München - Philipp Lahm stand frisch geduscht im Presseraum des FC Bayern München und beantwortete mit süß-saurer Miene die Fragen nach den Lehren des Luxus-Testspiels gegen den FC Barcelona, das unter dem Namen "Uli-Hoeneß-Cup" firmiert hatte.

Der Gegner sei doch erst ins Mannschaftstraining eingestiegen und zudem mit einer besseren B-Elf angetreten, relativierte der Kapitän, der sein Team beim 2:0-Sieg mit einem Kopfballtor auf die Siegerstraße gebracht hatte.

"...dann trifft man auch gelegentlich"



Lahm, und dies schien der wirkliche Grund für seine schlechte Laune, hatte mal wieder seine angestammte Position in der Viererkette verlassen, und war erneut ins Mittelfeld gerückt. Dass ihm genau dieser Umstand nicht wirklich in den Kram passte, daraus machte er keinen Hehl: "Ich habe meine größten Stärken als Rechtsverteidiger. Wenn alle Mittelfeldspieler bei uns fit sind, haben wir auf dieser Position bessere Spieler", grummelte er.

Dass er diese Rolle aber wieder einmal stark ausgefüllt hatte und sogar noch ein Kopfballtor erzielte, rang ihm nicht einmal ein müdes Lächeln ab. "Wenn man weiter vorne spielt, dann trifft man auch gelegentlich", maß Lahm seinem Tor-Coup keinen hohen Wert bei.

Die Bilder des murrenden Lahm passten allerdings so gar nicht zu den Darbietungen auf dem Rasen, die der FC Bayern zuvor gegen den FC Barcelona hingelegt hatte. Da hatten die Münchner mal wieder bewiesen, dass sie nichts von ihrem dominanten Stil der Vorsaison eingebüßt haben. Der Umstand, dass der renommierte Club aus Katalonien noch nicht auf dem gleichen Stand war, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die "Roten" von der Isar ihrem Rivalen vermutlich davongeeilt sind - selbst wenn demnächst Neymar und Co. einsteigen.

Hoeneß bremst Guardiola ein



Dennoch droht an der Säbener Straße Ungemach, wenn der letzte Urlauber Javier Martinez ins Team rückt und auch Mario Götze in ein paar Wochen einsatzbereit ist. Und so forderte Uli Hoeneß anlässlich Guardiolas verwirrender Suche nach einer Stammelf, die Rotationsmaschine etwas zu drosseln. "Ich bin der Meinung, dass sieben oder acht Spieler regelmäßig spielen werden. Wenn du jedes Mal fünf oder sechs Spieler austauschst, wird es sehr schwierig. Ich glaube, Pep ist noch in der Findungsphase", sagte der Bayern-Präsident.

Ob der neue FCB-Coach die Findungsphase mit Saisonbeginn für beendet erklärt, darf einstweilen bezweifelt werden. So fand sich Rafinha, der in der vergangenen Spielzeit kaum eine Rolle gespielt hatte, gegen Barcelona zum wiederholten Male auf der Lahm-Position wieder. Thiago, beim Telecom-Cup noch vor der Abwehr eingesetzt, durfte sich weiter vorne herumtreiben, Thomas Müller rückte von rechts in die Mitte. Den Zuschauern, so hatte man den Eindruck, brummte angesichts der fluktuierenden Positionsrochaden der Schädel.

Selbst der überragende Franck Ribery blickte etwas ratlos in die Mikrophone, als er nach dem System gegen Barca gefragt wurde. "Ich glaube es war ein 4-3-3", sagte der Franzose, der mit seiner gefühlvollen Flanke Lahms Kopfballtreffer vorbereitet hatte. Immerhin kam mit Mario Mandzukic mal wieder ein Vollblutstürmer zum Einsatz, der auch prompt den 2:0-Endstand markierte. Weil der Bayern-Coach künftig wohl auch ohne "echten" Neuer spielen wird, dürfte der Kroate allerdings öfter auf der Bank sitzen, als ihm lieb ist.

Vier Kandidaten für einen Sechser



Dass auch ein Bastian Schweinsteiger nicht von Guardiolas radikalen Positionsverschiebungen verschont bleibt, dürfte der Vize-Kapitän bereits ahnen. Als er bei seinem ersten Einsatz in der Vorbereitung in der 69. Minute ins Spiel kam, bekleidete er zwar noch die Rolle vor der Abwehr. Weil Guardiola die "Doppel-Sechs" jedoch kurzerhand halbierte, steht eben nur noch eine Position zur Verfügung - mit zahlreichen Kandidaten (von Schweinsteiger über Toni Kroos, Luiz Gustavo bis hin zu Neuzugang Thiago).

"Ich sehe meine Qualitäten schon am besten auf der Sechser-Position aufgehoben", stellte Schweinsteiger im "kicker" klar. Dass sich Guardiola davon kaum beeindrucken lässt, ist nicht schwer vorherzusehen. Solange die Bayern-Maschine allerdings - und davon ist auszugehen - weiterhin so heißläuft wie in den letzten Testspielen, haben auch die Platzhirsche wenig Argumente für ihre Vorlieben.

Aus München berichtet Johannes Fischer