München - Die Katastrophe in Japan hält die ganze Welt in Atem. Auch hierzulande blicken die Menschen besorgt nach Fernost, wenn die Bilder aus dem Krisengebiet über die Bildschirme flimmern. Besonders betroffen von den Ereignissen rund um den Atommeiler in Fukushima ist Guido Buchwald, der aus seiner Zeit als Spieler und Trainer in Japan noch viele Kontakte ins Kaiserreich hat.

Bei bundesliga.de schildert der Weltmeister von 1990 seine größten Sorgen, beschreibt die Gefühlslage der japanischen Bundesligaspieler und sagt, wie man helfen kann.

bundesliga.de: Herr Buchwald, Sie haben jahrelang als Spieler und Trainer in Japan gearbeitet. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die aktuellen Bilder aus dem Krisengebiet sehen?

Guido Buchwald: Entsetzen und Traurigkeit. Ich habe noch viele Freunde dort, teilweise auch in der Nähe zum Krisengebiet. Zwischen Bangen und Hoffen verfolge ich die Nachrichten und wünsche mir natürlich, dass der GAU nicht stattfindet. Ich sitze ganz oft vor dem Fernseher und versuche jede Information zu bekommen. Dabei fühle ich mich manchmal wie gelähmt.

bundesliga.de: Haben Sie noch viel Kontakte nach Japan? Was berichten die Menschen dort?

Buchwald: Die Menschen im Großraum Tokio sind noch relativ ruhig und besonnen. Sie haben sich unter Kontrolle, aber man hört natürlich auch heraus, dass Ängste und Befürchtungen vorhanden sind.

bundesliga.de: Haben Sie das Gefühl, dass die japanischen Medien anders über das Unglück berichten als die ausländische Presse?

Buchwald: Die japanischen Medien vermeiden es, die Katastrophen-Szenarien so herauszustellen, wie es im Ausland passiert. Bei uns wird ganz deutlich erklärt, was noch alles passieren kann - das findet man in der japanischen Presse nicht. Dort muss man ja auch über drei ganz schlimme Dinge berichten: Mit dem Erdbeben kommen die Japaner eigentlich immer relativ gut zurecht, aber der Tsunami hat ja alles zerstört. Und durch den Tsunami ist auch das Atomkraftwerk beschädigt worden. Die japanischen Medien zeigen also hauptsächlich das Leid der Menschen - über die möglichen Folgen eines GAUs wird dagegen nicht so offen berichtet. Man versucht, Ruhe zu bewahren.

bundesliga.de: Werden Sie künftig noch nach Japan fliegen - oder haben Sie Angst vor einer möglichen Strahlenbelastung?

Buchwald: Das kann man jetzt noch gar nicht sagen. Vorerst würde ich natürlich nicht nach Japan fliegen. Wir können jetzt alle nur abwarten und darauf hoffen, dass sie es noch in den Griff bekommen und es nicht zur schlimmsten Katastrophe kommen wird. Wenn das so ist, habe ich keine Bedenken, irgendwann wieder nach Japan zu reisen.

bundesliga.de: Wie kann man von hier aus helfen?

Buchwald: Ich habe mit vielen Leuten vor Ort gesprochen. Was das Atomkraftwerk angeht, können wir von hier aus natürlich gar nichts tun und müssen einfach hoffen, dass die Experten die Lage in den Griff bekommen. Anders sieht's bei den Tsunami-Opfern aus: Die brauchen Decken, warme Kleidung, Trinkwasser. Da können wir natürlich mit Spenden direkt helfen.

bundesliga.de: Sind die Ereignisse in der Heimat für die japanischen Profis, die in der Bundesliga spielen, eine Belastung - oder kann man so etwas ausblenden?

Buchwald: Das ist mit Sicherheit eine große Belastung. Kein Mensch auf der Welt könnte solch eine Katastophe im eigenen Land ausblenden. Und natürlich versuchen sie, ihren Landsleuten zu helfen.

bundesliga.de: Abseits der Katastrophe - wie bewerten Sie die Saison der japanischen Bundesligaspieler?

Buchwald: Äußerst positiv. Alle Japaner, die momentan in der Bundesliga spielen sind eine Bereicherung. Und ich glaube, dass sich der Trend fortsetzen wird: Es gibt noch sehr viele Talente in Japan, die absolut bundesligatauglich sind.

Das Gespräch führte Johannes Fischer