Ingolstadt - Zuletzt konnte der FC Ingolstadt 04 zwar nur eins von sechs Spielen gewinnen. Dennoch führen die Schanzer nach wie vor die Tabelle der 2. Bundesliga mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz drei an. Im Interview mit bundesliga.de betont FCI-Kapitän Marvin Matip, dass die Mannschaft keine Schwächephase habe und alles für den "großen Traum geben werde".

bundesliga: Marvin Matip, nach der Heimniederlage gegen Karlsruhe gab es bei Eintracht Braunschweig ein torloses Remis für den FCI. Wie bewerten Sie die Partie mit ein paar Tagen Abstand?

Marvin Matip: Wenn man sich den ganzen Spielverlauf anguckt, war das Unentschieden irgendwo ein glücklicher Punkt, den wir vor allem einer überragenden Torwartleistung zu verdanken haben. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir auswärts gespielt haben und Braunschweig auch eine sehr gute Truppe hat. Wir sind nicht so vermessen, dass wir auswärts nicht mehr mit einem Punkt in Braunschweig leben können. Das Ergebnis war absolut in Ordnung. Und nach den restlichen Ergebnissen des Spieltags haben wir sogar noch einen Punkt auf den SV Darmstadt 98 gut gemacht.

"Im eigenen Stadion Stärke zeigen"

bundesliga: Auswärts hat der FCI noch keine Schwächen gezeigt. Der Schuh drückt im Jahr 2015 eher im eigenen Stadion, wo in drei Spielen erst ein Punkt geholt wurde.

Matip: Wir haben beim 1:3 gegen den SV Sandhausen das schlechteste Spiel der Saison absolviert und völlig verdient verloren. Gegen den Karlsruher SC(1:3,die Red.) haben wir eigentlich eine anständige Leistung geboten. Wir haben uns aber nicht belohnt. Es fehlte der Ertrag. Wenn wir an diese Leistung zuhause anknüpfen, werden wir auch über kurz oder lang daheim die Punkte holen. Damit wollen wir am übernächsten Sonntag gegen Frankfurt anfangen. Es geht darum, im eigenen Stadion Stärke zu zeigen und den Ertrag einzufahren.

bundesliga: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Clubs, die eine überragende Hinrunde gespielt haben, nicht mehr so ganz leicht durch die Rückrunde marschiert sind. Die Erwartungshaltung der Fans und der Druck nehmen zu, die Lockerheit geht ein bisschen verloren. Haben Sie diese Erfahrung auch gemacht?

Matip: Nein, ich sehe das nicht so. Man hat versucht, uns in eine Rolle zu schieben. Aber wenn man die Spiele der Hinrunde betrachtet, waren bis auf wenige Ausnahmen, etwa beim 3:0-Sieg in Sandhausen oder mit Abstrichen beim 2:0 gegen Fürth, alle Spiele verdammt eng und standen auf des Messers Schneide. In der Hinrunde haben wir oft 1:0 gewonnen und haben es oft geschafft, zu null zu spielen. Uns war auch klar, dass es nicht immer so laufen kann. Wir sind mit der Punkteausbeute in diesem Jahr nicht so zufrieden. Aber wir haben uns mit Ausnahme des Sandhausen-Rückspiels mit allen Gegnern auf Augenhöhe befunden und waren teilweise besser. Es hat nichts mit dem äußeren Druck zu tun. Es geht darum, in jedem Spiel den Tick besser zu sein. In der Hinrunde ist uns das oft gelungen, in der Rückrunde noch nicht.

"Wir haben keine Schwächephase"

bundesliga: Die Konkurrenz hat auch nicht übermäßig gepunktet. Der FCI hat immer noch einige Punkte Vorsprung. Wie bewerten Sie die Ausgangssituation?

Matip: Sie ist ganz hervorragend. Das haben wir uns durch die gute Hinrunde erarbeitet. Wir haben generell keine Schwächephase, sondern nur von den Punkten her eine schwächere Phase. Aber ich sehe tagtäglich, wie die Jungs arbeiten und wir uns auf die Aufgaben vorbereiten. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir auch punkte-technisch wieder auf die Schiene kommen. Das nächste Spiel gegen den FSV Frankfurt wird eine ganz entscheidende Partie sein. Wenn wir in dem Spiel drei Punkte holen, haben wir, wie gesagt, eine ganz hervorragende Ausgangssituation.

bundesliga: Haben Sie den Eindruck, dass bei den Schanzern Unruhe aufgekommen ist?

Matip: Nein, es läuft alles wie vorher auch. Im inneren Kreis verliert niemand die Nerven. Die Spiele werden genauso aufgearbeitet, wir wollen weiterhin unsere Defizite ausmerzen. Wir verbessern unser mutiges Offensivpressing. Die Art und Weise, wie wir punkten und auftreten, macht mich kein bisschen ängstlich. Ich freue mich auf die letzten acht Spiele, in denen wir zeigen können, was in uns steckt.

bundesliga: Die Mannschaft ist nach wie vor Tabellenführer, der Aufstieg dürfte das klare Ziel sein.

Matip: Wenn wir es am Ende nicht schaffen und Vierter werden und es aus irgendwelchen Gründen nicht gereicht hat, könnten wir dennoch auf eine hervorragende Saison zurückblicken. Aber wir sind Profisportler, stehen jetzt seit sechs Monaten auf Platz 1 und wollen unsere Position natürlich bis zum Ende verteidigen. Wir haben eine sehr gute Ausgangssituation und spannende und interessante Spiele vor uns, das genießen wir und werden alles für den großen Traum geben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski