Mönchengladbach - Im Kampf um den Klassenerhalt konnte Borussia Mönchengladbach weiter Boden gutmachen. Durch den 2:0-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim hat der Tabellenletzte nur noch drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Nach dem zweiten Erfolg im dritten Spiel unter Trainer Lucien Favre steht für die Gladbacher am kommenden Samstag bei Werder Bremen nun das erste "Abstiegsendspiel" an.

Nach dem ersten Sieg gegen den Angstgegner aus dem Kraichgau wollen die Gladbacher gegen den direkten Abstiegskonkurrenten von der Weser endlich das schaffen, was ihnen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht gelungen ist: zwei Siege in Folge einzufahren.

"Der Sieg gegen Hoffenheim ist erst etwas wert, wenn wir gegen Bremen auch gewinnen", sagte Kapitän Filip Daems, der sein Team mit einem verwandelten Elfmeter auf die Siegerstraße brachte, bevor Igor de Camargo mit seinem Kopfballtor alles klar machte.

Sechs-Punkte-Spiele kommen

Vor einigen Wochen noch abgeschrieben, hat Borussia Mönchengladbach den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze wieder hergestellt. Während die Saison in die entscheidende Phase geht, sind die Mannschaften am Tabellenende enger zusammengerückt.

"Für uns kommen nun die Sechs-Punkte-Spiele gegen Bremen und Kaiserslautern", sagt Stürmer de Camargo. Der Belgier, mit sieben Treffern erfolgreichster Torschütze der Gladbacher, gibt sich vor dem Auswärtsspiel in Bremen angriffslustig: "Wir haben gegen Hoffenheim taktisch sehr intelligent gespielt. Wenn wir daran anknüpfen, gewinnen wir auch in Bremen".

Für die Elf von Trainer Lucien Favre ist es an der Zeit, nach dem Sieg gegen Hoffenheim eine gute Leistung mit weiteren Punkten zu bestätigen. Zu oft gab es in dieser Saison das gewohnte Déjà-Vu, bei dem auf eine gute Partie eine bittere Niederlage folgte. "Wir müssen einfach weiter von Spiel zu Spiel schauen und am nächsten Spieltag nachlegen. Wir brauchen endlich mal eine kleine Serie, dann kommt man da unten auch raus", sagte Michael Fink, der gegen Hoffenheim erstmals in der Startelf stand.

Favre findet die Schlüssel zum Erfolg

Favre hatte seine Mannschaft im Vergleich zur Niederlage in Wolfsburg auf vier Positionen verändert. Gegen Hoffenheim rückten Torben Marx und Michael Fink in die Startformation, um die Defensive zu verstärken. Tony Jantschke ersetze den zuletzt formschwachen Tobias Levels auf der rechten Abwehrseite. Zudem stürmte Igor de Camargo von Beginn an.

Ein geschickter Schachzug des Schweizers, der sein Team phasenweise mit drei "Sechsern" (Marx, Fink, Roman Neustädter) spielen ließ, wodurch die sonst so spielstarken Kraichgauer nie zur Entfaltung kamen. "Der Trainer legt sehr viel Wert auf taktische Disziplin. Das üben wir praktisch die ganze Woche. Es sind teilweise nur kleine Details im Stellungsspiel, die sehr wichtig sein können", erklärt Daems die neue Ausrichtung.

Gute Raumaufteilung, frühe Balleroberung, Aggressivität im Zweikampf und schnelles Umschalten nach vorne in einem variablen System mit einem oder zwei Stürmern waren gegen Hoffenheim die Schlüssel zum Erfolg. Ähnlich couragiert müssen die Gladbacher auch beim Tabellen-14. auftreten, denn ausgerechnet vor dem Abstiegsduell gelang auch dem SV Werder nach zuletzt sechs sieglosen Spielen beim 3:1 in Freiburg ein Befreiungsschlag.

"Das wird eine heiße Kiste"

Nach dem Sieg im Breisgau sieht Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs dem Spiel gegen Mönchengladbach mit gemischten Gefühlen entgegen: "Ich traue dem Braten noch nicht so ganz, aber man sieht mittlerweile natürlich viel mehr positive Dinge. Gegen Gladbach dürfen wir keinen einzigen Schritt weniger machen. Das wird eine ganz heiße Kiste."
Während Bremen erst einen Heimsieg (2:1 gegen Hoffenheim) in diesem Jahr feiern konnte, hat die Borussia bereits zwei Auswärtssiege (Nürnberg, Frankfurt) auf dem Konto. Im Weserstadion treffen zudem die beiden schlechtesten Abwehrreihen aufeinander: Werder kassierte 51 Gegentore, Mönchengladbach bereits 59.

"Wir haben uns alle in diese Situation gebracht und sind nun gemeinschaftlich gefordert, da wieder raus zu kommen", so Bremens Trainer Thomas Schaaf. "Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen", warnt er auch vor dem Tabellenletzen aus Mönchengladbach.

"Jeder kann die Tabelle lesen"

Auch wenn die "Elf vom Niederrhein" möglichst schnell die Rote Laterne loswerden will, bleibt Trainer Lucien Favre zurückhaltend: "Jeder kann die Tabelle lesen. Wir sind immer noch Letzter. Es ist und bleibt für uns sehr schwer, aber es ist möglich".

"Ich denke, dass die Mannschaften absteigen, die zuerst die Nerven verlieren. Wir müssen jetzt alles um uns herum ausblenden. Unsere Chancen sind nun etwas gestiegen, aber geschafft haben wir noch nichts", sagt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.

Für den Die Borussia gab es allerdings unter der Woche einen Schock zu verdauen: Igor de Camargo, der mit vier Toren in seinen letzten fünf Spielen maßgeblichen Anteil am Gladbacher Aufschwung hat, fällt nach einer starken Innenbanddehnung wochenlang aus.

Markus Hoffmann