Ein zweistelliger Sieg mit vielen Stürmertoren und ohne Gegentreffer: Der FC Bayern konnte es in dieser Saison auch schon mal richtig krachen lassen. Der Gegner beim 11:0-Scheibenschießen am 11. Juli 2009 war allerdings nur eine Auswahl des FC Bayern-Fanclubs "De rodn Waginga" und des Kreisligisten TSV Waging.

Der Waginger Fanclub hatte den Zuschlag für das zum "Traumspiel" erklärte Kräftemessen mit dem deutschen Rekordmeister bekommen und 15.000 Zuschauer ins Stadion nach Waging gelockt. Manfred Straßer, Vorsitzender von "De rodn Waginga", schenkte Bayern-Cheftrainer Louis van Gaal seinerzeit zum Dank eine Lederhose.

Sechs Wochen später gehört Straßer zu den Zigtausenden Bayern-Fans, die sich um ihren Club sorgen. Die sich die Köpfe heiß diskutieren, warum der FC Bayern ohne viel Gegenwehr in Mainz verloren hat und mit nur zwei von neun möglichen Punkten gestartet ist. bundesliga.de hat Manfred Straßer nach Erklärungen gefragt.

bundesliga.de: Herr Straßer, was ist los mit dem FC Bayern?

Manfred Straßer: Es ist als Zaungast schwer einzuschätzen, warum es definitiv nicht so läuft wie gewünscht. Man stellt sich die Frage, ob den Spielern die Qualität fehlt oder ob das System des neuen Trainers noch nicht greift. Hier trägt natürlich Louis van Gaal die Verantwortung.

bundesliga.de: Sie sind kein normaler Zaungast, Sie haben schließlich mit Ihrem Fanclub gegen die Bayern gespielt. Welchen Eindruck hatten Sie damals von der Mannschaft?

Straßer: Obwohl das ja kein ernsthafter Test war, ist mir sehr aufgefallen, wie konzentriert die Spieler zur Sache gegangen sind. Es ging ja auch der Kampf um die Plätze in der Mannschaft los. Van Gaal hat vielen jungen Spielern die Chance gegeben, das ist sehr positiv zu sehen. Man merkte gleich, wie die Hierarchie in der Mannschaft aussieht. Mark van Bommel war ganz klar der Leader, dann kam Philipp Lahm. Danach keiner mehr. So ein Typ wie van Bommel hat in Mainz gefehlt; einer, der korrigieren kann, wenn es mal nicht so läuft.

bundesliga.de: Haben Sie so eine sorgenvolle Stimmung um den FC Bayern schon mal erlebt?

Straßer: Ja, aber nur ganz, ganz selten. Und dann auch nicht gleich zu Beginn einer Saison. Wir Bayern-Fans sind ja sehr erfolgsorientiert und -verwöhnt. Es ist schwierig für van Gaal, so viele neue Gesichter schnell zu integrieren und ein neues System umzusetzen. Außerdem sind die länger verletzt gewesenen Spieler nicht in Form. Ein bissel Angst macht uns schon, dass wir noch keine Entwicklung sehen.

bundesliga.de: Und jetzt kommt ausgerechnet der Deutsche Meister. Was erwarten Sie von dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg?

Straßer: Meine Erwartung sind drei Punkte - egal wie. Ein Sieg wäre wichtig, damit wieder Ruhe einkehrt, auch im Fanlager. Schön spielen und gewinnen: Diese Erwartung hat im Moment keiner. Die Spieler sollten Respekt, also die richtige Wertschätzung den Wolfsburgern gegenüber zeigen. Die sind verdient Deutscher Meister geworden und man sieht in dieser Saison, dass das keine Eintagsfliege war. In Mainz hatte man nicht den Eindruck, dass die Bayern-Spieler den Mainzern mit dem gebotenen Respekt begegnet sind.

bundesliga.de: Angenommen, Sie sind für einen Tag Uli Hoeneß. Was würden Sie tun?

Straßer: Ich würde wieder ganz nah an die Mannschaft rücken. Denn Uli Hoeneß hat ein ganz feines Gespür, was in der Mannschaft los ist. Dann würde ich mir in Ruhe Gedanken machen, ob diese Mannschaft den hohen Ansprüchen gerecht werden kann. Ein paar Tage bleiben ja noch, um eventuell noch mal auf dem Spielermarkt tätig zu werden.

bundesliga.de: Und wenn Sie für einen Tag Louis van Gaal wären?

Straßer: Dann würde ich mir Videos vom FC Bayern der letzten zwei Jahre ansehen. Um zu sehen, welcher Spieler auf welcher Position gut und weniger gut zurecht gekommen ist. Und ich würde länger mit Co-Trainer Hermann Gerland sprechen und seine Ratschläge holen, denn er kennt die Mannschaft am besten.

Das Gespräch führte Stefan Kusche