Hannover - Höflich bedankte sich Hannovers Trainer Michael Frontzeck bei seinem Gegenüber Ralph Hasenhüttl für die Glückwunsche "zum verdienten Sieg". "Hier mussten bisher nicht viele Trainer gratulieren", so ein blendend gelaunter 96-Trainer.

In der Tat besiegelte das 4:0 im ersten Aufeinandertreffen in der 119-jährigen Historie der Niedersachsen mit dem FC Ingolstadt den erst zweiten Heimsieg der Norddeutschen. Zuvor musste am achten Spieltag nur Werder-Bremens Viktor Skripnik seinem Kollegen zu einem 1:0-Erfolg gratulieren.

"Dieser Sieg war total wichtig, besonders wenn man sich unser Restprogramm bis Weihnachten ansieht", wirft Frontzeck den Blick voraus auf die abschließenden drei Vorrundenspiele. Hannover muss an den kommenden Wochenenden in Hoffenheim beim FC Schalke 04 ran. Und dann kommt - quasi als Festtagsschmankerl - der Rekordmeister FC Bayern München an die Leine.

"Das gibt Selbstvertrauen"

Dass die 96er, die vor wenigen Jahren 2011 und 2012 unter Mirko Slomka noch Dank ihrer enormen Heimstärke in die Europa League stürmten, als Vorletzter der Heimtabelle ins Spiel gegen die Süddeutschen gingen, trotzdem als 14. der Tabelle vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz haben, hat verschiedene Gründe. So gewannen die Hannoveraner in Köln (1:0) und im Nord-Derby beim HSV (2:1) zwei ihrer letzten drei Auswärtspartien. "Und auch in Mönchengladbach (1:2) sahen wir nicht schlecht aus, haben unglücklich verloren", erinnert sich Torwart Ron-Robert Zieler. "Das gibt Selbstvertrauen."

Frontzecks Bitte um Geduld für den Neuaufbau nach dem großen personellen Umbruch im Sommer wird in Hannover erhört und trägt Früchte. Zwölf der bisher 14 Punkte fuhren die Roten an den letzten sieben der bisher 14 absolvierten Spieltage ein. Auch wenn Präsident Martin Kind sich gelegentlich zu Wort meldet, seine Unterstützung ist dem Trainer, der im Schlusspurt der vergangenen Saison am letzten Spieltag mit dem Team den Klassenerhalt schaffte, sicher.

"Wir können mit Druck umgehen"

Dazu kommt eine "gnadenlose Effektivität", die Hasenhüttl explizit als "bewunderswert" hervorhob. 69 Prozent aller Großchancen nutzen die 96er, um einen Treffer zu erzielen. Kein anderes Team der Liga ist vor dem Tor so eiskalt. "Das liegt auch daran, dass wir mit Druck umgehen können. Das haben wir aus der Schlussphase der vergangenen Saison mitgenommen", weist Artur Sobiech auf die Erfahrungen aus dem Abstiegskampf hin.

Trotz aller Fortschritte hebt Frontzeck aber warnend den Zeigefinger. In der Woche vor dem Spiel gegen Ingolstadt hatte der 51-Jährige davon geredet , wie schön es wäre, zunächst einen gesicherten Platz im Mittelfeld einzunehmen. Doch das sei noch" ein weiter Weg". "Was wir derzeit erleben, hat mit Mittelfeld nichts zu tun", bleibt der Trainer realistisch. "Es ist und bleibt eine schwierige Saison. Für uns geht es ganz klar um den Klassenerhalt. Nicht mehr." Zumindest da sei man auf einem guten Weg. "Es war ein wundebares Gefühl, in der 88. Minute ruhig auf der Bank sitzen zu können, weil nichts mehr passieren kann. Das habe ich in meiner Zeit bei Hannover 96 noch nicht erlebt", blickt Frontzeck auf seine sieben Monate seit Dienstbeginn zurück.

Bader freut sich über Team-Spirit

"Entscheidend ist" laut Zieler, "dass da eine Mannschaft auf dem Feld steht. Wir präsentieren uns als eine Einheit.darauf müssen wir aufbauen", so der Nationaltorwart. Ein Umstand, der auch "mir das Leben leichter macht", freut sich Martin Bader über die Homogenität im Team. "Auftritte wie gegen Ingolstadt zeigen, dass die Mannschaft lebt, das hier etwas am Entstehen ist. Das macht mir meine Aufgabe auf jeden Fall leichter", so der Vorstand Sport, der erst seit dem 1. Oktober im Amt ist." Ob da eine Entwicklung stattfunden hat, kann ich nicht beurteilen, da ich vor dem Oktober zu weit weg war", sagt der ehemalige Sportdirektor des 1. FCNürnberg. "Aber Spiele wie in Mönchengladbach und heute gegen Ingolstadt zeigen, dass die Mannschaft intakt ist."

Das betont auch Kapitän Christian Schulz: Der Sieg gegen Ingolstadt "ist sehr wichtig für das Selbstbewusstsein. Gerade heute können wir sagen, dass unterm Strich alles hervorragend war. Wenn wir das in den nächsten Wochen auch auf den Platz bringen, werden wir auch unsere Punkte holen. Da bin ich ganz sicher."

In Hannover ist vor Weihnachten nur noch der FC Bayern München zu Gast. "Mit Bayern kommt ein schwerer Brocken vor dem Fest. Aber wenn wir die Leistung von heute in Hoffenheim oder Schalke auf den Platz bringen, können wir uns ein schönes Weihnachtsfest bescheren", so Frontzeck.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs