Frankfurt - Es kommt selten vor, dass ein Spieler beim Verlassen des Platzes nach seiner Auswechslung auch von den Fans des Gegners gefeiert wird. Mahmoud Dahoud von Borussia Mönchengladbach ist erst 19 Jahre alt, aber diese Ehre wurde ihm schon in seinem neunten Bundesligaspiel in dieser Runde zuteil.

Als der zentrale Mittelfeldspieler am Samstag beim 5:1-Auswärtssieg der Borussia bei Eintracht Frankfurt in der 85. Minute vom Platz lief, war die Hochachtung für die Leistung dieses Spielers auch bei den Eintracht-Fans riesig. Der 1, 77 Meter große Techniker hatte sich den Applaus auch verdient. Er erzielte mit einem abgefälschten Schuss nicht nur das 2:1 (51.), sondern bereitete auch das 3:1 von Raffael vor (58.) und holte jenen Elfmeter heraus, den Andre Hahn in der 82. Minute zum 4:1 verwandelte. Insgesamt machte Dahoud fünf Torschussvorlagen in diesem Spiel.

Ballsicherer, torgefährlicher Wirbelwind

Schon unter Lucien Favre reüssierte der U 19-Nationalspieler in dieser Saison. Dahoud hat nur ein paar Bundesligaspiele gebraucht, um zu beweisen, dass er eines der größten Talente des deutschen Fußballs ist. Favre hat das schon lange erkannt, er lobte den Teenager schon nach dem Wintertrainingslager im Januar: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er zum Einsatz kommt. Er hat noch Dinge zu lernen. Manchmal ist sein Spiel noch ein wenig zu kompliziert, dann verliert er die Bälle und es wird gefährlich. Aber es macht Spaß mit ihm. Man sieht, dass er enorme Qualität hat."

Ein Dreivierteljahr später hat Dahoud seine Lernphase offenbar schon beendet. Wenn er so wie in Frankfurt spielt, ist dieses Talent nicht mehr aus der Stammelf der Borussia wegzudenken. Ob der Trainer nun Lucien Favre oder aktuell Andre Schubert heißt, spielt dabei keine Rolle. Perfekt ergänzt sich Dahoud derzeit im zentralen Mittelfeld mit dem Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka. Der vier Jahre ältere Linksfuß Xhaka gibt den Taktgeber, der Rechtsfuß Dahoud den ballsicheren, torgefährlichen Wirbelwind.

Spieler mit Köpfchen

Mahmoud Dahoud wurde am 1. Januar 1996 in Amoude in Syrien geboren, kurz nach seiner Geburt kam er mit seinen Eltern nach Deutschland. Beim SC Germania Reusrath begann er mit dem Fußballspielen, bevor er über die Jugendabteilung von Fortuna Düsseldorf 2010 ins Nachwuchsleistungszentrum der "Fohlen" wechselte. Schon zur Saison 2013/14 trainierte er mit den Profis, zu seinem ersten Profieinsatz kam er im August 2014 beim 7:0 gegen den FK Sarajevo in der Europa-League, am 11. April debütierte er in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund.

Sein erstes Bundesligator gelang ihm vor vier Wochen gegen den FC Augsburg. Diesen eher schmächtigen Jungen zeichnet eine starke Präsenz auf dem Platz aus, er fordert immer den Ball und denkt Situationen schon im Voraus. So hat er immer Lösungen parat, auch in kniffligen Situationen, in denen er von mehreren Gegenspielern attackiert wird.

Vorfreude auf das CL-Spiel in Turin

Er hat am Ball die Ruhe eines Routiniers, sein Spielwitz und seine Spielfreude machen das Zuschauen zu einem Genuss. Wichtig für die Verantwortlichen in Mönchengladbach wird sein, dieses große Talent nicht zu schnell zu groß werden zu lassen. Doch Demut scheint für Mahmoud Dahoud kein Fremdwort zu sein. Jüngst erklärte er: "Ich ruhe mich doch jetzt nicht darauf aus und denke, ich bin jetzt Stammspieler. Ich bereite mich darauf vor, dass es mal wieder abwärts geht und wenn es soweit ist, dann werde ich mich wieder durchbeißen."

Irgendwann wird die Serie der Borussia, die nach der Amtsübernahme von Lucien Favre zu Andre Schubert vier Spiele in Serie gewonnen hat, reißen. Und auch Mahmoud Dahoud wird Rückschläge erleben. Aber derzeit läuft es bei der Borussia und ihrem größten Talent. In Mönchengladbach hätte sicher niemand etwas dagegen, wenn der positive Lauf am Mittwoch in der Champions-League bei Juventus Turin und am kommenden Wochenende in der Liga gegen den FC Schalke 04 anhält. Am wenigsten Mahmoud Dahoud, der sich auf ein großes Spiel in Turin freut.

Es berichtet Tobias Schächter