"Maurermeister" Otto Rehhagel hat Griechenland mit einem Sturmlauf zum ersten WM-Sieg geführt und träumt weiter vom WM-Achtelfinale. Gegen zehn Nigerianer gab der deutsche Trainer seine Betontaktik nach einem 0:1-Rückstand auf und wurde mit der Wende zum 2:1 (1:1) belohnt.

Damit hat der 71-Jährige weiter alle Chancen, bei seiner WM-Premiere mit dem Europameister von 2004 im letzten Vorrundenspiel gegen Argentinien am 22. Juni die K.o.-Runde zu erreichen. Die "Super Eagles" haben nach zwei Niederlagen nur noch eine Minimalchance.

Schock nach Rückstand

Nach dem 0:1 durch Kalu Uche (15.) löste Rehhagel, der mit Steinzeit-Taktik und drei Innenverteidigern begonnen hatte, alle Fesseln. Im Anschluss an den Platzverweis gegen Sani Kaita (33.) wechselte er einen dritten Stürmer ein, und die Griechen spielten, wie man sie selten gesehen hatte. Dimitrios Salpingidis (45.) mit Griechenlands erstem WM-Tor im fünften Spiel und Vassilis Tosoridis (71.) drehten die Begegnung.

Das Spiel wurde äußerst hart geführt und war von Beginn an von Fouls geprägt. Mittelfeldspieler Kaita musste nach einem Schubser und einem Tritt gegen Torosidis vom Platz. Rehhagel reagierte und brachte Georgios Samaras.

Die Afrikaner hatten zunächst mehr vom Spiel und brachten die Defensive der Griechen mit ihrem weiträumigen Spiel immer wieder in Verlegenheit. In der 21. Minute wusste sich der Ex-Frankfurter Sotiris Kyrgiakos vom FC Liverpool vor dem eigenen Strafraum gegen Lukman Haruna nur mit einem Foul zu helfen. Der fällige Freistoß landete aber in der griechischen Mauer.

Griechenland agiert vorsichtig

Nur selten konnten sich die Rehhagels Schützlinge vom Druck der Nigerianer befreien. In der 23. Minute hatte der Europameister von 2004 die erste Chance. Nach einer Freistoßflanke von Georgios Karagounis landete der Kopfball von Kyrgiakos neben dem Tor. In der 31. Minute war es erneut Kyrgiakos, der nach einer Ecke per Kopfball scheiterte.

Nach dem 0:2 im ersten Gruppenspiel gegen Südkorea hatten die Griechen extrem vorsichtig begonnen. Weil die Vierer-Abwehrkette gegen Südkorea gepatzt hatte, bot Rehhagel einen zusätzlichen Innenverteidiger auf. Dafür musste unter anderem der Nürnberger Stürmer Angelos Charisteas weichen.

Nigerias Trainer Lars Lagerbäck verzichtete zunächst auf seine Bundesliga-Legionäre: Der Hoffenheimer Chinedu Obasi, der nach seiner Einwechslung in der 59. Minute den Ball am leeren Tor vorbeischob, musste zunächst ebenso auf der Bank Platz nehmen wie der Wolfsburger Obafemi Martins.

Enyeama patzt, Torosidis trifft

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel immer rasanter. Nach einer Flanke von Uche konnte Torwart Alexandros Tzorvas den Ball gerade noch über die Latte lenken, ehe Obasi wenige Sekunden nach einer Riesenchance des Berliners Theofanis Gekas auf der Gegenseite die Nerven versagten.

Die Griechen drängten mit Erfolg auf den Führungstreffer. In der 68. Minute kam Samaras frei zum Kopfball, doch Nigerias Keeper Vincent Enyeama rettete glänzend. Drei Minuten später war es dann soweit: Das 2:1 war eine Erlösung und wurde von allen Spielern euphorisch gefeiert. Enyeama konnte einen Weitschuss von Alexandros Tziolis nicht festhalten, Torosidis staubte ab.

Schema:

Griechenland: Tzorvas - Vyntra, Papastathopoulos (37. Samaras), Papadopoulos, Kyrgiakos, Torosidis - Tziolis, Katsouranis - Karagounis, Salpingidis - Gekas (79. Ninis). - Trainer: Rehhagel

Nigeria: Enyeama - Odiah, Yobo, Shittu, Taiwo (55. Echiejile/78. Afolabi) - Kaita, Etuhu, Haruna, Uche - Aiyegbeni, Odemwingie (46. Obasi). - Trainer: Lagerbäck

Schiedsrichter: Oscar Ruiz (Kolumbien)

Tore: 0:1 Uche (16.), 1:1 Salpingidis (44.), 2:1 Torosidis (71. )

Zuschauer: 31.593

Gelbe Karten: Papastathopoulos, Tziolis, Samaras - Obasi

Rote Karten: Kaita (Nigeria) nach einer Tätlichkeit (33.)