Zusammenfassung

  • Füllkrug hat aktuell den richtigen Riecher - vier Tore in zwei Spielen

  • Der Hannoveraner hat seine Bundesliga-Tauglichkeit längst nachgewiesen

  • Ziel für Hannover bleibt weiterhin der Klassenerhalt

Gelsenkirchen - Abgekämpft stand Niclas Füllkrug nach der Partie im Kabinengang, kühlte mit einem Eisbeutel die lädierte Schulter und alle anderen Stellen, die irgendwie schmerzten – und konnte doch glücklich und zufrieden lächeln. Mit seinem neunten Saisontor hat der Stürmer Hannover 96 beim 1:1 auf Schalke nicht nur einen Punkt gesichert, sondern weiter an seiner ganz persönlichen Erfolgsgeschichte geschrieben.

>>> Zum Spielbericht der Partie Schalke 04 gegen Hannover 96

86 Minuten waren gespielt, als Niclas Füllkrug mit der Fußspitze genau im richtigen Moment reaktionsschnell den Ball über die Linie stocherte. Den späten Ausgleich für Hannover 96 kommentierte der Torschütze selbst ebenso trocken wie breit grinsend: "Wieder so ein ekliges Tor, das sind die schönsten. Ich habe die ganze Zeit daran geglaubt, dass mir noch einer vor die Füße fällt. Ich habe den richtigen Riecher."

Hat im Moment den Torriecher: Niclas Füllkrug © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Was der Angreifer zurzeit eindrucksvoll unter Beweis stellt: Nach seinem Dreierpack gegen Mainz bedeutete der Treffer auf Schalke schon Tor Nummer vier in diesem Jahr für Füllkrug – öfter traf niemand in der Bundesliga. Seit er am neunten Spieltag gegen Augsburg seine Saisontore Nummer eins und zwei versenkt hat, konnte er insgesamt schon neun Mal jubeln – ebenfalls Bestwert für diesen Zeitraum. In der Torjägerliste ist der 24-Jährige damit aktuell drittbester deutscher Torschütze; nur Timo Werner und Kevin Volland trafen jeweils einmal mehr. Hinzu kommen für Hannovers Nummer 24 zwei Vorlagen und ganz nebenbei noch zwei Treffer im DFB-Pokal.

Abnutzungskampf auf Schalke

Dabei war das Spiel auf Schalke für Niclas Füllkrug eigentlich lange Zeit gar nicht so nach Wunsch verlaufen. Zwar legte er viele Bälle ab, hatte aber vorne keine wirklich auffälligen Szenen. "Ich hatte kaum ein Laufduell oder mal einen Abschluss, das war schon elendig das ganze Spiel über", kommentierte der Rechtsfuß nach dem Abpfiff. Und musste dann doch selbst wieder lachen: "Zwischendurch habe ich echt gestöhnt, weil ich gefühlt vorne alle zwei Minuten ins Kopfballduell mit einem Zwei-Meter-Mann musste. Es war ein echtes Abnutzungsspiel, ich habe überall blaue Flecken."

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"Wieder so ein ekliges Tor, das sind die schönsten."

Aber auch das spricht dieser Tage eben für Niclas Füllkrug: Sind echte Torchancen auch mal Mangelware – er knipst dann doch. "Man muss immer an sich glauben", sagt der Mittelstürmer und meint das nicht nur auf diese Partie bezogen. Denn für Füllkrug selbst war es immer klar, dass er eines Tages auch in der höchsten deutschen Spielklasse seine Qualitäten unter Beweis stellen wird: "Es soll nicht arrogant klingen, aber für mich war es eine Frage der Zeit, wann ich auf Bundesliganiveau zeigen kann, dass ich hier bestehen und treffen kann. Jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen und das genieße ich sehr."

Video: Niclas Füllkrug auf der Überholspur

Ein bisschen Zeit habe er schon benötigt, sich an das Erstliganiveau zu gewöhnen. Das dürfe aber nach seinen Jahren in Liga zwei auch nicht verwundern, meint Füllkrug. Nach den Stationen Greuther Fürth und 1. FC Nürnberg war der gebürtige Hannoveraner im Sommer 2016 in seine Heimatstadt zurückgekehrt. In der Aufstiegssaison erzielte er für die Niedersachen fünf Tore bei seinen 27 Einsätzen, war aber über die Rolle des Ergänzungsspielers lange Zeit kaum hinausgekommen.

Umso erstaunlicher, welche Entwicklung Füllkrug in dieser Spielzeit genommen hat. Jetzt hat er deutlich mehr Anteil am bislang so starken Auftritt von Hannover in der 1. Liga. In allen Partien stand er auf dem Platz, in den letzten vier Spielen in Folge jeweils über die volle Distanz – und er trifft regelmäßig.

>>> Stimmen der 96-Spieler nach dem 1:1 gegen Schalke (via hannover96.de)

Das Erfolgsgeheimnis des 24-Jährigen erklärt sich dabei nicht nur aus einer gesunden Portion Selbstbewusstsein. Niclas Füllkrug arbeitet auch stets an sich, wie sein Trainer André Breitenreiter unlängst bestätigt hat: „Er ist unglaublich ehrgeizig, will immer besser werden und fragt ständig nach Extraschichten." Die gute Beziehung zum Coach wiederum hat Füllkrug als weiteren Grund ausgemacht, warum es für ihn inzwischen so gut läuft: "Es tut gut zu wissen, dass ich das Vertrauen des Trainers habe. Wir haben ein gutes Verhältnis und können ehrlich miteinander reden."

Wohin die sportliche Reise für das Erfolgsteam Breitenreiter und Füllkrug noch führen wird, darüber mag der Torjäger zurzeit allerdings noch nicht nachdenken: "Wir sind mit Hannover mit dem Ziel in die Saison gegangen, die Klasse so schnell wie möglich zu halten. Das bleibt unser Ziel. Wenn am Ende mehr rauskommt als der Klassenerhalt, wäre es toll. Das wäre überragend!"

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte