Außerirdisch, unglaublich, virtuos: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sind keine Superlative mehr fremd, doch vor dem direkten Duell zwischen den beiden besten Fußballern der Welt (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) nimmt der Hype ungeahnte Ausmaße an.

Beim Showdown zwischen Titelverteidiger Manchester United und dem FC Barcelona im Champions-League-Finale in Rom (20.45 Uhr/live bei Sat.1 und Premiere) stehen sie im Fokus, Weltfußballer Ronaldo im ManUnited-Trikot, "Vize" Messi in dem von Barca.

Ronaldos Jugendhaus abgerissen

Sogar Manchesters Teammanager Sir Alex Ferguson verzichtet bei der Beschreibung der beiden Superstars auf alle Parteilichkeit und Zurückhaltung: "Die beiden wurden bei der Geburt beschenkt." Viel mehr als Talent und Willenskraft lag allerdings nicht in der Wiege. Der 24 Jahre alte Portugiese Ronaldo und der 21 Jahre alte Argentinier Messi haben einen atemberaubenden Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen gemein.

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro ist Sohn des Gärtners Jose Dinis und der Köchin Maria Dolores, benannt nach dem US-Präsidenten Ronald Reagan, dem Lieblingsschauspieler seines Vaters. Ronaldos Jugendhaus in Funchal auf der Blumeninsel Madeira wurde als "Schandfleck der Stadt" abgerissen, bevor er berühmt wurde. Dort hatten die Eltern die Waschmaschine oft unter die Decke gehängt, um Platz für Cristiano und dessen drei Geschwister zu schaffen.

Mit elf Jahren ging Ronaldo in das Jugendinternat von Sporting Lissabon, in dem auch Luis Figo groß wurde. Er war todunglücklich, wurde als Provinzling gehänselt, prügelte sich häufig und biss sich durch. Nach einem Testspiel gegen Sporting überredeten United-Spieler, die Ronaldo im Spiel wie Stümper hatte aussehen lassen, Teammanager Ferguson noch im Flieger, den Wunderknaben zu verpflichten - der Beginn einer schillernden Karriere.

Hormone in Barcelona

Messi litt in seiner Kindheit unter seiner Kleinwüchsigkeit, die paradoxerweise seinen kometenhaften Aufstieg auslöste. Sein Vater, ein Stahlarbeiter, konnte das Geld für die teure Hormonbehandlung nicht mehr aufbringen. Die Wirtschaftskrise in Argentinien beseitigte die letzten Zweifel, alles auf eine Karte zu setzen.

Im Jahr 2000 flüchtete die sechsköpfige Familie nach Barcelona. Klein Lionel, gerade mal 13 Jahre alt und keine 1,40 m groß, war die letzte Hoffnung der Messis auf eine bessere Zukunft. Die Rechnung ging auf.

Barcas Nachwuchscoach Carlos Rexach setzte nach Messis erstem Probetraining einen Vertrag auf einer Serviette auf, damit kein Club den Katalanen mehr zuvorkommen konnte. Die Hormonbehandlung in Form von täglichen Spitzen in beide Beine - vier Jahre lang - gab's umsonst dazu. Heute ist Messis Ablösesumme auf 150 Millionen Euro festgeschrieben.

"Ferguson ist wie ein Vater für mich"

Wer von beiden der bessere Fußballer ist, liegt im Auge des Betrachters. In punkto Spielwitz, Schnelligkeit und Auffassungsgabe stehen sich beide wohl in nichts nach. Der muskulöse Ronaldo, dessen Schusstechnik den Ball oft in eine scheinbar physikalisch unmögliche Flugbahn befördert, ist ohne Frage die schillerndere Persönlichkeit.

Vielleicht liegt es an den Hänseleien in seiner Kindheit, dass viele seiner Aktionen auf dem Spielfeld wie die eines Profilneurotikers wirken. Seine Schwalben, seine Gesten, seine Rituale vor der Ausführung eines Freistoßes triefen häufig vor Theatralik, obwohl Ferguson ihm die meisten Flausen schon ausgetrieben hat.

Ronaldo ist dankbar dafür. "Ferguson ist wie ein Vater für mich", sagt er und wiederholt diesen Satz gerne, wenn mal wieder Gerüchte über einen Wechsel zu Real Madrid aufkommen.

Maradona schwärmt von Messi

Messi, mittlerweile knapp 1,70 m groß, ist nicht so robust und schussgewaltig wie Ronaldo, kommt aber mit weniger Allüren aus und ist wohl noch schwerer vom Ball zu trennen. Sein großer Landsmann Diego Maradona beschrieb sein Spiel so: "Es ist fantastisch. Der Ball ist Teil seines Körpers, und es ist unmöglich, beides voneinander zu trennen."

Solche Zitate tragen dazu bei, dass der Rummel um die Superstars immer größer wird, je näher das "Finalissma" in Rom rückt. Beiden wird der Hype allmählich zu groß, Messi sowieso, aber auch Ronaldo. "Ich könnte das Finale nicht ohne meine Mannschaft gewinnen", sagt Ronaldo, und Messi ergänzt: "In Rom spielen zwei Mannschaften um die Krone, nicht zwei Spieler."