München - Mit dem hat Tabellenführer Bayern München seinen Erzrivalen Borussia Dortmund vorerst abgeschüttelt im Rennen um die Meisterschaft. Ausgerechnet Mario Götze brachte den Rekordmeister bei seinem Ex-Club auf Kurs.

Vom BVB-Helden zum BVB-Besieger: Zehn Minuten nach seiner von einem lauten Pfeifkonzert begleiteten Einwechslung versetzte Mario Götze seine alte Heimat in eine kurze Schockstarre. Mit seinem sechsten Ballkontakt netzte der 21 Jahre alte Edeltechniker in der 66. Minute ausgerechnet mit der Picke gegen seinen früheren Keeper Roman Weidenfeller ein und ebnete dem FC Bayern den Weg zum ersten Bundesliga-Erfolg gegen den BVB nach zuvor sechs sieglosen Versuchen.

Zum Duschen zurück in die Gäste-Kabine



Dortmund drängte fortan zwar auf den Ausgleich, doch die Gäste schlugen in der Schlussphase mit einem Doppelschlag noch eiskalt zu. Götze brachte bei seinem Kurzeinsatz 18 seiner 20 Pässe an den Mitspieler und kam am Ende mit 8,6 Kilometern pro Stunde auf die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit aller Bayern-Akteure. Beim Jubel über sein Führungstor hielt sich Götze respektvoll zurück, wohl wissend, dass ihn nach der Partie, die in 207 Ländern live übertragen wurde, sein erster Gang in die vertraute BVB-Kabine zu den alten Kollegen führen sollte. Als er rund 10 Minuten später zum Duschen in die Gäste-Umkleide wechselte, machten die ersten Statements die Runde.

"Wir sind zufrieden, weil wir gegen die beste Konter-Mannschaft der Welt gewonnen haben. Wenn man Dortmund laufen lässt, sind sie nicht zu stoppen. Wir haben in der zweiten Hälfte mit Thiago und Götze besser gespielt", meinte Pep Guardiola, der allerdings von einer Vorentscheidung im Titelkampf noch nichts wissen wollte (die Trainerstimmen).
Die Statistik spricht derweil eine deutliche Sprache. 35 Punkte nach 13 Spieltagen konnte in der Bundesliga-Geschichte nie zuvor eine Mannschaft aufweisen. Auch konnte der BVB einen 7-Punkte Rückstand ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aufholen.

Spitzenspiel auf Augenhöhe



Arjen Robben hatte an diesem Abend vor allem Spaß, wie er sagte. Das Ergebnis täusche ein wenig über den Spielverlauf hinweg, sei es aus Sicht des Niederländers doch über weite Strecken ein "Duell auf Augenhöhe" gewesen.

In der Tat präsentierte sich der personell arg gebeutelte BVB durchaus ebenbürtig. Trotz komplett neuer Abwehrreihe - nach den Ausfällen von Schmelzer, Subotic und Hummels - , in der Manuel Friedrich nach 189 Tagen sein Bundesliga-Comeback gab, sah Trainer Jürgen Klopp eine gute Leistung seines Teams, das mit 120,4 Kilometern zwar zwei Kilometer mehr lief als der Gegner, letztlich aber durch die individuelle Klasse der Bayern abgestraft wurde.

"Am Sechzehner haben wir Götze einen Moment aus den Augen verloren. Die Höhe der Niederlage ist mir ehrlich gesagt egal, doch die letzten beiden Tore werden dem Spiel nicht gerecht. Bis zum 1:0 hatten wir die größeren Torchancen und müssen auch das 1:1 machen, aber die Bayern waren geduldig", sagte Klopp.

Bayerns Sieger-Gen



"Ein Klassenunterschied war es nicht. Wir haben uns aber einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen und verdient gewonnen", sagte Torwart Manuel Neuer.

Die Münchner Erfolgsserie scheint dabei offenbar genetisch bedingt. "Wenn der FC Bayern irgendwo antritt, will er gewinnen. Das ist in der Bayern-DNA verankert", sagte Sportvorstand Matthias Sammer noch vor der Partie. Hinterher stehen 38 ungeschlagene und 50 Bundesliga-Spiele in Folge mit einem Tor zu Buche.

Effektive Werkself, clevere "Fohlen"



Durch die BVB-Schlappe ist nun Bayer Leverkusen, das wohl bisher die wenigsten als ernsthaften Titelkandidat auf der Rechnung hatten, neuer direkter Verfolger der Bayern. Der Werkself genügten vier Torschüsse (Saisonminus, ), um bei Hertha BSC drei Punkte zu entführen und auf Platz 2 (vier Punkte hinter Bayern) vorzurücken. Hertha kassierte trotz einer engagierten Laufleistung (123 km) und 12:4 Torschüssen die dritte Heimniederlage. Das Sprintduell des bisherigen Spieltags lieferten sich im Olympiastadion Bayers Emre Can (34,2 km/h) und Berlins Tolga Cigerci (34,1).

Borussia Mönchengladbach festigte mit dem Platz 4. Beim 2:0 in Stuttgart präsentierte sich das Team von Trainer Lucien Favre clever und abgeklärt. Die Fohlen teilten sich ihre Kräfte gut ein und kamen mit 43 Sprints weniger aus als Stuttgart (242).

Markus Hoffmann