Nach dem 2:3 zum Bundesligastart hat Werder Bremen eine beeindruckende Serie hingelegt und seitdem in der Liga, im DFB-Pokal und in der Europa League keine Partie mehr verloren. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge und dem Sprung auf Platz 4 konnte auch Klaus Allofs, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei den "Grün-Weißen", gut mit der Länderspielpause leben.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de zieht der 52-Jährige eine Zwischenbilanz nach dem ersten Viertel der Saison. Außerdem lobt Allofs einen Newcomer und gibt zu, dass er manchmal seine Stars ausspioniert.

bundesliga.de: Herr Allofs, wie sehr haben Sie sich über die Länderspielpause geärgert?

Klaus Allofs: Sie spielen jetzt darauf an, dass es bei uns läuft und wir vielleicht gerne weitergespielt hätten. Mal kommt die Pause zu Recht, mal zu Unrecht - wir regen uns darüber nicht mehr auf. Man kann diese Zeit auch nutzen, um ein paar Verletzte wieder näher an die Mannschaft heranzuführen oder um - zwar mit einem kleineren Kader - taktische Dinge noch genauer herauszuarbeiten. Mit diesen Pausen leben wir.

bundesliga.de: Sie leben wahrscheinlich umso besser damit, weil Werder erst eine Pflichtspielniederlage - das 2:3 gegen Frankfurt zum Bundesligastart - kassiert hat, oder?

Allofs: Natürlich ist es viel angenehmer, wenn man mit einem Erfolgserlebnis in so eine Länderspielpause geht. So wie wir mit dem 2:0-Sieg in Stuttgart. Dann stehen andere Themen auf dem Programm als nach einer Niederlage. Unter diesem Gesichtspunkt verlief die Pause bisher sehr ruhig.

bundesliga.de: Stimmt es eigentlich, dass Sie das Training durch ein Fernglas aus Ihrem Büro heraus beobachten?

Allofs: Ich könnte das machen, richtig. Ich habe ein Fernglas bei mir auf dem Schreibtisch stehen und kann unsere Trainingsplätze sehen. Aber ich beobachte die Einheiten nicht von hier oben. Dafür gehe ich meist direkt auf den Platz. Aber es gibt schon mal die eine oder andere Gelegenheit, wo ich schaue, wer verletzt am Boden liegt oder was Besonderes los ist.

bundesliga.de: Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach dem ersten Viertel der Saison in Bezug auf die Mannschaft aus? Wer hat Sie bisher am meisten überrascht oder überzeugt?

Allofs: Philipp Bargfrede ist sicherlich jemand, der absolut überrascht hat, den man zu Beginn der Saison sicherlich in dieser Form nicht auf dem Zettel hatte. Die Entwicklung von anderen Spielern ist keine große Überraschung. Bei Claudio (Pizarro, Anm. d. Red.) wussten wir, was uns erwartet. Diese Erwartungen hat er bestätigt, was aber natürlich auch sehr positiv ist. Die Entwicklung von Mesut (Özil, Anm. d. Red.) hatte sich im vergangenen Jahr auch schon angedeutet, darüber hinaus hat sich Naldo auf einem hohen Niveau stabilisiert. Aber das sind eher normale Dinge.

bundesliga.de: Und was sagen Sie zu Aaron Hunt?

Allofs: Aaron ist eine sehr positive Überraschung. Er hat nach einer Phase mit vielen Verletzungen und Rückschlägen viel Sicherheit und Stabilität bekommen. Das untermauert er nun mit sehr guten Leistungen.

bundesliga.de: Kommen wir mal zu dem Trainer dieser ganzen Spieler. Wie bestätigt fühlen Sie sich, dass Sie in der Vorsaison trotz öffentlicher Kritik auf Thomas Schaaf vertraut haben?

Allofs: Ich möchte noch einmal betonen, dass wir im vergangenen Jahr zwar Zehnter in der Bundesliga waren, aber den DFB-Pokal gewonnen haben (1:0 gegen Bayer Leverkusen, Anm. d. Red.) und in einem europäischen Endspiel standen (UEFA-Pokalfinale gegen Schachtjor Donezk (1:2 n. V.), Anm. d. Red.). Das ist seit einigen Jahren keiner deutschen Mannschaft mehr gelungen. Wir konnten die Einschätzung, dass es eine schlechte Saison gewesen sei, nie teilen. Dass es innerhalb einer Spielzeit immer mal Probleme gibt, ist völlig normal. Aber es gab überhaupt keinen Grund und keinerlei Ansätze, an den Fähigkeiten von Thomas Schaaf zu zweifeln. Natürlich sind wir jetzt bestätigt worden, dass wir da richtig gelegen haben.

bundesliga.de: Sie arbeiten mittlerweile seit 1999 erfolgreich zusammen - eine einzigartige Konstanz in der Bundesliga. Warum passt die Konstellation Allofs / Schaaf so gut?

Allofs: Eine Charakterisierung ist gar nicht so leicht. Wir haben von Anfang an auf einer Wellenlänge gefunkt, und es gibt eine klare Aufteilung der Kompetenzen. Insgesamt ist die Zusammenarbeit aber ein Miteinander, und wir vertrauen uns gegenseitig. Diese Punkte machen es im Grunde aus.

Das Gespräch führte Tim Tonner