Irgendwann in den vergangenen Tagen ist sie ihm abhanden gekommen, diese bisher so beispielhafte Lockerheit. Jürgen Klinsmann vermittelt zweifelsohne nach der jüngsten Pleite, dem 2:4 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen, dass die Lage bei Bayern München ernst ist.

"Klar wurmt es uns alle, dass wir im Pokal ausgeschieden sind. Jeder wäre glücklicher gewesen, mit einem Sieg aus Düsseldorf zurückzukehren. Wir wollten alle drei Wettbewerbe möglichst bis zum Schluss durchziehen", sagt Klinsmann. Nachdem der erste mögliche Titel verspielt ist, hat der FC Bayern am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) gegen Hannover 96 aber die Chance zur Wiedergutmachung.

"Unser Ziel bleibt Platz 1"

"Wir müssen die Versäumnisse der vergangenen Wochen in der Bundesliga korrigieren. Unser Ziel bleibt nach wie vor Platz 1", stellt der Trainer des Rekordmeisters klar. Er erwartet eine deutliche Reaktion. Vier Zähler beträgt derzeit der Rückstand auf Spitzenreiter Hertha BSC.

Gründe für die genannten Versäumnisse liefert er gleich mit. "Letztendlich sind die Spieler auch nur Menschen. Sie haben in der vergangenen Saison das Double gewonnen und freuten sich alle auf die Champions League. Aber die Pflicht ist die Bundesliga." Klinsmann hat offenbar zum Teil fehlenden Erfolgshunger im Alltag ausgemacht. "Die mentale Arbeit ist eine große Herausforderung, auf die wir immer wieder hinweisen. Seine Leistung abrufen kann aber nur der Spieler selbst."

Drei Stammkräfte raus, einer rein

Dabei fallen für die Partie gegen die Niedersachsen allerdings erneut einige Leistungsträger aus. Luca Tonis Achillessehnen-Probleme sind nach wie vor zu nachhaltig. "Bei ihm müssen wir uns noch ein bisschen länger gedulden. Er soll seine Beschwerden jetzt dadurch kurieren, dass er 10 Tage Pause bekommt", klärt der Trainer auf.

Zusätzlich müssen aber auch Franck Ribery wegen einer Schienbeinprellung und Tim Borowski (Oberschenkelzerrung) sowie Kapitän Mark van Bommel (Gelbsperre) passen.

Dass mit Philipp Lahm zumindest ein Stammspieler auf den Rasen zurückkehrt, konnte Klinsmanns Stimmung angesichts der prominenten Ausfälle nur ein wenig heben: "Klar hätten wir in so einem wichtigen Spiel diese Leute dabei, um den Anschluss an die Spitze herzustellen."

Kritik? "Damit habe ich kein Problem"

Eine Aufholjagd vom aktuell fünften Tabellenplatz sei aber auch so möglich. "Die Mannschaft, die auflaufen wird, hat genügend Qualität, um Hannover zu schlagen. Ich erwarte totales Engagement, Feuer von der ersten Sekunde an und dementsprechend auch Tore. Unsere Bank ist stark besetzt. Jetzt hat der ein oder andere die Möglichkeit, nachzurücken und zu zeigen, was er drauf hat", sagt Klinsmann. Die Trendwende soll kommen, am Samstag.

Die Diskussionen um ihn selbst machen Klinsmann nach eigener Aussage nicht zu schaffen. "Wenn die Ergebnisse nicht so optimal sind, muss in erster Linie der Trainer den Kopf hinhalten. Damit habe ich kein Problem", erklärt er. "Bei diesem Club herrscht eine permanente Erwartungshaltung. Das dokumentiert die Wichtigkeit des Vereins, und wenn der FC Bayern ein paar Spiele verliert, ist die Tragweite eine ganz andere als bei anderen Clubs. Aber genau deswegen möchte man zum FC Bayern."

Erst kämpfen, dann spielen

Seit der Winterpause holte der FC Bayern vier von möglichen 15 Punkten, gegen die bislang schwächste Auswärtsmannschaft soll in der Allianz Arena der zweite Bundesliga-"Dreier" 2009 gelingen.

"Wir müssen über die Zweikämpfe den spielerischen Weg finden. Zuerst ist jedes Spiel ein Abnutzungskampf, man muss den Gegner zu Fehlern zwingen", so der Trainer. "Dieser Druck, dieses Pressing muss von uns ausgehen." Das soll den Weg zum Erfolg ebnen. Damit auch Klinsmann seine bisher charakteristische Lockerheit schnell wiederfindet.

Von der Säbener Straße berichtet Tim Tonner