München - Dieter Eilts spielte 390 Mal in der Bundesliga für Werder Bremen. Nur Dieter Burdenski und Horst-Dieter Höttges standen noch häufiger für die Hanseaten auf dem Feld. Seit dem 1. Februar 2012 leitet der Europameister von 1996 die neue Werder-Fußballschule.

Im Gespräch mit bundesliga.de spricht er über seine Rückkehr zu Werder, seine neuen Aufgaben und warum er mit dem Profigeschäft abgeschlossen hat.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Eilts. Sie haben 2002 ihre Karriere nach 390 Bundesliga-Spielen beendet und Werder Bremen anschließend nach einem Jahr als U19-Trainer in Richtung DFB verlassen. Wie fühlt es sich an, nach achteinhalb wieder zurück zu sein?

Dieter Eilts: Es ist ein sehr, sehr gutes Gefühl. Ich habe meinen Wohnsitz in Bremen während der ganzen Zeit nie aufgegeben. Da ist es natürlich umso schöner, wenn ich jetzt auch wieder hier arbeiten kann.

bundesliga.de: Wie kam ihr Engagement zustande?

Dieter Eilts: Ich habe vor etwa einem Jahr in Bassum, das liegt 25 Kilometer südlich von Bremen, in Eigenregie eine Fußballschule ins Leben gerufen. Werder wollte jetzt sein eigenes Betätigungsfeld in diesem Bereich wegen der großen Nachfrage ausweiten. Sie haben meine Aktionen besucht und sich alles angeschaut. Anschließend haben wir uns unterhalten und der Verein hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die neue Werder-Fußballschule zu leiten. Lange musste ich nicht darüber nachdenken.

bundesliga.de: Als Sie im August 2001 ihr letztes Bundesliga-Spiel absolvierten, war Thomas Schaaf Trainer und Klaus Allofs Sportdirektor in Bremen. Über zehn Jahre später sind die beiden immer noch da. Hat das bei ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt?

Dieter Eilts: Indirekt. Es spiegelt die Art und Weise wider, wie hier im Verein gearbeitet wird. Den Verantwortlichen wird Zeit gegeben, langfristig etwas aufzubauen. Es verfällt keiner in Panik, wenn es einmal nicht so läuft. Ich freue mich darauf, in dieser Atmosphäre zu arbeiten. Das Thomas und Klaus noch da sind, ist ein positiver Nebeneffekt.

bundesliga.de: Was bietet die Werder-Fußballschule Kindern und Jugendlichen an?

Dieter Eilts: Unsere Fußballschule baut auf fünf verschiedenen Säulen auf. Zunächst einmal führen wir die erfolgreichen Sommer- und Ostercamps fort, die Werder auch schon in der Vergangenheit organisiert hat. Neu sind die vier weiteren Camps, die wir anbieten. Vor jedem Heimspiel der Profis, zum ersten Mal vor dem Hannover-Spiel am 11.03.2012, bieten wir das HeimspielCAMP an. Bis zu 30 Kinder treffen sich vormittags zum Kicken, werden anschließend mit Essen und Trinken versorgt und besuchen das Spiel im Weserstadion. Beim TrainingsCAMP treffen sich die Kids sechs Montage in Folge für jeweils 75 Minuten. Für unser CAMPontour bewerben sich Vereine bei Werder Bremen und wir besuchen die Klubs dann vor Ort. Die Einheiten werden gemeinsam mit den Jugendtrainern des jeweiligen Vereins absolviert, so dass wir auch den einen oder anderen Tipp weitergeben können. Unser ProfiCAMP wird parallel zum Sommertrainingslager der Profis stattfinden. Hier haben die Teilnehmer zum einen die Möglichkeit, Training und Freundschaftsspiele als Fans zu verfolgen und zum anderen selber viel zu spielen. Es ist angedacht, dass während dieser Camps auch ein Profi bei den Kids vorbeischaut und aus dem Nähkästchen plaudert. Generell werden wir bei den Camps darauf achten, dass die Trainingsgruppen nicht zu groß werden, damit wir uns auch intensiv mit den Teilnehmern beschäftigen können.

bundesliga.de: Wie genau sehen ihre Aufgaben aus?

Dieter Eilts: Ich kümmere mich um alles, was organisatorisch geregelt werden muss. Ich spreche die Termine ab, teile die Trainer ein, buche die Trainingsplätze. Etwas Buchhaltung ist auch dabei. Ich werde aber auch so oft wie möglich selber bei den Camps vor Ort sein und die Trainer unterstützen. Ich freue mich auf diese vielfältigen Aufgaben.

bundesliga.de: Sollen durch die Fußballschule auch neue Talente für Werder Bremen gesichtet werden?

Dieter Eilts: Nein, darum geht es uns nicht. Wir möchten einfach fern von jedem Druck des Vereinssports die Freude am Fußball vermitteln. Jeder zwischen 6 und 13 Jahren kann sich bei uns anmelden, egal, ob Junge oder Mädchen, Anfänger oder Vereinsspieler. Auch wenn wir natürlich gewisse Fähigkeiten vermitteln wollen, steht der Spaß am Fußball an erster Stelle.

bundesliga.de: Sie selber sind ausgebildeter Fußball-Lehrer und haben unter anderem die deutsche U21-Nationalmannschaft und Hansa Rostock trainiert. Sieht man Sie in Zukunft vielleicht noch einmal an der Seitenlinie im Profifußball?

Dieter Eilts: Nein, mit meiner Trainerlaufbahn habe ich bereits nach meiner Tätigkeit in Rostock abgeschlossen. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich machen will. Ich hatte keine Lust mehr auf den permanenten Druck und den Stress, dem man im Profigeschäft ausgesetzt ist. Es gibt dort zu viele Dinge, die man selber nicht beeinflussen kann. Durch meine Arbeit in Bassum habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Da habe ich für mich beschlossen: "Das ist es, was du machen möchtest." Diese riesige Freude am Fußball, die in mir steckt, möchte ich vermitteln und weitergeben. Dass ich nun die Möglichkeit habe, diese Aufgabe für Werder Bremen zu übernehmen, ist ein großes Geschenk für mich.

Das Gespräch führte Florian Reinecke

Unter www.werder.de/de/fussballschule stehen weitere Informationen zur Werder-Fußballschule bereit