Frankfurt - Die vorweihnachtliche Stimmung bei Eintracht Frankfurt könnte nicht besser sein:Das 5:2 gegen Werder Bremen beschert dem Club den dritten Sieg in Folge und den Anschluss an die internationalen Plätze. Mit 27 Treffen haben sie die drittstärkste Offensive und mit Alex Meier den besten Torschützen der Bundesliga.

Die Eintracht gehört nach den letzten Wochen zu den Mannschaften der Stunde. Die volle Punktzahl aus den letzten drei Spielen sorgt für einen Höhenflug der Adlerträger auf Platz 7 der Bundesliga-Tabelle. Das sah vor gar nicht langer Zeit noch anders aus: Am 11. Spieltag stand die Eintracht nach einer 0:4 Niederlage gegen Bayern München mit 12 Punkten und mit den folgenden Spielen gegen Gladbach und Dortmund vor scheinbar schweren Zeiten.

Eine gefestigte Mannschaft

Diese sind nicht eingetreten, denn die Hessen haben inzwischen eine funktionierende und selbstbewusste Mannschaft, die als kämpferische Einheit auftritt. Zum dritten Mal in Folge konnte Trainer Thomas Schaaf dieselbe Startelf auf den Platz schicken. "Die Mannschaft ist gefestigt. Das sieht man daran, dass sie auch mit dem 1:1 kurz vor der Pause umgehen konnte. Solche Rückschläge werfen uns nicht mehr um", erklärte Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Hessen, die Entwicklung der Mannschaft.

Und Timothy Chandler ergänzte: "Das ganze Team macht das gut und wir haben als Einheit gut gespielt." Thomas Schaaf hätte zwar gerne auch schon in der ersten Halbzeit gegen Bremen klarere Aktionen gesehen, aber nach der Pause hat ihm die Leistung seiner Spieler gut gefallen: "Wir waren da engagierter, zielstrebiger und haben direkter das Tor gesucht."

Starke Offensive mit "Fußballgott"

Und gefunden, wie im Fall des Frankfurter Phänomens Alex Meier: Gegen Werder Bremen staubte er seine Treffer 9 und 10 ab und führt die Torjägerliste der Bundesliga an. "Meier hat ein besonderes Näschen und die Eigenschaft immer an der richtigen Stelle zu sein", so Vorstandsboss Bruchhagen, "und in dieser Saison spielt er noch offensiver." Der hoch gelobte "Fußballgott" Meier sagte zu seinem persönlichen Erfolg nur: "Die Torjägerkanone ist unwichtig und ich glaube nicht, dass jemand aus Bayern auf mich schaut. Bei uns ist die Mannschaftsleistung von Bedeutung."

Die besticht insgesamt mit einer starken Offensive: Mit 27 Treffern hat die Eintracht die drittbeste Torausbeute in der ganzen Liga. Allein in den letzten drei Spielen haben die Frankfurter 10 Treffer erzielt. Ein Grund dafür ist, dass Alex Meier mit Haris Seferovic endlich einen starken Sturmpartner hat, der ihm schon zwei Tore aufgelegt hat und auch kämpferisch auf dem Platz ein Vorbild ist. "Es ist wichtig, dass wir aggressiv spielen, das haben wir heute geschafft und eine gute Partie abgeliefert", so der Schweizer Stürmer, der gegen Bremen seinen fünften Saisontreffer erzielte, "momentan haben wir einen Lauf und den wollen wir beibehalten."

Verletzungen aufgefangen und Form gefunden

Der gute Lauf der Eintracht hat auch mit der Formstärke von vielen Spielern zu tun. Hatten zum Beispiel die Außenverteidiger Bastian Oczipka und Timothy Chandler zu Beginn der Saison noch Probleme und keinen Platz in der ersten Elf, so sind sie inzwischen starke Bestandteile der Abwehrkette. Dazu kommt ein Marc Stendera, der nach dem Gewinn der U19-Europameisterschaft im Sommer nicht in Schwung kam und erst in den letzten Spielen immer mehr aufblühte. „Ich spüre das volle Vertrauen des Trainers, das ist für mich sehr wichtig und ich arbeite immer an mir weiter“, so Stendera.

Auch die schweren Verletzungen vieler Stammspieler von Beginn der Saison wie Kevin Trapp, Carlos Zambrano oder Constant Djakpa konnte aufgefangen werden. Beste Beispiele dafür sind Felix Wiedwald im Tor und Marco Russ als Abwehrchef, die inzwischen Ruhe und Sicherheit ausstrahlen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Diese Ruhe hatte Trainer Thomas Schaaf auch während der schwierigen Zeit von Mitte Oktober bis Mitte November. Er ließ keine Aufregung aufkommen und zeigte seine Stärke als Kommunikator. Nach Gesprächen mit den Spielern entschied er sich für kleine Änderungen im Spielsystem, die den Frankfurtern mehr entgegenkam und schnell für mehr Sicherheit sorgten. Inzwischen hat sich eine Art Eintracht-Raute etabliert und der offensive Spielstil von Schaaf aus erfolgreichen Bremer Zeiten macht sich nun in Frankfurt bemerkbar.

Wo die Adlerträger am Ende der Saison landen werden ist natürlich noch nicht entschieden. Zu eng geht es in der Bundesliga zu. Momentan sind die internationalen Plätze greifbar nah und etwas Abstand zur Abstiegszone geschaffen. Die Frankfurter wollen nach der Aussage von Thomas Schaaf aber nicht nach unten oder oben schauen, sondern geradeaus. Das bedeutet konzentriert die nächsten Aufgaben in Hoffenheim, gegen Berlin und in Leverkusen anzugehen und die gute vorweihnachtliche Stimmung noch lange beizubehalten.

Aus Frankfurt berichtet Alexander Dionisius