Köln – Titel, Träume, Tränen, Emotionen. Die 52. Bundesliga-Saison ist Geschichte. Zeit für bundesliga.de auf einige interessante Rekorde zu blicken, die in dieser Spielzeit aufgestellt wurden.  

Routine für den größten Titelsammler der Bundesliga-Historie. Bereits zum achten Mal durfte Bastian Schweinsteiger die Meisterschale in die Höhe halten. Mit zusätzlich sieben DFB-Pokalsiegen kommt der 30-Jährige auf insgesamt 15 nationale Titel – historischer Rekord. "Wir sind zum dritten Mal hintereinander Deutscher Meister. Das ist nicht selbstverständlich und das habe ich auch noch nicht geschafft. Dazu waren wir in der Champions League und im DFB-Pokal nah dran am Finale. Wenn man die ganzen Ausfälle betrachtet, haben wir insgesamt eine sehr gute Saison gespielt", sagt Schweinsteiger, der unter "Erfolge" zudem freilich auch Champions-League-Sieger, Weltpokal-Sieger und Weltmeister auf seiner Visitenkarte stehen hat.

Guardiola siegt im Rekordtempo

Auch Philipp Lahm zog ein positives Fazit: "Es ist immer noch etwas Besonderes, nach 34 Spieltagen da oben zu stehen. Das ist nichts Selbstverständliches. Dahinter steckt harte Arbeit. Die Mannschaft hat sich das verdient." Der FC Bayern München blieb im Saisonverlauf in 22 Bundesliga-Spielen ohne Gegentreffer, 20 Mal stand Manuel Neuer im Tor. 22 Zu-Null-Spiele sind für eine Mannschaft ein neuer Rekord, 20 für einen Torhüter (bisher 19 von Oliver Kahn 2001/02). Im 61. Spiel und damit so schnell wie kein Trainer zuvor erreichte Pep Guardiola seinen 50. Bundesliga-Sieg. Die alte Bestmarke hielt Udo Lattek, dem dies im 78. Spiel gelang.

Der Spanier richtet nach einer Spielzeit mit "nur einem Titel" den Blick bereits in die Zukunft. "Nächste Saison werden wir stärker zurückkommen. Ich hoffe auf den bestmöglichen Kader. Weiter, immer weiter", sagte er, nachdem er von der Weißbierdusche durch Jerome Boateng und David Alaba im Rahmen der Meisterfeierlichkeiten wieder getrocknet war.

Klopp bestellt "Una cerveza"

Tränen trocknen musste hingegen Jürgen Klopp, der gegen Werder Bremen zum letzten Mal in einem Bundesliga-Spiel auf der Bank von Borussia Dortmund saß. Der 47-Jährige ist seit 2008 im Amt und mit sieben Spielzeiten Rekordtrainer des BVB. Ottmar Hitzfeld war sechs Jahre Cheftrainer der Schwarz-Gelben. 

"Nachdem, was wir zusammen alles erlebt haben, ist der Abschied hochemotional. Da waren Tränen dabei. Es war nicht leicht, ein Kerl zu bleiben", saget "Kloppo", für den das DFB-Pokalendspiel gegen den VfL Wolfsburg der krönende Abschluss werden soll. Erst danach wolle er sich mit seiner Zukunft beschäftigen. Auf die Frage eines spanischen Journalisten, ob er bereits spanisch lerne, antwortete er scherzhaft ausweichend: "Una cerveza por favor. Damit kommt man auf Mallorca ganz schön weit".

Gladbach macht dicht – Torflaute beim HSV

Weit gebracht hat es auch Borussia Mönchengladbach, das sich erstmals für die Gruppenphase der Champions-League qualifizieren konnte.  Die "Fohlenelf" verlor keines der ersten 18 Pflichtspiele dieser Saison und verbesserte damit den Clubrekord aus der Saison 1970/71. In der Rückrunde kassierte Gladbach nur zehn Gegentore. Zuvor hatte noch nie ein Team weniger als elf Treffer hinnehmen müssen.

Auch der Hamburger SV hat Rekorde gebrochen – allerdings nur negative. Die Hanseaten blieben in den ersten 507 Minuten dieser Saison torlos, so lange wie zuvor kein anderer Bundesligist. Erst am 6. Spieltag gelang Nicolai Müller der erste Treffer seines Teams. Am 21. Spieltag kassierte der HSV zudem beim 0:8 in München die höchste Niederlage der Clubgeschichte. Trotzdem konnte sich der "Dino" durch den 2:0-Sieg gegen Schalke auf den Relegationsrang retten und darf weiter auf den Klassenerhalt hoffen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und dürfen jetzt noch zwei Spiele machen. Nach der Leistung heute stehen unsere Chancen ganz gut", findet Heiko Westermann.

Köln träumt nun von 50 Punkten

"Ganz gut" hat sich auch der 1. FC Köln präsentiert. Selten spektakulär, dafür meist sehr effektiv hat sich das Team von Trainer Peter Stöger zum Klassenerhalt gearbeitet. Mit neun torlosen Unentschieden stellte der "Effzeh" einen neuen Bundesliga-Rekord auf (alte Marke: sieben). 13 Mal bleiben die Domstädter zudem ohne Gegentor. Ein Aufsteiger hat dies zuvor nur ein Mal geschafft: der FC Bayern in der Saison 1965/66. "Wir haben eine ausgeglichene Saison gespielt und unser großes Ziel erreicht. Die 40 Punkte bedeuten, dass man in Köln nun von einer 50-Punkte-Saison träumen darf", sagte Stöger nach dem 2:2-Abschluss gegen Wolfsburg.

Bis zum letzten Spieltag hatte auch der selbst ernannte krasseste Außenseiter aller Zeiten die Chance, sich in die Relegation zu retten. Nach dem 1:2 gegen Stuttgart endet für den SC Paderborn jedoch vorerst das Abenteuer Bundesliga. "Wir wussten, dass dies passieren könnte. Ich werde meinen Spielern niemals einen Vorwurf machen", sagte Trainer Andre Breitenreiter. "Wir haben vielleicht nicht die größte Qualität, aber vielleicht das größte Herz. Wir haben jedenfalls immer alles gegeben", meinte Kapitän Uwe Hünemeier. Ein Highlight für die Geschichtsbücher bleibt in jedem Fall das Tor vom Moritz Stoppelkamp, der am 4. Spieltag gegen Hannover aus sage und schreibe 83 Metern traf. An der Benteler-Arena in Paderborn erinnert inzwischen bereits die 83 Meter lange "Moritz-Stoppelkamp-Allee" an dieses Kunststück.

Europa-Traum und Abstiegs-Albtraum

Das Kunststück, sich direkt für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren, ist dem FC Augsburg gelungen. Platz fünf - mit 15 Siegen und 15 Niederlagen - ist für die Fuggerstädter die beste Platzierung der Clubgeschichte. Nie zuvor ist eine Mannschaft mit 15 oder mehr Niederlagen in der Top 6 der Tabelle gelandet. "Man kann es kaum glauben. Das ist einfach geil", freut sich Daniel Baier auf die Reise durch Europa.

"Mit erhobenem Haupt", sagt Trainer Christian Streich, verabschiedet sich der Sport-Club Freiburg aus der Bundesliga. "Wir sind sehr traurig, aber wir suchen die Schuld nicht bei anderen", sagte er nach der 1:2-Niederlage bei Hannover 96. Ein Rekord bleibt den Breisgauern als schwacher Trost: Nils Petersen schnürte – als Joker am 18. Spieltag gegen Frankfurt - als erster SC-Akteur überhaupt und erster Spieler bei seinem Debüt für einen neuen Club einen lupenreinen Hattrick.

Bleibt noch der Blick auf das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Dies gelang Leverkusens Karim Bellarabi am ersten Spieltag in Dortmund, als die Saison gerade neun Sekunden alt war. Giovane Elber, Ulf Kirsten und Slawomir Freier waren damit ihren alten 11-Sekunden-Rekord los.

Markus Hoffmann