Hätte Hans Meyer einen Wunsch frei, es wäre heute schon Weihnachten. "Das wird für uns ein Sanatorium für den Kopf. Wir müssen es irgendwie schaffen, bis zur Weihnachtspause eine halbwegs ordentliche Bilanz hinzulegen, die uns etwas Hoffnung lässt, im Frühjahr angreifen zu können", sagte der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach nach dem 1:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt.

Doch sieben Wochen vor dem Fest gibt es beim fünfmaligen deutschen Meister keinen Anlass zu weihnachtlicher Vorfreude: elf Spiele, sieben Punkte, Platz 17 und Abstiegskampf statt Feststimmung.

Schwere Aufgaben im Restprogramm

Meyer war zumindest sein 66. Geburtstag am Montag (3.11.2008) verdorben. "Wir sind in einer äußerst prekären Situation, das tut weh - besonders, weil wir ja die Chance hatten, Frankfurt in der Tabelle bei uns zu halten."

Der Ausblick ist nicht erfreulicher als der Rückblick. Es folgt zunächst "ein heftiger Kampf" (Meyer) bei Arminia Bielefeld, dann kommen die Bayern, ein Auswärtsspiel auf Schalke, auch Bayer Leverkusen steht auf der Liste. "Wir haben uns nun gehörigen Druck verschafft. Jetzt müssen wir wieder für mehr Ruhe sorgen", forderte Meyer: "Am besten mit einem Sieg gegen die Bayern. Aber sowas kann man nicht ernsthaft verlangen."

"Sind an den anderen dran"

Marko Marin, bester Gladbacher und "Vorbereiter" des Eigentores von Marco Russ (12.) zum 1:0, verlangte zumindest ein Erfolgserlebnis auf der Alm. "In Bielefeld müssen wir etwas holen. Das war eine ganz bittere Niederlage, aber eigentlich hat sich nichts geändert. Frankfurt hat sich abgesetzt, aber an den anderen sind wir dran", sagte der Nationalspieler.

Weder der Trainer noch sein Starspieler oder der Rest der Mannschaft hatten eine logische Erklärung für individuelle Fehler, Leichtsinn im Abwehrverhalten, Verunsicherung und das viel zu schnelle 1:1 durch Martin Fenin (16.). "Bei uns reißt dann immer der Faden", meinte Meyer: "Bestimmte Dinge ziehen wir nicht durch. Wir bringen nicht die individuelle Leistung, ein Team wie Frankfurt mal eben an die Seite zu spielen."

Personelle Alternativen fehlen, Neueinkäufe sind im Winter immerhin "in Erwägung zu ziehen", wie Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bemerkte. "Glauben Sie mir", sagte Meyer auf die Frage nach Sascha Rösler oder Oliver Neuville, "so dumm ist kein Trainer der Welt, dass er Spieler draußen lässt, wenn diese sich im Training unverzichtbar machen." Es bleibe die Hoffnung, "Fehler abzustellen und einige Dinge besser zu machen."

Funkel lobt Team

Sein Kollege Friedhelm Funkel hat die Ruhe, die Meyer sich wünscht. Drei Siege aus vier Spielen mit dem letzten Aufgebot haben Diskussionen um die Ablösung des Eintracht-Trainers verstummen lassen. "Ich habe immer gesagt, dass das absoluter Blödsinn war", meinte Funkel. "Der Mannschaft gebührt ein Riesenkompliment."

Er habe auch in schwierigen Situation nie "draufgehauen", persönliche Ansprache und Mutmachen, das sei die Erfolgsmethode. Nach dem Siegtor durch Michael Fink (52.) steht auf Funkels Wunschzettel nur noch das Ende der Verletztenmisere.