Leipzig - Selbstverständlich freute sich Marco Reus am Donnerstag über die Glückwünsche von Joachim Löw zu seinem 23. Geburtstag, das schönste Geschenk hatte der Bundestrainer seiner "Angriffs-Allzweckwaffe" aber bereits am Montag gemacht.

Schließlich sind die Chancen des Geburtstagskinds auf Einsätze in der Nationalmannschaft bei der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) durch die Ausmusterung der Konkurrenten Cacau und Julian Draxler gestiegen.

"Mehr als nur ein Joker"



"Ich mache mir wenig Gedanken. Ich versuche einfach, meine Leistung zu bringen", sagte Reus gelassen auf die Frage nach seiner Rolle in der deutschen Auswahl während der EM. Der gebürtige Dortmunder kann sich die Gelassenheit leisten. Immerhin ist Reus nach seinem kuriosen und holprigen Weg in die deutsche Auswahl mittlerweile einer von Löws Lieblingen.

"Er hat eine große Entwicklung gemacht. Wenn es eng wird, ist er in der letzten Linie anspielbar, er ist wendig, beweglich und abschlussstark. Er kann bei der EM mehr als nur ein Joker sein", äußerte Löw, für den das Ergebnis der Umfrage nicht überraschend kam. "Seine Effizienz ist hervorragend. Er ist mit Sicherheit einer der Spieler der abgelaufenen Bundesliga-Saison", sagte der Bundestrainer über Reus, der beim 3:5 (1:2) am vergangenen Samstag in der Schweiz der einzige Lichtblick im deutschen Team war und im fünften Länderspiel zum ersten Mal traf.

Vom Pechvogel zum Hoffnungsträger



Allerdings musste Reus einige Hürden überspringen, bevor der Offensivspieler endlich im Nationalteam glänzen konnte. Reus wurde zwar schon nach seiner ersten Bundesliga-Saison im Mai 2010 erstmals von Löw nominiert, bis zu seinem Debüt vergingen aber noch knapp eineinhalb Jahre. Vier Mal musste der Pechvogel, der im Sommer 2009 vom damaligen Zweitliga-Absteiger Rot-Weiss Ahlen zu Borussia Mönchengladbach gewechselt war, wegen Verletzungen oder Krankheiten absagen.

Als Reus dann zum ersten Mal den Weg zu Löw gefunden hatte, musste er im August 2011 das 3:2 gegen Brasilien 90 Minuten von der Ersatzbank verfolgen. Am 7. Oktober des vergangenen Jahres war es dann aber soweit: Reus, der zur neuen Saison von Gladbach zum Double-Gewinner Borussia Dortmund wechseln wird, feierte beim 3:1 in der EM-Qualifikation in der Türkei sein Debüt.

Wie wertvoll Reus für seine Mannschaft sein kann, zeigte er in Gladbach. In der abgelaufenen Saison erzielte Reus 18 Tore für die Borussia, elf bereitete er vor. Seit Reus in Gladbach unter Vertrag steht, hat er fünf Spiele verpasst - keines davon konnten die Borussen gewinnen. Im letzten Saisonspiel beim 1. FSV Mainz 05 überzeugte Reus unter den Augen Löws noch einmal mit zwei Toren und einer Vorlage.

Der neue Konkurrent im Sturm



Diese Vorstellung hat Löw offenbar zum Nachdenken über die Position von Reus gebracht. Zu Beginn der EM-Vorbereitung erklärte der Bundestrainer überraschend, dass er sich Reus auch als Mittelstürmer vorstellen kann: "Ich bin sicher, dass er das gut spielen könnte." Reus hat mit diesen Gedankenspielen kein Problem: "Ich habe das teilweise auch schon in Gladbach gespielt: Die Position liegt mir ganz gut."

Mit einer Versetzung in das Sturmzentrum würde es für Reus im Kampf um einen Platz im Team allerdings nicht leichter werden. Im Mittelfeld müsste er sich mit Mesut Özil, Thomas Müller, Mario Götze, Lukas Podolski und Andre Schürrle auseinandersetzen. Im Angriff warten Miroslav Klose und Mario Gomez.