Berlin - Hertha BSC ist seit drei Spielen unbesiegt und konnte zuletzt gegen den VfB Stuttgart den ersten "Dreier" der neuen Saison landen. Jetzt reist der Aufsteiger zum Deutschen Meister Borussia Dortmund. bundesliga.de sprach exklusiv mit Hertha-Kapitän Christian Lell über die ersten Wochen und die schwere Aufgabe beim BVB.

bundesliga.de: Nach der Auftaktniederlage gegen Nürnberg blieb die Hertha zuletzt drei Mal in Folge ungeschlagen. Ist die Mannschaft jetzt wieder richtig in der Bundesliga angekommen?

Christian Lell: Das kann man schon so sagen. Speziell mit dem Sieg im letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart sind wir in der Bundesliga richtig angekommen. Die Tendenz ist positiv, es geht bergauf.

bundesliga.de: Was war entscheidend dafür, was hat die Truppe in den letzten Spielen besser gemacht?

Lell: Entscheidend war, dass wir nach der Niederlage zum Auftakt gegen Nürnberg nicht die Köpfe haben hängen lassen. Es weht eben jetzt ein anderer Wind in der Bundesliga als in der 2. Bundesliga. Wir haben uns zusammengerauft. In den letzten drei Spielen haben wir dann auch defensiv gut gestanden.

bundesliga.de: Fünf Punkte aus vier Spielen. Ist die Hertha im Soll?

Lell: Die Ausbeute ist ganz ordentlich. Damit brauchen wir uns nicht zu verstecken. Es war aber auch nicht herausragend. Wir müssen das jetzt fortführen.

bundesliga.de: Das klingt jetzt nicht gerade euphorisch. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start?

Lell: Er war nicht schlecht. Aber wir hätten auch in Hamburg gewinnen können. Wenn uns jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach vier Spielen fünf Punkte auf dem Konto haben, hätten wir das sicher unterschrieben. Aber ich habe auch höhere Ansprüche.

bundesliga.de: Wie wichtig war es, dass Trainer Markus Babbel mit seiner Medienschelte vor dem letzten Spiel gegen Stuttgart den Druck von der Mannschaft nahm?

Lell: Er hat das ja selbst ganz gut formuliert, dass er das absichtlich mit dem Hintergedanken gemacht hat, Druck von der Mannschaft zu nehmen. Das hat gut geklappt und war ein guter Schachzug. Wir standen nicht so unter Druck. Aber wir mussten das Spiel auch erst einmal gewinnen. Es hat letztlich gut funktioniert.

bundesliga.de: Kurz vor Ende der Transferperiode hat sich Hertha noch den Ex-Hamburger Änis Ben-Hatira geangelt. Wie ist Ihr erster Eindruck von ihm?

Lell: Er hat sich gut eingefügt. Wir machen es aber auch allen Neuzugängen leicht, sich bei uns einzuleben. Wir haben einen sehr guten Teamgeist. Über seine Qualitäten kann ich nach den wenigen Trainingseinheiten noch nicht so viel sagen. Aber der Verein ist überzeugt von ihm, er wird uns sicher noch weiterhelfen.

bundesliga.de: Ihnen selbst wurde zuletzt ein deutlicher Formanstieg attestiert. Warum sind Sie momentan so gut drauf?

Lell: Ich habe da keine besondere Ursachenforschung betrieben. Ich hatte in meinem letzten Jahr in München fast keine Spielpraxis mehr. Im letzten Jahr ist es bei Hertha sehr gut gelaufen. Ich habe wieder gespielt, und je mehr Spiele man macht, um so besser wird man. Ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass es so weiter geht.

bundesliga.de: Der Trainer sagt über Sie auch: "Manchmal glaube ich, Christian weiß gar nicht, wie viel Potenzial er hat." Ist das eher ein Lob oder ein Tadel?

Lell: Das habe ich auch gelesen, ich zerbreche mir jetzt aber nicht großartig den Kopf darüber. Ich fasse es als Lob auf. Es ist schön. Ich bin selbst sehr ehrgeizig und habe auch den Anspruch, alles aus mir herauszuholen.

bundesliga.de: Wie sehr verfolgen Sie noch die Entwicklung bei Ihren Ex-Vereinen in München und Köln?

Lell: Die Bayern verfolge ich noch mit einem Auge, Köln weniger. Der FC kommt wohl nie zur Ruhe. Aber die beiden Kapitel sind für mich abgeschlossen. Ich interessiere mich insgesamt für die Bundesliga.

bundesliga.de: Wie wohl fühlen Sie sich als gebürtiger Münchener in Berlin?

Lell: Ich fühle mich sehr wohl hier. Berlin ist schon eine sehr spezielle, eine richtige Großstadt. Dagegen hat München fast einen Dorfcharakter. Von der Medienlandschaft ist es vergleichbar mit München oder auch Köln, die beide auch ein heißes Pflaster sind. Jede Stadt hat seine Vor- und Nachteile. Und sicherlich hat man zu der Stadt, in der man aufgewachsen ist, eine ganz besondere Beziehung.

bundesliga.de: Am kommenden Freitag gastiert die Hertha beim Deutschen Meister, der in seinen Heimspielen seine Vorjahresform schon zeigte. Wie kann man den BVB stoppen? Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Dortmund?

Lell: Spielerisch ist der BVB besonders durch die Mitte stark. Wir müssen kompakt stehen und über unsere Außen kontern. Ich freue mich schon sehr auf das Spiel. Wir dürfen nicht in Ehrfurcht vor dem Meister erstarren und haben in Dortmund auch nichts zu verlieren. Das ist unsere Chance. Wir wollen auf alle Fälle versuchen, etwas Zählbares aus Dortmund mitzunehmen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski