München - Woche für Woche sorgen die Stars des FC Bayern München dank Glanzleistungen für immer neue Highlights, doch nur einer schafft es allein durch seine Anwesenheit für kollektive Gänsehaut in der Allianz Arena zu sorgen: Holger Badstuber. Der leidgeprüfte Innenverteidiger hat sich mal wieder zurückgekämpft und exakt 200 Tage nach seinem letzten Pflichtspiel sein umjubeltes Comeback gefeiert.

Mit Standing Ovations empfingen die Anhänger ihren Liebling, als dieser beim 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart in der 59. Minute seine lange Leidenszeit beendete. "Das war sehr emotional", bedankte sich Trainer Pep Guardiola bei den Zuschauern für diesen tollen Empfang. "An der Reaktion des Publikums hat man gesehen, wie beliebt er ist und dass die Leute ihm sehr nahe stehen. Das hat er sich mit seiner Haltung und seiner Verhaltensweise verdient", ergänzte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

"Toller Typ und super Mensch"

Badstubers Abwehrkollege Jerome Boateng freute sich ebenfalls mit dem Rückkehrer: "Er ist ein ganz toller Spieler und ein super Mensch." Und Robben ergänzte: "Ich habe auch Gänsehaut bekommen, denn ich weiß, wie sich das anfühlt. Er hat eine sehr schwere Leidenszeit hinter sich und hat sich wieder zurückgekämpft."

Die Liste seiner Rückschläge ist lang. Und dennoch ist Badstuber immer wieder aufgestanden. "Ich habe keine Zweifel, sonst hätte ich es nicht zum wiederholten Mal geschafft", betonte Badstuber. Anfang Dezember 2012 nahm das Unheil seinen Lauf: Im Spiel gegen Borussia Dortmund zog er sich einen Kreuzbandriss zu, während der Reha erlitt er einen erneuten Riss. Erst zu Saisonbeginn 2014/15 kehrte er auf den Platz zurück, doch die Freude währte nur kurz. Am 3. Spieltag erlitt Badstuber einen Sehnenriss im Oberschenkel, der ihn bis zum 21. Spieltag außer Gefecht setzte. Dem umjubelten Comeback folgte nach einem Muskelriss im April der erneute bittere Rückschlag.

Empfang ging unter die Haut

Ganz spurlos sind diese Monate nicht an ihm vorübergegangen. "Die Zeit verändert auch mich, aber das ist gut. Ich habe einiges mitgenommen, was ich noch nicht kannte", sagte Badstuber. Das Ziel, seine Leidenschaft Fußball wieder ausüben zu wollen, war in diesen schweren Momenten sein Antrieb. Der beeindruckende Empfang bei seiner Rückkehr war der Lohn für das hart erarbeitete erneute Comeback. "Das geht unter die Haut. Ich hoffe, dass ich den Fans durch meine Leistung etwas zurückgeben kann."

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Darauf hofft auch sein Trainer Guardiola, der den 26-Jährigen behutsam wieder aufbauen will. "30 Minuten sind der erste Schritt", sagte der Katalane nach Badstubers Comeback gegen den VfB. "Er braucht Zeit, um sein hohes Niveau zu erreichen. Wir brauchen ihn, denn bis jetzt haben wir nur mit einem Innenverteidiger gespielt."

Badstuber bedankte sich für das Vertrauen. "Es ist schön, wenn ich meine Einsatzzeiten bekomme und der Trainer hat ein gutes Gespür dafür", sagte der Defensivmann, wohlwissend, das ihm noch ein weiter Weg bevorsteht: "Ich bin voll belastbar und habe ein gutes Gefühl, aber nach zwei Wochen Training weiß ich auch, dass noch etwas fehlt."

"Ich habe keine Angst"

Seine Kollegen sind jedenfalls froh, dass er wieder dabei ist und drücken ihm für die Zukunft die Daumen. "Er ist ein überragender Typ, der das Herz am richtigen Fleck hat", sagte Kapitän Philipp Lahm und hob Badstubers Grundschnelligkeit und sein gutes Passspiel als besondere Stärken hervor. "Er ist ein guter Spieler, deswegen hoffen wir, dass er lange fit bleibt."

Badstubers positive Einstellung, die er sich trotz all der Rückschläge bewahrt hat, hilft ihm dabei. "Ich habe keine Angst. Wenn ich rausgehe, spiele ich Fußball und da will ich alles für die Mannschaft geben", sagte Badstuber und blickte bereits kämpferisch voraus. "Ich habe den ersten Einsatz hinter mir und jetzt geht es wieder weiter. Fußball ist ein Tagesgeschäft, jetzt heißt es für mich: weiterarbeiten."

Aus München berichtet Maximilian Lotz