Für Mohamed Zidan war es eine ausgesprochen erfolgreiche Woche. Erst glänzte er bei der 1:3-Niederlage der Ägypter beim Länderspiel gegen England in London mit einem Tor und einer starken Leistung. Dann folgte der Gala-Auftritt samt Zaubertoren gegen Mönchengladbach. Geht es nach dem Willen des kleinen Angreifers, soll sich das so fortsetzen.

Frage: Sportdirektor Michael Zorc hatte vor der Partie kritisiert, einige Spieler müssten auch mal im Verein ihre guten Leistungen aus der Nationalmannschaft abrufen. Hat Sie das geärgert oder zusätzlich motiviert?

Mohamed Zidan: Ich habe das nicht als Kritik verstanden. Ich weiß, dass er sich für mich über mein Tor gegen England gefreut hat. Aber ich weiß auch, dass er sich freut, wenn ich für den BVB treffe. Ich habe das eher als positive Ermunterung verstanden und gegen Gladbach mit zwei Toren und einer Vorlage geantwortet. Und dann habe ich zu Michael Zorc nach dem Spiel gesagt, dass ich hoffe, dass er nun zufrieden ist. (lacht) Und das ist er!

Frage: Hat Ihnen der Auftritt mit Ägypten das nötige Selbstvertrauen für das Spiel gegen Gladbach gegeben?

Zidan: Das Tor gegen England hat mir wirklich Selbstvertrauen gegeben und noch mehr Motivation. Ich habe für Ägypten ein gutes Spiel gemacht und mich gut gefühlt. Ich bin zurzeit in einer guten Form und habe eine wirklich starke Zeit. Und ich wusste, dass ich jetzt dran bleiben muss. Dass ich genauso wie in London jetzt auch für die Borussia spielen muss und kann. Die Vorlage zum Tor von Kevin Großkreutz hat mir dann noch mal weiteres Selbstvertrauen gegeben. In der zweiten Halbzeit wollte ich alles geben, um auch selbst ein Tor zu schießen. Dann sind es zwei geworden und ich bin sehr zufrieden. Aber letztlich ist es egal, wer die Tore macht, entscheidend ist die Mannschaft.

Frage: Wie groß war der Druck allgemein nach der Derbypleite auf Schalke?

Zidan: Ich war nach der Derbyniederlage fast fünf Tage weg mit der Nationalelf. Aber sogar in London habe ich mitbekommen, dass die Stimmung alles andere als toll war. Wichtig war, den Kopf oben zu behalten und Disziplin zu bewahren. Das hat die ganze Mannschaft gegen Gladbach gezeigt. Viele Spieler haben sehr, sehr stark gespielt. Und damit haben wir uns die drei Punkte auch verdient.

Frage: Aber der Gegner war auch eher schwach.

Zidan: Gladbach war nicht besonders stark. Aber wir hatten uns auch vorgenommen, von der ersten Minute an Druck aufzubauen, stark zu spielen und nicht nur auf eine Chance zu warten. Das haben wir getan und das hat dem Gegner gezeigt, dass wir unbedingt diesen Sieg wollten. Das hat Gladbach sicher auch Angst gemacht.

Frage: Welche Rolle hat das Comeback von Sebastian Kehl gespielt, der erstmals wieder in der Startelf stand?

Zidan: Kehli hat uns wirklich gefehlt, wir brauchen ihn einfach. Ich bin froh, dass er wieder da ist. Er ist ein echter Leader - auf dem Platz und auch außerhalb. Er gewinnt viele Zweikämpfe für uns, ist sehr sicher mit dem Ball, läuft viel und gibt uns im Mittelfeld viel Sicherheit. Für mich ist Sebastian der beste Leader überhaupt. Er spricht auch außerhalb des Platzes sehr viel mit der Mannschaft. Er weiß immer, was zu sagen ist und wie es zu sagen ist. Und er kann einen Spieler auch sehr gut motivieren.

Frage: Sie selbst haben mit Tamas Hajnal einen direkten Konkurrenten, der zurzeit auf der Bank sitzt. Beflügelt Sie dieser Druck zusätzlich?

Zidan: Das ist für mich kein Druck. Wir haben ein großes Ziel und dafür brauchen wir die ganze Mannschaft. Tamas ist ein Klassespieler, der vor seiner Verletzung oft gezeigt hat, wie wichtig er für uns ist. Nach seiner Verletzungspause ist er jetzt zurück und beweist bei jeder Einwechslung mit guten Aktionen, was er kann. Natürlich sind wir in gewisser Weise auch Konkurrenten. Aber Konkurrenz gehört zum Erfolg, denn Erfolg ohne Konkurrenz ist nicht möglich. Wir brauchen Tamas und seine Zeit wird wieder kommen. Auch, wenn es im Moment nicht einfach ist, sich in die Mannschaft hineinzuspielen.

Frage: Erlebt der BVB zurzeit den stärksten Mohamed Zidan, seit Sie in Dortmund spielen?

Zidan: Vielleicht kann man das so sagen. Ich gehöre jetzt schon längere Zeit zur ersten Elf und habe eine starke Rolle gespielt. Ich fühle mich im Moment auch sehr stark. Ich weiß aber auch, dass ich jetzt dran bleiben muss und im Training und im Spiel immer hundert Prozent geben muss. Es tut auch gut zu merken, dass die Leute hinter mir stehen. Die Mannschaft unterstützt mich sehr und meine Familie und meine Freundin. Sie unterstützt mich jeden Tag und das macht mich stärker und stärker.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte