Köln/Katar - Das Rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln elektrisiert jedes Mal ganz Fußball-Deutschland. Am kommenden Sonntag steigt bereits die 82. Auflage dieses ewigen Duells im Profi-Fußball.

Diesmal steht das Nachbarschaftsduell jedoch unter einem ganz besonderen Stern, denn beide Clubs stecken im Abstiegskampf. Während der 1. FC Köln derzeit eine ganz passable Ausgangsposition inne hat, stecken die "Fohlen" als Tabellenletzter besonders tief drin.

Vor der Begegnung hat bundesliga.de exklusiv mit Erich Rutemöller über das Rheinische Derby gesprochen. Der ehemalige Trainer des 1. FC Köln und Ausbilder des DFB erklärt, worin die Brisanz dieses Duells besteht, welche Chancen die beiden Clubs haben, als Sieger vom Platz zu gehen und wie die Aussichten auf den Verbleib in der Bundesliga stehen.

bundesliga.de: Herr Rutemöller, am Sonntag steht das Rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln an. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Erich Rutemöller: Gladbach gegen Köln - das sind immer tolle Spiele. Komischerweise ist es aber so, dass die Gladbacher immer in Köln gewinnen und die Kölner auch öfter mal in Gladbach. Nun ist die Situation aber so, dass es für die Borussia ganz eng ist, was bedeutet, dass sie sicherlich drei Punkte holen muss. Die Kölner müssen nicht unbedingt gewinnen.

bundesliga.de: Glauben Sie denn, dass ein Heimsieg für Mönchengladbach auch wirklich möglich ist? Bisher waren sie zuhause ja noch nicht sonderlich erfolgreich.

Rutemöller: Ja, aber seit dem Trainerwechsel habe ich das Gefühl, dass das zuhause besser funktioniert. Unter Lucien Favre haben sie direkt das erste Heimspiel gewonnen. Allerdings haben die Gladbacher zuletzt gegen Kaiserslautern wirklich nicht gut gespielt. Aber wenn man weiß, dass dies quasi die letzte Chance ist, dann setzt man doch alles daran, zu gewinnen. Von daher muss ich die Frage ganz klar mit einem Ja beantworten; ein Sieg für Mönchengladbach ist drin.

bundesliga.de: Mit dem Mute der Verzweiflung?

Rutemöller: Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, kann das schon auch Kräfte freisetzen. Allerdings kann es einen auch lähmen. Aber um zu beurteilen, in welcher psychischen Verfassung die Mannschaft ist, bin ich nicht nah genug dran.

bundesliga.de: Kommt das Derby vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt, da die "Fohlen" mit dem Rücken zur Wand stehen und siegen müssen?

Rutemöller: Das ist schwer zu sagen. Den richtigen Zeitpunkt gibt es eigentlich nicht. Für die Kölner war es wichtig, dass sie auch das letzte Heimspiel gegen Nürnberg noch in der letzten Minute gewonnen haben. Das gibt noch mal einen Schub und sie können befreit aufspielen. Es wird auf jeden Fall ein interessantes Spiel, zumal nicht nur die brisante Tabellenkonstellation, sondern auch der Derby-Charakter dazu beiträgt.

bundesliga.de: Was genau zeichnet denn eigentlich dieses Derby zwischen Mönchengladbach und Köln aus?

Rutemöller: Das hat natürlich mit der Geschichte zu tun. Das fängt mit Hennes Weisweiler an, der ja anfangs Trainer in Gladbach war und dann später auch in Köln. Aber auch die geographische Nähe spielt eine große Rolle. Und im Moment spielen natürlich auch die aktuellen Entwicklungen mit rein.

bundesliga.de: Apropos aktuelle Ereignisse: Der 1. FC Köln hat mit dem 1:0 gegen Nürnberg den siebten Heimsieg in Folge geholt. Wie nimmt eine solche Entwicklung ihren Lauf?

Rutemöller: Man kann den Fußball in ganz vielen Dingen nicht berechnen. In der vergangenen Saison haben die Kölner im Grunde den Klassenerhalt durch viele Auswärtspunkte geschafft. In dieser Saison sind sie die schlechteste Auswärtsmannschaft und holen die nötigen Punkte zuhause - das soll mir mal einer erklären.

bundesliga.de: Inwieweit hängt das mit dem Trainerwechsel hin zu Frank Schaefer zusammen?

Rutemöller: Sicherlich hat der Trainerwechsel damit zu tun. Frank Schaefer ist einer, der den 1. FC Köln quasi aus dem Effeff kennt, da er dort schon als Jugendtrainer gearbeitet hat. Er hat dann auch konsequent in den verschiedenen Bereichen - Jugend, Amateure, Profis - seine Klasse beweisen. Das hat schon eine Rolle gespielt und das schlägt sich auch in den aktuellen Ergebnissen nieder.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Frank Schaefer als Ur-Kölner nach den großen Namen wie Christoph Daum und Zvonimir Soldo genau die richtige Person ist für den FC ist? Als Gegenpart, sozusagen?

Rutemöller: Ja, da möchte ich generell sagen, dass ich begeistert bin von Trainern wie Robin Dutt, Thomas Tuchel, Mirko Slomka und auch Frank Schaefer. Das sind Trainer, die man vorher nicht so auf der Rechnung hatte, die aber die Bundesliga ungeheuer bereichern. Das ist toll!

bundesliga.de: Ein Blick auf das Kölner Restprogramm zeigt, dass mit dem Spiel in Gladbach noch vier Mannschaften aus dem Tabellenkeller kommen. Wie beurteilen Sie angesichts dessen die Chancen des FC auf den Klassenerhalt?

Rutemöller: Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Dass da nichts mehr anbrennt, da bin ich mir sicher. Das sind aktuell sieben Punkte Vorsprung und unten spielen ja auch wöchentlich direkte Konkurrenten gegeneiander. Ich bin mir sicher, dass die Kölner die Punkte, die sie noch brauchen, auch holen werden.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig