Budapest - Dieser Auftritt seiner Mannschaft hatte Giovanni Trapattoni gar nicht gefallen. Es war schließlich der letzte Test der Nationalmannschaft Irlands vor der Europameisterschaft.

Das 0:0 in Budapest gegen Ungarn am Montagabend sei eher schmeichelhaft gewesen für sein Team, gab Trapattoni zu. "In der ersten Halbzeit hätten wir auch 0:2 oder 0:3 zurückliegen können, hätte Torwart Shay Given nicht so gut gehalten", analysierte der Italiener, dessen Mannschaft kommenden Sonntag in Posen zum EM-Auftakt der Gruppe C auf Kroatien trifft. Spanien und Italien heißen die weiteren Gegner.

Taktische Änderungen möglich



Sicher war der mittlerweile 73-Jährige froh, dass sich so kurz vor Beginn der EM keiner seiner Spieler verletzt hatte. Doch die matte Leistung ließ ihn über Änderungen im System nachdenken. Noch vergangenen Sonntag, kurz vor der Abreise aus dem Trainingslager in der Toskana, hatte der ehemalige Bundesligatrainer des FC Bayern München und des VfB Stuttgart erklärt, die Startelf gegen Ungarn sei auch die gegen Kroatien.

Ein 4-4-2-System mit Kevin Doyle neben Torjäger Robbie Keane im Angriff und den zwei schnellen, offensiven Außenspielern Damien Duff und Aiden McGeady. Nach den 90 verregneten Minuten in Budapest aber steht diese Aussage nicht mehr unabdingbar fest. Nachdem sich seine Mannschaft wieder einmal gegen einen Gegner mit nur einer Spitze schwer getan hatte, erklärte Trapattoni: "Vielleicht brauchen wir noch einen Spieler mehr im Mittelfeld." Ob die angedachte taktische Änderung tatsächlich durchgeführt werde, und ob es personelle Konsequenzen gebe, ließ Trapattoni offen. "Ich muss erst mit meinen Spielern sprechen", sagte er.

"Ich bin kein Heiliger, ich bin Giovanni"



Trotz der misslungenen Generalprobe für die EURO 2012 ist die Stimmung in und um das irische Team gut. Die erste EM-Teilnahme seit 1988 und die erste Qualifikation für ein großes Turnier seit der WM 2002 löste eine Euphorie auf der "Grünen Insel" aus. Über 25.000 irische Fans werden in Polen erwartet, unter ihnen auch viele tausende Exil-Iren. Die meisten haben keine Tickets. Aber was soll s: Die EM ist ein Fest für die von der Wirtschaftskrise gebeutelten Iren - und das wird gefeiert.

Wie so oft wird Trapattoni Wert auf die Defensive legen, aber auch das wird von den meisten Anhängern akzeptiert. Die Fans mögen den erfahrenen und mit seinem lustigen Englisch kultig anmutenden "Maestro" aus Italien. Es passt ja auch irgendwie: Trapattoni ist wie der irische Nationalheilige St. Patrick an einem 17. März geboren wurde.

Schon bei seiner Vorstellung in Dublin 2008 sagte Trapattoni lächelnd: "Ich bin kein Heiliger, ich bin Giovanni." Als nun die EM-Teilnahme feststand, wanderte Trapattoni zum Croagh Patrick, dem 752 Meter hohen Wallfahrtsort im County Mayo, den St. Patrick im 5. Jahrhundert erklommen haben soll. Die Presse war natürlich dabei, 1500 Schaulustige und auch der irische Premierminister Enda Kenny, der sagte: "Die EM-Qualifikation war wichtig für den Spirit der Menschen im Land."

Irland unter Trappatoni kaum zu schlagen



Der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic wusste als Zeuge der irischen Generalprobe in Budapest hinterher den Reportern zu diktieren: "Die Iren sind schwer zu schlagen." Das gilt in jeder Beziehung auch für ihren Trainer Giovanni Trapattoni. Erst jüngst hat er seinen Vertrag in Irland bis 2014 verlängert.

Die Iren sind optimistisch, die EM-Gruppenphase zu überstehen. Viel hängt ab von einem guten Start gegen Kroatien, gegen Italien werde man ohnehin gewinnen, glauben die Iren und vertrauen dabei ganz auf Trapattoni. Immerhin ist die Mannschaft der Trainerlegende nun schon 14 Spiele in Serie ungeschlagen.

Tobias Schächter