Gelsenkirchen - Die Vereinshymne vom "König im Revier" dröhnte aus den Boxen, als Manuel Neuer seine Mannschaft zur Fankurve führte.

Erleichtert winkte er, lächelte und bedankte sich artig - der befürchtete Spießrutenlauf war ausgeblieben. "Ich hatte echt Bammel, bin aber heilfroh, dass es so gelaufen ist", sagte der Nationaltorhüter von Schalke 04 später.

"Du bleibst immer unser Manu!"

Das Resultat war ihm längst völlig gleichgültig. 0:1 (0:1) hatte Schalke in der heimischen Veltins-Arena gegen den 1. FC Kaiserslautern verloren. Die Erleichterung, trotz der Ankündigung seinen Vertrag bei den "Knappen" nicht zu verlängern", noch immer Publikumsliebling zu sein, war Neuer anzumerken. "Die Fans fanden es wohl gut, dass ich keinen Eiertanz veranstaltet habe", kommentierte der 25-Jährige den freundlichen Empfang nach der tränenreichen Pressekonferenz vom Mittwoch.

Nur vereinzelt mischten sich Pfiffe in den Jubel. "Du bleibst immer unser Manu!", stand auf einem Transparent, Szenenapplaus begleitete Neuer immer wieder, obwohl er sich kaum auszeichnen konnte. Beim Gegentor von Srdjan Lakic (42.) wurde er von seiner wackligen Abwehr alleine gelassen und war chancenlos.

Neuer erleichtert

"Mir war es wichtig, die Fans nicht im Dunkeln stehen zu lassen", sagte Neuer zur Begründung für sein Vorpreschen vor dem Saisonende. "Jetzt habe ich es hinter mir", fügte er erleichtert an. Nun könne er sich auf den Endspurt mit der vollen Rückendeckung der Fans konzentrieren. Am Dienstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) empfangen die "Königsblauen" Manchester United, das seine Generalprobe in der Premier League gegen den FC Everton mit 1:0 gewonnen hat, zum Halbfinal-Hinspiel in der Champions League.

Coach Ralf Rangnick war nicht sonderlich überrascht vom Publikum in der ausverkauften Schalker Arena. "Die Fans haben eine Reaktion gezeigt, wie ich sie erwartet habe", sagte er. Da war der Trainer entspannter als sein Torwart, der nach Spielschluss immer wieder sein mulmiges Gefühl betonte und nicht aufhören konnte, die Fans zu loben. "Sie haben super reagiert", sagte Neuer in die Mikrofone. "Dabei hätte es auch ganz anders laufen können."

Leistungssteigerung nötig

Das soll es gegen Manchester, zumindest spielerisch ist eine Steigerung dringend nötig. Trainer Rangnick hatte gegen Kaiserslautern einige Leistungsträger geschont, um topfit ins Halbfinale der "Königsklasse" zu gehen.

Neuer wurde nicht geschont. Er brauchte seine persönliche Feuertaufe, Generalprobe und Versöhnung mit den Fans, um mit breiter Brust um den Finaleinzug der Champions League zu kämpfen. Das "mulmige Gefühl" hat sich gegen Lautern zumindest in Luft aufgelöst. Gelöst scherzte Neuer mit den Fans, die ihm "viel Glück bei den kommenden Herausforderungen" wünschten. "Ihr meint wohl das Spiel am Dienstag", antwortete Neuer mit einem Augenzwinkern.