München - Ob Karl-Heinz Rummenigge schon einen Wissensvorsprung in Bezug auf die Startformation hatte oder nur eine Vorahnung? "Wir müssen weg vom Herberger-Denken, dass eine Mannschaft nur aus elf Spielern besteht. Spätestens jetzt muss es heißen: '20 Freunde müsst ihr sein!'", sprach der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern im Vorfeld der Partie gegen den 1. FC Nürnberg den beeindruckenden Teamgeist innerhalb des aktuellen Kaders an. Keine Spur von Eifersüchteleien. Wobei der Boss des neuen Meisters eingestand: "Wenn man Erfolg hat, ist es grundsätzlich harmonischer."

Nach dem eingetüteten Rekord-Titel () überzeugte der FCB erneut - im 186. bayrisch-fränkischen Derby gegen den "Club" trotz einer Mega-Rotation.

Rummenigge lobt Disziplin und Demut



Mit Franck Ribery und Daniel van Buyten standen beim Anpfiff lediglich zwei Akteure auf dem Rasen, die unter der Woche in Turin den Einzug ins Champions-League-Halbfinale klar gemacht hatten. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller durften den Frühlings-Kick sogar von der Tribüne aus verfolgen.

Vor dem Spiel kam die Münchner Elf zusammen zwar nur auf 6.891 Bundesligaminuten in der laufenden Spielzeit - die Nürnberger auf 21.562. Die Motivation von Stars wie Jerome Boateng, Mario Gomez, Claudio Pizarro oder Xherdan Shaqiri war aber offensichtlich - und ihre Qualität steht außer Frage.

"Die neuen Spieler wollten beweisen, dass sie zu Recht zum Kader gehören. Das haben sie auch, da kann man nur den Hut vor ziehen", lobte Rummenigge. "Mit der aktuellen Situation gehen alle diszipliniert und mit einem Schuss Demut um. Es flippt hier keiner aus."

"Jeder will zum Erfolg beitragen"



Die Bayern legten beim 100. Bundesliga-Heimsieg in der Allianz Arena mal wieder los wie die Feuerwehr, nach dem 3:0 in der 24. Minute war die Sache gelaufen. Rummenigge: "Ich genieße unseren Fußball sehr entspannt zurzeit."

Und Jupp Heynckes ist ob der zahlreichen Wechsel-Möglichkeiten in einer äußerst komfortablen Position. "Auch diese Mannschaft hat Spielfreude gezeigt. Es spiegelt das Innenleben des FC Bayern wider: Jeder will zum Erfolg beitragen. Die erste Halbzeit war überragend", zollte der Trainer Respekt.

Neben dem 4:0 von Shaqiri hielt der zweite Durchgang ein weiteres Highlight parat - die Einwechslung des nun jüngsten Spielers in der Bundesliga-Historie des FC Bayern. Pierre Hojbjerg löste David Alaba in dieser Wertung ab und gab nach seinem ersten Spiel zu:

Gegen die "Wölfe" nach Berlin



Nach der souveränen Pflichterfüllung konnten die zufriendenen Münchner den Fokus auf das nächste Ziel richten: das Pokalfinale in Berlin. Dafür muss am Dienstag gegen den VfL Wolfsburg (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) ein Sieg her.

"Da werde ich die Mannschaft natürlich anders formieren", kündigte Heynckes an. Am nächsten Erfolg des gierigen Kollektivs soll sich aber nichts ändern.

Aus München berichtet Tim Tonner