Hauptberuflich ist Ioannis Amanatidis Torjäger von Eintracht Frankfurt. Doch seit gut zwei Jahren hat sich sein Tätigkeitsfeld bei den Hessen erheblich erweitert.

Der Grieche ist erster Ansprechpartner, wenn es wieder Mal einen seiner Landsleute zur Eintracht verschlagen hat. Als Kapitän der "Adler" hilft er bei der Eingewöhnung und steht seinen Kollegen in alltäglichen Dingen zur Seite.

Sein neuester Zögling ist Nikos Liberopoulos. Der 32-jährige Nationalstürmer, der ablösefrei von AEK Athen nach Frankfurt gekommen ist, hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Er ist nach Amanatidis, Sotirios Kyrgiakos und Evangelos Mantzios der vierte Spieler in den vergangenen drei Jahren, der aus dem Mittelmeerland zu den Hessen gewechselt ist.

Netzwerk

Die engen griechisch-hessischen Beziehungen sind kein Zufall. Paul Koutsoliakos, ehemaliger Eintracht-Jugendspieler und Zweitligaprofi von Offenbach, Kassel und 1860 München, fädelte die jüngsten Transfers der Griechen-Fraktion ein. Der heutige Spielerberater ist Teil eines Netzwerks, das sich der Bundesligist in den vergangenen Jahren in Griechenland und Frankfurt aufgebaut hat.

Neben Koutsoliakos sind zwei alte Weggefährten von Coach Friedhelm Funkel Teil dieses Zirkels: Die ehemaligen Bundesliga-Trainer Ewald Lienen und Hannes Bongartz. Lienen ist momentan Trainer bei Panionios Athen, Bongartz war bis vor kurzem Sportdirektor bei Skoda Xanthi. Sie kennen die griechische Liga bestens und stehen in regem Kontakt zu Funkel. Dementsprechend äußert sich Eintrachts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen in der "FAZ" über das Geschehen in der griechischen Super League: "Wir sind über den Markt dort sehr gut informiert."

Dolmetscherqualitäten

Und mit dem angesprochenen Amanatidis hat die Eintracht einen Akteur in ihren Reihen, der seinen Landsleuten die Bundesliga im Allgemeinen und den Standort Frankfurt im Speziellen schmackhaft machen und aufgrund seiner multilingualen Fähigkeiten – er lebt seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland – als Dolmetscher und Eingewöhnungshilfe mit Rat zur Seite stehen kann.

Bei seinem Nationalmannschaftskollegen Liberopoulos hat dieser Umstand hinsichtlich dessen Wechsels in die Mainmetropole gewiss eine Rolle gespielt. Während der abgewanderte Kyrgiakos sprachliche Barrieren nicht abbauen wollte, will der neue Angreifer der Hessen schnellstmöglich deutsch lernen und Fuß fassen.

Tore als Empfehlung

Mit Toren will er sich seinen Platz im Team der Hessen sichern. Liberopoulos erzielte 148 Treffer in 350 Spielen in der griechischen Liga und kam in 76 Einsätzen im Europapokal auf 15 Tore. In seinen 60 Auftritten in der Nationalmannschaft gelang es dem Angreifer, 13 Mal einzunetzen. Die Aufgabe von Liberopoulos bei der Eintracht soll es sein, die stürmenden Stammkräfte Amanatidis und Martin Fenin zu unterstützen. "Wir wissen, dass er eine unglaubliche Trefferquote in Griechenland hatte, dass er sehr torgefährlich ist", hob Funkel dann auch die Stärke des dreifachen griechischen Fußballers des Jahres (2000, 2006, 2007) hervor.

Angst um seinen Stammplatz muss Kapitän Amanatidis bei diesen beeindruckenden Zahlen nicht haben. Liberopoulos, der 1,86 Meter groß und 81 Kilogramm schwer ist, hat seine Stärken vor allem in der Luft und im Abschluss. Und dass die beiden Griechen harmonieren können, haben sie bereits in der Nationalmannschaft bewiesen. Vollmundig und wie es die offensive Art eines Stürmers ist, formulierte Liberopoulos seine Ansprüche an sich: "Ich werde hier nicht nur einhundert Prozent geben, sondern alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dem Verein zu helfen."

Ihm helfen wird in der ersten Zeit vor allem Amanatidis. Als Dolmetscher und Ratgeber im Alltag.

Florian Bruchhäuser