Berlin - Nach dem 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart herrschte bei Hertha BSC allenthalben gelöste Stimmung. Der Mannschaft ist ein guter Start gelungen und auch individuell gab es mehrere positive Nachrichten.

Erst produzierten sie gemeinsam das Siegtor, nach dem Spiel zogen sie sich verbal auf: Herthas Innenverteidigerpärchen Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger tat nach dem knappen, aber verdienten ersten Heimerfolg der Saison zwar betont sachlich. Doch insgeheim blühte bei beiden der Flachs. "Das war eine Standardsituation, Sebastian legt den Ball sensationell auf mich zurück", beschrieb Lustenberger die Entstehung des 2:1. "Dann habe ich ihn halt gut getroffen und er ist eingeschlagen", sagte der Schweizer über seinen ersten Bundesligatreffer seit knapp sieben Jahren und fügte gewohnt bescheiden an: "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte".

Sehenswerter Volleyhammer

© gettyimages / Boris Streubel

Das war dann doch reichlich untertrieben, denn während Langkamps Ablage wohl eher zufällig in Richtung des im Rückraum lauernden Schweizers rollte, war dessen Volleyhammer wirklich sehenswert. "Das war für 'Lusti' sicher ein schönes Gefühl, aber er kann bestimmt auch gut einschätzen, dass er den nur einmal im Leben so trifft", frotzelte Vorlagengeber Langkamp. Das allerdings wollte Lustenberger nicht auf sich sitzen lassen. "Wenn ich treffe, sind die Tore nicht so schlecht", lachte der 27-Jährige und verwies auf seinen letzten Bundesligatreffer: "Das Tor gegen Karlsruhe damals wurde immerhin zum Tor der Hinrunde gewählt. Der Langkamp soll sich also ruhig mal die Videos ansehen, dann ändert er vielleicht seine Meinung."

Die Mischung aus Sachlichkeit und Gelöstheit war auch dem Spiel geschuldet, in dem die Hertha gerade in der ersten Halbzeit keineswegs immer die bessere Mannschaft gewesen war, dennoch mit der Führung in die Pause ging und diese dann im zweiten Durchgang souverän nach Hause brachte. "Ich bin froh, dass wir aus vier Spielen sieben Punkte geholt und damit einen guten Start hingelegt haben", brachte Lustenberger die Situation seines Vereins nach dem Dreier gegen Stuttgart auf den Punkt. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison sind das fünf Punkte und zwei Siege mehr auf dem Konto der "Alten Dame".

Dardai voll des Lobes

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So schüttete auch ein gut gelaunter Pal Dardai das Lob mit dem Füllhorn aus. Der Hertha-Trainer gab "einen Glückwunsch an meine Mannschaft", lobte die "gute Scouting-Abteilung", die sein Team auf den Gegner vorbereitet hatte, das "schöne Tor von Lusti", und auch das Spiel der Neuzugänge Mitchell Weiser, Vedad Ibisevic und Niklas Stark. Für die beiden letzteren war es jeweils per Einwechslung das Debüt im Hertha-Trikot, wobei es besonders für Ibisevic nach langer Schaffenspause ausgerechnet gegen seinen Ex-Club ein "tolles Gefühl" war.

Weiser, im Sommer vom FC Bayern an die Spree gewechselt, durfte erstmals von Beginn an ran. Als Ersatz für den verletzten Vize-Kapitän Peter Pakarik machte der 21-Jährige seine Sache als rechter Verteidiger ordentlich. Zwar hatte Weiser in der Rückwärtsbewegung ein paar Wackler drin, dafür bereitete er vorne im Zusammenspiel mit Genki Haraguchi dessen Tor zum 1:0 vor.

Weiser mit Zehenbruch

Doch am Sonntag verhagelte eine ärztliche Diagnose Pal Dardais gute Laune ein wenig: Mitchell Weiser hat sich im Spiel gegen den VfB den kleinen Zeh gebrochen. Wie lange der Junioren-Nationalspieler ausfällt, ist noch nicht klar. Sicher ist nur, dass die Rückkehr von Pekarik, der an einer Schulterverletzung laboriert, noch auf sich warten lassen dürfte.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo