Im ersten Spiel unter Huub Stevens gelingt dem VfB Stuttgart ein deutlicher Auswärtssieg. Dank Freiburger Fehlern und einem sehr ansehnlichen zweiten Durchgang.

Die Hände im Rücken gefaltet, den Oberkörper leicht nach vorne geneigt – Huub Stevens verfolgte die 90 Minuten im Schwarzwaldstadion in exakt der Körperhaltung, die die Fußballfans von ihm seit dem 1. Juli 1996, seinem ersten Arbeitstag auf Schalke, kennen. Und der Mann, der seit der damaligen Zeit oft zu Unrecht als Defensiv-Papst charakterisiert wird, sah im ersten Durchgang tatsächlich eine Mannschaft, der es genügte, nicht in Rückstand zu geraten.

Defensive steht solider

Doch das lag nur zum Teil an einer bei Stevens nicht unüblichen taktischen Vorgabe (Analyse), zum anderen aber auch am Freiburger Angriffsschwung, der den VfB in der ersten Halbzeit ganz schön auf Trab hielt. "Wir wussten, dass Freiburg Qualität hat und hatten uns vorgenommen kompakt zu stehen und nichts zuzulassen", erklärte der Stuttgarter Mittelfeldmann Sercan Sararer (Stimmen zum Spiel). "Nach der Pause waren wir besser und haben unsere Chancen genutzt."

Alles in allem stand die Stuttgarter Defensive allerdings weitaus solider als zuweilen in den vergangenen Wochen, was nicht zuletzt daran lag, dass die Innenverteidigung um Antonio Rüdiger und Timo Baumgartl einen guten Tag erwischte. Dass es am Ende dennoch zu einem komfortablen 4:1-Sieg reichte, lag zum einen an Freiburger Unzulänglichkeiten – Unglücksrabe Stefan Mitrovic verschuldete allein zwei Stuttgarter Treffer. Zum anderen zeigte der VfB im zweiten Durchgang ein ansehnliches und zielstrebiges Offensivspiel, attackierte früh und ließ den Ball gekonnt durch die eigenen Reihen laufen. "Wir haben da sehr guten Konterfußball gespielt", betonte Stevens. "Das dritte und vierte Tor haben wir gut herausgespielt. Auch danach hatten wir noch gute Gelegenheiten."

Stevens Änderungen zahlen sich aus

Was Stevens in aller Bescheidenheit unerwähnt ließ: Nicht zuletzt die Spieler, die ihren Platz in der Stammformation dem Trainerwechsel verdankten, taten sich besonders hervor. Timo Werner, Sararer und Carlos Gruezo, die unter Vorgänger Armin Veh manchmal einen schweren Stand hatten, präsentierten sich dabei ebenso als Aktivposten wie der zweifache Torschütze Martin Harnik, der nach dem Spiel Bescheidenheit anmahnte: "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Im ersten Spielabschnitt haben wir keinen guten Fußball gespielt, sind oft nicht in die Zweikämpfe gekommen und hatten Glück, dass wir nicht mit einem Rückstand in die Pause gehen." Alles in allem, so Harnik, habe man sich den Dreier aber redlich verdient. "Aufgrund der zweiten Halbzeit geht der Sieg schon in Ordnung."

Dass daran auch der neue, alte Coach seinen Anteil habe, betonte auch Präsident Bernd Wahler (Video: Stevens Amtsantritt in Stuttgart), der aber genausowenig wie seine Spieler auch nur ein negatives Wort über Vorgänger Armin Veh verlor. "Der Trainer hat während der vergangenen Tage viel mit uns geredet", betonte Mittelfeldmann Moritz Leitner. „Er hat uns gut eingestellt und wir sind froh, dass wir das dann auch umsetzen konnten."

So sah es auch Stevens selbst, der auch nach dem Blick auf die Tabelle zufrieden war. "Wir haben bei einem direkten Konkurrenten gewonnen, dieser Sieg gibt uns Selbstvertrauen."

Christoph Ruf