Zusammenfassung

  • Der Neu-Münchner brauchte eine Weile, um das frühe WM-Aus zu verdauen.

  • Goretzkas Eltern sind die wichtigsten Ratgeber für den 23-Jährigen.

  • Langfristig möchte er beim FC Bayern zum Führungsspieler aufsteigen.

München - Vieles ist noch neu und im ersten Moment ungewohnt für Leon Goretzka. Das Blau und Weiß seiner früheren Clubs FC Schalke 04 und VfL Bochum hat der 23-Jährige gegen das Rot des FC Bayern München eingetauscht. Einiges ist dem Neuzugang in der neuen Umgebung aber schon bestens vertraut.

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Vor allem der Großteil seiner Kollegen, mit denen der Nationalspieler vor einer Woche an der Säbener Straße die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison aufgenommen hat. "Grundsätzlich hilft es beim Einstieg, wenn du schon Mitspieler kennst und in dem Fall auch den kompletten Sommer mit ihnen verbracht hast", sagte Goretzka bei seiner Vorstellung am Donnerstag.

Dass der WM-Sommer in Russland eher enttäuschend kurz ausfiel, hat den Mittelfeldspieler noch einige Zeit beschäftigt. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich am besten fahre, wenn ich das mit mir selbst ausmache und viel darüber nachdenke, woran es gelegen hat, ob und was man hätte besser machen können", erklärte Goretzka seinen Umgang mit dem Vorrunden-Aus des DFB-Teams.

Eltern als wichtige Ratgeber

Hilfreich waren dabei die Gespräche mit seinen Eltern. "Sie haben mir in der Vergangenheit immer gute Ratschläge gegeben, ohne sie wäre ich auch nicht hier." In München, wo Goretzka beim Rekordmeister einen langfristigen Vertrag bis 2022 unterzeichnet hat, will der gebürtige Bochumer nun erstmals außerhalb des Ruhrgebiets den nächsten Schritt in seiner Karriere machen - auch zur Freude seiner Eltern. "Sie tun sich beide schwer, mir sowas zu sagen", erklärte Goretzka, aber man könne davon ausgehen, dass sie stolz auf ihn seien.

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Hilfreich waren auch die Meinungen seiner Eltern bei seiner Entscheidungsfindung, letztlich fasste Goretzka den Entschluss für den Wechsel aber selbst: "Wenn du so eine wichtige Entscheidung triffst, kannst du am besten mit den Konsequenzen leben, wenn du es alleine entschieden hast und dich niemand in irgendeine Entscheidung reingedrückt hat."

Kampfansage an die Mittelfeld-Konkurrenz

Nach zwölf Jahren beim VfL Bochum und fünf erfolgreichen Spielzeiten bei Schalke 04 kann es Goretzka kaum erwarten, bis es mit den Bayern richtig losgeht. Dass ausgerechnet auf seiner Position im Mittelfeld die größte Konkurrenz im Team herrscht, sieht er als zusätzlichen Ansporn. "Es ist bekannt, dass ich am liebsten auf der Achterposition spiele. Da sehe ich mich persönlich auch am stärksten." Seine Flexibilität wertet der abschlussstarke wie umsichtige Ballverteiler als Pluspunkt. "Ich bin bereit, mehrere Positionen in Angriff zu nehmen", betonte Goretzka.

Die Entscheidung überlasse er da ganz dem Trainer Niko Kovac. "Ich bin bereit auf einer anderen Position zu spielen, wenn der Trainer der Meinung ist, dass ich da der Mannschaft am besten helfen kann", sagte Goretzka, der vom neuen Coach der Bayern einen sehr positiven Eindruck habe. Das beruht laut Hasan Salihamidzic auf Gegenseitigkeit. "Der Trainer freut sich sehr auf ihn", berichtete der FCB-Sportdirektor und hob Goretzkas Stärken hervor. "Er ist sehr dynamisch, schnell und hat eine richtig gute Technik. Er ist ein richtig guter Fußballer, der unsere Mannschaft mit seinen Qualitäten weiterbringen wird."

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Rolle als Führungsspieler reizt Goretzka

Dazu zählen auch Führungsqualitäten, die er als Stratege im Schalker Mittelfeld bereits unter Beweis gestellt hat. Goretzka macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Aufgabe auch in der Zukunft bei den Bayern reizen würde, zunächst will er sich aber hinten anstellen. "Grundsätzlich sehe ich mich in der Lage, so eine Position einzunehmen", sagte er und ist sich den Anforderungen bewusst. "Zuallererst sehe ich da, dass man sich auf dem Platz beweist und mit Leistung vorangeht. Man braucht nicht groß das Wort zu ergreifen, wenn man nicht in der Lage ist, konstant seine Leistung abzurufen."

Daran will er nun mit höchster Priorität arbeiten und zusammen mit dem Team im Trainingslager am Tegernsee den Grundstein für eine erfolgreiche Saison legen - worum es dabei geht, hat Goretzka bereits in so kurzer Zeit in München verinnerlicht: "Die Saisonziele sind allen klar, die sind jedes Jahr gleich beim FC Bayern." Die Clubvitrine soll weiter gefüllt werden.

Aus München berichtet Maximilian Lotz