Hamburg - Die Fans des Hamburger SV wollten am Samstag nur noch schnell nach Hause. Als wäre das schmeichelhafte 0:0 gegen Hannover 96 nicht schon genug gewesen, wurden die Gäste von ihren Anhängern mit "Europapokal"-Sprechchören gefeiert.

Dabei war der Europapokal doch für die Hausherren das große, noch zu erreichende Ziel - nach dem 30. Spieltag ist dieses jedoch schon fast in unerreichbare Ferne gerückt.

Drei Remis in Folge

"Es wird für uns verdammt schwer. Um in den letzten vier Spielen noch fünf Punkte aufzuholen, muss schon verdammt viel passieren", meinte ein sichtlich niedergeschlagener Mladen Petric. Der "Magier" gehörte gegen Hannover zu den besseren, blieb aber erneut ohne Treffer und wartet nach seinen drei Toren beim 6:2 gegen Köln nun schon wieder seit über drei Spielen auf ein Erfolgserlebnis.

Nach dem Kantersieg gegen die Rheinländer hatten viele auf eine Initialzündung für den restlichen Saisonverlauf gehofft. Was folgte waren ein 0:0 in Hoffenheim, ein 1:1 gegen Dortmund und nun das torlose Remis im kleinen Nordderby - der HSV hat zwar vor allem gegen den BVB nicht enttäuscht, für die Europa League waren diese drei Unentschieden aber dennoch deutlich zu wenig.

Oenning fordert mehr Durchschlagskraft

Trainer Michael Oenning wollte aber nicht schwarzmalen. Im Gegenteil. "Wir müssen weiter stabil bleiben, so wie in den letzten drei Spielen, in denen wir nur ein einziges Gegentor kassiert haben - und das in der 93. Minute gegen den baldigen Deutschen Meister", sagte Oenning.

Im Saisonendspurt machte er dabei eine ganz klare Rechnung auf. "In den vier Spielen geht es um zwölf Punkte, da ist noch viel möglich. Dazu müssen wir aber an Durchschlagskraft zulegen", sagte der 45-Jährige, der seine Arbeit als Cheftrainer des HSV in der kommenden Saison fortsetzen wird. "Wir haben eine grundsätzliche Einigung erzielt haben, die jetzt noch vertraglich fixiert werden muss", so Oenning.

David Jarolim sieht die Ausgangslage vor dem nächsten Punktspiel in Stuttgart auch ganz pragmatisch. "Wir können in den letzten Spielen nur noch gewinnen und etwas schaffen, womit zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr viele rechnen. Das könnte unser Plus sein."

Diekmeier will "nicht mehr auf die Tabelle schauen"

Für die "Mission Impossible" müssen die Hanseaten aber auf einen wichtigen Spieler verzichten. Ruud van Nistelrooy zog sich gegen Hannover einen Muskelfaserriss in der Wade zu und wird seine Teamkollegen nur noch moralisch unterstützen können - der Stürmer fällt bis zum Saisonende aus.

Dennis Diekmeier hofft aber auch ohne den Niederländer auf einen ganz besonderen Motivationsschub. "Im Grunde müssen wir jetzt nicht mehr auf die Tabelle schauen und das Rechnen anfangen. Wir wollen uns und unseren Fans einen tollen Saisonabschluss bescheren, und dafür müssen Siege her. Und dann schauen wir am Ende, ob es für Platz 5 reicht." Und dann singen die HSV-Fans vielleicht doch noch vom Europapokal.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis