Hamburg - Das drohende "Geisterspiel" konnte der FC St. Pauli vor dem DFB-Sportgericht abwenden, doch was die Spieler im Abstiegs-Duell gegen Werder Bremen in der zweiten Halbzeit boten ließ so manchem Anhänger einen Schauer über den Rücken laufen. "Da wäre es besser gewesen, sie hätten die Zuschauer ausgeschlossen", brachte es ein enttäuschter Fan auf den Punkt.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Als die "Braun-Weißen" nach einer "engagierten Leistung", wie Sportdirektor Helmut Schulte analysierte, mit einer 1:0-Führung zum Pausentee gingen, ahnte am Millerntor niemand, dass der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Michael Weiner für den FC St. Pauli schon der Abpfiff gewesen war. Am Ende nahmen die Bremer mit einem 3:1-Erfolg die Punkte mit an die Weser.

"Wir werden alles versuchen"

Nur einen Punkt holten die Hamburger aus den letzten neun Partien, im Freien Fall ging es von Platz 11 ans Ende der Tabelle. Dem Aufsteiger droht zum Ende des 100. Jubiläumsjahres des Vereins mit vielen Feierlichkeiten Kater in Form des direkten Wiederabstiegs - auch wenn es offiziell noch niemand ausspricht.

"Die Tür zur Relegation ist noch nicht zu", rechnet Ralf Gunesch vor und gibt sich kämpferisch. "So lange wir noch einen Fuß drin haben, werden wir alles versuchen."

Schweres Restprogramm für St. Pauli

Dass es schwer werden wird, ist beim Kult-Club angesichts des Restprogramms klar. Neben den beiden Auswärtspartien am kommenden Wochenende in Kaiserslautern und zum Saisonabschluss beim Europapokal-Aspiranten Mainz 05 haben die Kiezkicker nur noch ein Spiel vor eigenem Publikum - gegen Rekordmeister Bayern München.

"Da müssen wir zumindest sechs Punkte holen", weiß nicht nur Gerald Asamoah und ärgerte sich über seine vergebene Chance zum 2:1 als er allein vor Tim Wiese stand und am Bremer Keeper scheiterte.

"Geht der Ball rein, bin ich der Held, so bin ich der Depp", sagte der Spielführer gegenüber bundesliga.de. "Wenn ich das 2:1 mache, wachen wir vielleicht noch mal auf."

"Schlechteste Halbzeit der Saison"

So aber verschliefen die Hamburger die "schlechteste Halbzeit der gesamten Saison", wie ein verärgerter Chefcoach Holger Stanislawski analysierte.

"Das kann ich nicht tolerieren, dass wir den Glauben verlieren, so lange es noch die Chance gibt. So darf man nicht einbrechen, wenn man ein Gegentor bekommt. Ich habe den Jungs ganz klar gesagt, dass das einmal passiert ist und nicht wieder vorkommen wird", beschrieb der Trainer seine Reaktion in der Kabine nach dem Abpfiff. "Man darf so nicht einbrechen, wenn man ein Gegentor bekommt."

Finalspiel in Kaiserslautern

"Die Jungs wissen gar nicht, wie schlecht sie gespielt haben. Aber sie werden es bald wissen", konnte sich der fassungslose Übungsleiter gar nicht beruhigen. Statt fröhlicher Ostertage drohte der am Saisonende scheidende Trainer mit einem Horror-Film.

"Die Spieler müssen sich die zweite Halbzeit noch einmal auf Video ansehen. Dann werden sie mir glauben müssen", kündigte Stanislawski an. Der Coach beorderte seine Akteure für den Ostersonntagmorgen aufs Trainingsgelände. Nach dem Donnerwetter "bereiten wir uns auf unser Finalspiel in Kaiserslautern vor", sagte der 41-Jährige.

Auf der Reise in die Pfalz wird das Abstiegsgespenst, seit Wochen Stammgast bei den Spielen des FC St. Pauli, die "Kiezkicker" begleiten. Wenn es schlecht läuft, zum letzten Mal in dieser Saison, denn bereits auf dem Betzenberg könnte drei Spieltage vor Ende der Saison der Gang in die 2. Bundesliga besiegelt werden.

Jürgen Blöhs