, aber ein besonderer Spieler fällt mir da jetzt nicht ein. Ich freue mich über jeden guten Fußballer, der in die Bundesliga kommt.

bundesliga.de: Was wünschen Sie sich für die kommende Bundesliga-Saison?

Möller: Ich will weiterhin so attraktiven Fußball sehen und hoffe, dass wir international wieder eine gute Rolle spielen, wie wir das dieses Jahr gemacht haben. Der HSV stand ja kurz vor dem Finale in der Europa League, der FC Bayern ist bis ins Finale der Champions League gekommen. International gesehen war das ein gutes Jahr für die Bundesliga.


Das Gespräch führte Isabell Groß