Berlin – Der hochverdiente 3:0-Sieg von Hertha BSC gegen den Hamburger SV war nicht nur die große Show von Doppeltorschütze Änis Ben-Hatira. Das Spiel zeigte auch: Die "Alte Dame" bekommt ihre Defensive immer besser in den Griff.

Sicher, mit dem HSV war am Samstag das nominell offensivschwächste Team der Bundesliga zu Gast gewesen. Allerdings erzielten die Hanseaten alle ihre drei Saisontore in den drei Partien vor dem Hertha-Spiel. Die Gastgeber hingegen stellten mit 16 Gegentoren nach den ersten acht Spieltagen die zweitschlechteste Defensive nach Schlusslicht Werder Bremen. Damit klingelte es im Schnitt zwei Mal pro Partie im Kasten der Berliner.

Zum dritten Mal die gleiche Startelf

Doch langsam aber sicher stabilisiert sich das Team von Jos Luhukay in der Rückwärtsbewegung. Nach dem Sieg gegen den HSV lautet der Schnitt für die vergangenen fünf Partien nun: Nur noch ein Gegentor pro Spiel. Immerhin schon zum zweiten Mal spielten die Blau-Weißen zu Null. Was sind die Gründe für die neue Stabilität der Hertha-Defensive?

Da ist zum einen sicherlich die zunehmende Eingespieltheit des Teams. In seinem 100. Bundesliga-Spiel als Cheftrainer hatte Jos Luhukay zum dritten Mal hintereinander derselben Startelf vertraut – das gab es bei Hertha unter dem Niederländer noch nie. Voraussetzung dafür war natürlich auch, dass in den vergangenen Wochen alle Stammspieler fit waren.

Starkes Abwehrzentrum

Wohl noch wichtiger aber: Beide Innenverteidiger konnten sich steigern. Fabian Lustenberger war nach langer Verletzungspause in den vergangenen Wochen noch auf der Suche nach seiner Topform. Gegen den HSV war er einer der zweikampfstärksten Berliner – der Schweizer entschied 71 Prozent der direkten Duelle für sich. In der Vorwoche hatte Luhukay seinen Kapitän noch ausdrücklich wegen dessen zögerlichen Zeikampfverhalten kritisiert.

Und auch Lustenbergers Nebenmann Johnny Heitinga war zuletzt nicht unumstritten gewesen. Doch gegen den Ex-Berliner Pierre-Michel Lasogga zeigte der Verteidiger trotz klarer Nachteile in punkto Körperlänge seine ganze Klasse. "Die Defensive hat stabil gestanden und er hatte daran seinen Anteil", lobte Manager Michael Preetz den Niederländer.

Heimstarke Hertha

"Für Verteidiger ist es immer wichtig, zu Null zu spielen", konstatierte Heitinga und verriet: "Am Vortag habe ich mit 'Lusti' gesprochen und wir waren uns einig, dass es toll wäre, wenn wir unser Tor sauber halten. Und das haben wir geschafft." Dass der zweifache WM-Teilnehmer gegen den HSV auch noch seinen ersten Bundesligatreffer erzielte, war  da nur noch das Sahnehäubchen: "Das Tor war nicht so schwierig. Aber ich bin Abwehrspieler und meine Aufgabe ist es, Tore zu verhindern. Wenn ich dann hin und wieder auch eins schieße, bin ich zufrieden."

Heitinga betonte aber auch: "Wenn man vor fast 60.000 Fans spielt, hilft das ungemein." In der Tat ist Hertha zuhause inzwischen wieder eine Macht. Im Schnitt holte die Luhukay-Elf im Olympiastadion zwei Punkte pro Spiel, in der Heimtabelle rangieren die Hauptstädter im oberen Drittel. Auf fremdem Platz gab es erst ein mageres Pünktchen – das macht Platz 18 in der Auwärtstabelle.

Und nun stehen zwei Auswärtspartien in Folge an. In der "Ostwestfalen-Woche" muss die Hertha zunächst am Dienstag im DFB-Pokal beim Drittliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld antreten. Am Sonntag dann geht es zum Überraschungsteam SC Paderborn. Beides keine leichten Aufgaben. "Wir haben zu Hause einen echten Lauf" sagt Stürmerstar Salomon Kalou und fordert: "Jetzt müssen wir auch mal auswärts so auftreten."

Aus Berlin berichtet André Anchuelo