Bayer Leverkusen bleibt nach dem 1:0-Sieg im rheinischen Derby beim 1. FC Köln in der Bundesliga weiter ungeschlagen. Hinter dem Tabellenführer Hamburger SV haben sich die "Werkskicker" bereits ein stattliches Punktepolster auf die Konkurrenz erarbeitet.

Mit 17 Punkten nach sieben Spieltagen hat Bayer den besten Saisonstart seiner Bundesliga-Geschichte hingelegt. Auch das Pokal-Aus in Kaiserslautern unter der Woche konnte die Truppe von Trainer Jupp Heynckes nicht aus der Erfolgsspur bringen.

"Wichtig, eine Reaktion zu zeigen"

"Es war wichtig, eine Reaktion nach dem Pokalspiel zu zeigen und nachzulegen, um nicht in einen Negativlauf zu geraten", sagte Bayers Siegtorschütze Simon Rolfes nach dem Derbysieg in Köln.

Der gleichen Meinung war auch Sportchef Rudi Völler: "In der letzten Saison sind wir nach solchen Rückschlägen eine Weile liegen geblieben. Nach der Niederlage in Kaiserslautern hat Jupp Heynckes aber noch in der Kabine eine Rede gehalten und die Mannschaft stark geredet und gelobt. Dann ging es unaufgeregt weiter."

"Abwehrverhalten ist die Basis"

Stets fällt der Name des neuen Trainers, wenn nach den Ursachen für den Höhenflug der Rheinländer gesucht wird. Der erfahrene Coach hat seinem Team eine neue Spielphilosophie verordnet, ohne es seiner ureigenen Stärken zu berauben. Offensiv lässt auch Heynckes spielen, doch in einer anderen Dosierung als noch in den Vorjahren. Und vor allem mit einer anderen Ordnung.

"Der Trainer hat immer wieder betont, dass unser Abwehrverhalten die Basis für den Erfolg ist. Wir haben den Glauben, dass wir mit einer Aktion das Spiel entscheiden können. Wir bekommen immer unsere Torchancen, weil wir eine große individuelle Klasse haben", meint Bayer-Keeper René Adler selbstbewusst:

"Die Arbeit von Jupp Heynckes trägt langsam Früchte. Wir haben gelernt, uns erst einmal auf die Defensive zu konzentrieren und dann nach vorne zu spielen ohne hektisch zu werden, auch wenn es lange 0:0 steht."

Loblied auf Hyppiä

Auf die Abwehr ist Verlass, in vier der sieben Saisonspiele blieb Bayer ohne Gegentor. Erst fünf Mal musste Adler hinter sich greifen, ein Topwert. Vor allem die Verpflichtung des 35-jährigen Innenverteidigers Sami Hyppiä erwies sich als Volltreffer. An dem Routinier und ehemailgen Champions-League-Sieger können sich nicht nur die jungen Bayer-Spieler anlehnen, sondern auch selbst so gestandene Kicker wie Nationalspieler Manuel Friedrich.

"Es ist eine Ehre für jeden Spieler, mit so einer Legende zusammenspielen zu dürfen. Zum Glück hat es in dieser Saison mich getroffen. Ich freue mich auf jedes Spiel und nehme alles mit, was er mir sagt. Er hat einen Fußballverstand, der seinesgleichen sucht. Er strahlt eine Ruhe aus. Da kann man sich eine Scheibe abschneiden, von ihm lernen und sich an ihm hochziehen", singt Friedrich ein Loblied auf seinen Abwehrchef.

Bei Hyppiä sehen sogar Fehler gewollt und gekonnt aus, meint Rudi Völler: "Bei Sami Hyppiä hat man immer das Gefühl, dass bei ihm selbst Fehler wohlüberlegt sind. Es gibt Spieler, die machen Fehler, weil sie es nicht besser können. Bei ihm habe ich das Gefühl, er macht das bewusst, um aus einer Situation noch irgendwie rauszukommen. Die Dinge, die er macht, haben alle Sinn und Verstand."

"Punktuell und clever versärkt"

Hyppiä war neben Daniel Schwaab und Eren Derdiyok einer von nur drei neuen Spielern in Leverkusens Startelf. Die immer noch recht junge Bayer-Elf ist eingespielt und hat ihre Lehren aus der letztlich verkorksten Vorjahressaison gezogen. "Die Mannschaft wurde nur punktuell und sehr clever verstärkt", findet Adler. Deshalb hat sie sich so schnell gefunden und diesen guten Start absolviert.

Doch noch haben sie nichts erreicht. "Unser Ziel ist das internationale Geschäft", betont Adler. Den hatte Bayer auch in den vergangenen beiden Jahren fest im Visier, um ihn auf der Zielgeraden noch zu verspielen. "Das wichtigste Kriterium ist, nicht wieder am Saisonende einzubrechen", weiß deshalb auch Manuel Friedrich. Erst dann wäre es eine gelungene Saison.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski