Dortmund - 90 Minuten lang war der FC Schalke 04 ausgerechnet von Borussia Dortmund vorgeführt worden - und Horst Heldt sah man das nach der Partie auch an. Sichtlich mitgenommen versuchte Schalkes Sportvorstand die 0:3-Niederlage und vor allem das schlechte Auftreten zu erklären.

An ebenso klaren wie kritischen Worten an die eigene Mannschaft mangelte es dabei nicht. Nur seinen Torhüter nahm Heldt ausdrücklich in Schutz.

"In diesem Spiel ist alles schief gelaufen"

Frage: Horst Heldt, was war los mit Schalke in diesem Revierderby?

Horst Heldt: In diesem Spiel ist alles schief gelaufen. Wir hatten vielleicht zwei, drei Minuten in der Anfangsphase, in denen wir im Spiel waren. Von da an haben wir das Spiel völlig weggegeben. Wir haben nur reagiert, überhaupt nicht agiert. Und am Ende haben wir hoch verdient verloren. Es war eh ein Wunder, dass wir so lange das 0:0 gehalten haben.

Frage: Die Fans haben nach Abpfiff wütend reagiert und die Mannschaft ausgepfiffen.

Heldt: Es war ein sehr schlimmer Auftritt und wir können uns nur bei unseren Fans entschuldigen für die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind in Dortmund. So darf man einfach nicht auftreten. Es war kollektives Versagen. Es gab zwei, drei Spieler, die annähernd an ihre normale Leistung gekommen sind. Ansonsten haben wir einen völlig schlechten Auftritt gehabt.

"Wellenreuther hat vieles verhindert"

Frage: Zählen Sie zu diesen zwei, drei Spielern trotz seines Patzers auch Timon Wellenreuther?

Heldt: Ich finde, man kann neben Marco Höger und Benedikt Höwedes auch Timon Wellenreuther dazu zählen. Unbedingt sogar, er hat vieles verhindert. Dass er dann noch einen Fehler gemacht hat, war schade. Das Ärgerliche war daran, dass wir bei einem eigenen Freistoß mal wieder nichts Besseres zu tun hatten, als dass der Ball beim eigenen Torhüter landet. Natürlich muss er das dann besser lösen, aber seine Vorderleute müssen es im Vorfeld gar nicht erst zu so einer Situation kommen lassen.

Frage: Was denken Sie, wie er als junger Torhüter mit solchen Patzern wie zuletzt gegen Bremen und jetzt gegen Dortmund umgehen wird?

Heldt: Er ist ein junger Spieler und er wird es sicherlich in so einer Situation nicht noch einmal probieren, den gegnerischen Stürmer auszudribbeln. Da ist er ein zu hohes Risiko gegangen, aber das weiß er auch selbst. Aber wenn wir jetzt anfangen, an diesem Jungen die Derbyniederlage festzumachen, dann wäre das wirklich aberwitzig.

"Haben alles vermissen lassen, was man braucht"

Frage: Hat es Sie auch erschreckt, dass Schalke auch nach der Halbzeitpause nicht besser ins Spiel gekommen ist?

Heldt: Das Beste an der ersten Halbzeit war, dass wir mit einem 0:0 in die Pause gegangen sind. Wie gesagt, das war schon ein Wunder. Wir hatten dann in der Pause natürlich die Hoffnung, dass es besser wird und dass ein Ruck durch die Mannschaft geht. Aber sie hat zu keinem Zeitpunkt ins Spiel gefunden, auch nicht in der zweiten Hälfte.

Frage: Haben Sie denn eine Erklärung für diese Leistung?

Heldt: Dieser Auftritt ist nicht zu erklären! Es stand viel auf dem Spiel, das Derby ist mit die wichtigste Partie der Saison. Alles, was wir im Hinspiel zu Hause gut gemacht haben, hat dieses Mal gefehlt. Wir haben alles vermissen lassen, was man braucht. Das ist einfach absolut enttäuschend.

"Voll auf die nächsten Aufgaben konzentrieren"

Frage: Wie kann und muss man ein solches Spiel jetzt aufarbeiten?

Heldt: Wir müssen sehen, dass wir wieder in die Spur kommen, Dass jeder Einzelne dabei gefordert ist, ist klar. Das ist jetzt eine Charakterfrage. Wir werden sehen, wie jeder Einzelne diese Situation annimmt. Jeder muss sich dieser Situation stellen und sich voll auf die nächsten Aufgaben konzentrieren.

Frage: Roberto Di Matteo hat angekündigt, seine Taktik zu überdenken. Ist die bisherige Spielweise doch zu defensiv?

Heldt: Wir hatten gegen Dortmund einen Komplettausfall von ganz vielen Spielern. Da brauchen wir jetzt nicht über Taktik sprechen. Die meisten Spieler sind nicht annähernd an ihre Leistung gekommen und das war am Ende das Problem dieser Niederlage. Aber natürlich werden wir uns in der Woche auch noch Gedanken machen, was wir tun müssen, um ganz schnell wieder andere Ergebnisse zu liefern.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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