Auf Mario Gomez ist Verlass. Wie schon in der vergangenen Woche als Siegtorschütze beim 1:0-Erfolg gegen den HSV avancierte der 23-jährige Stürmer des VfB Stuttgart auch in Köln zum Matchwinner.

Mit seinen Saisontreffern 16 bis 18 sicherte der 23-malige deutsche Nationalspieler den Schwaben fast im Alleingang die drei Punkte beim 3:0-Auswärtssieg im ausverkauften RheinEnergieStadion.

Frage: Mario Gomez, 3:0 beim 1. FC Köln gewonnen, Sie haben alle drei Tore erzielt. Wie fühlt man sich als Matchwinner?

Mario Gomez: Das ist natürlich ein schönes Gefühl. Jeder Stürmer schießt gerne Tore. Gegen Köln war wieder so ein Tag. Ich muss mich aber bei meinen Mitspielern bedanken. Beim meinem Kopfballtor zum 1:0 musste ich noch ein bisschen etwas dazu tun, bei den beiden anderen musste ich den Ball ja nur noch über die Linie schieben. Das ist so ein bisschen symbolisch für die letzten Wochen. Es gab schon Zeiten und Spieler, die versuchen, den Ball selbst zu verwandeln. Jetzt legen sie den Ball mannschaftsdienlich quer, Hut ab. Das zeigt unsere momentane Situation.

Frage: Was gefällt Ihnen am VfB Stuttgart derzeit am besten?

Gomez: Dass wir ein Team sind, wie man bei den beiden Toren gesehen hat. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt nicht gut gespielt. Wir haben viel zu viel zugelassen. Aber wir haben uns in der Halbzeit zusammengerauft und uns gesagt: Jungs, das ist nicht das, was wir können. Wir können viel mehr, wir müssen noch einen Zahn zulegen. In der zweiten Halbzeit wurde es dann besser. Wir waren kompakter, wir haben die Konter viel besser ausgespielt und haben dann auch letztendlich verdient und souverän gewonnen. Wenn wir so konzentriert sind, wie in der zweiten Halbzeit, dann werden wir noch einige Spiele gewinnen.

Frage: Das war der vierte Sieg in Folge. Damit rückt der VfB näher an die Champions-League-Qualifikation heran. Wo führt der Weg des VfB Stuttgart in dieser Saison hin?

Gomez: Das wissen Sie nicht, das weiß ich auch nicht. Wir werden sehen, wie die nächsten Spiele laufen. Wir wollen unsere Spiele gewinnen. Wenn wir das schaffen, werden wir noch einen guten Weg gehen. Wenn nicht, wenn wir auch nur ein bisschen nachlassen wie in der ersten Halbzeit, dann sehen wir, dass es auch gegen Köln fast nicht reichen kann. Das muss uns bewusst sein, das muss jeder im Kopf verinnerlichen. Dann werden wir erfolgreich sein.

Frage: Letzte Woche haben Sie gesagt, dass der VfB noch jedes der letzten Spiele gewinnen kann. Bleiben Sie bei dieser Aussage?

Gomez: Gibt es denn einen Grund, warum ich meine Meinung ändern sollte?

Frage: Sehen Sie Parallelen zum Meisterjahr 2007?

Gomez: Es sind ganz viele Spieler weg und neue dazu gekommen.

Frage: Das Saisonziel lautet auch nach diesem Spiel weiterhin UEFA-Cup-Platz?

Gomez: Ich glaube schon. Ich habe in der Kabine nichts Neues gehört.

Frage: Könnte es sein, dass das Saisonziel irgendwann nach oben korrigiert wird?

Gomez: Das ist nicht meine Aufgabe. Mein Job ist, für die Mannschaft alles zu geben, Tore zu machen. Alles andere interessiert mich nicht.

Frage: Die Fans haben gesungen: Deutscher Meister VfB Stuttgart. Geht in Stuttgart das Träumen los?

Gomez: Unsere Fans sind, glaube ich, schon realistisch. Vorher haben sie gesungen: Wir wollen Euch kämpfen sehen. Wenn man 3:0 führt, ist es einfacher, solche Gesänge anzustimmen. Wir müssen uns bei unseren Fans bedanken. Die sind einfach sensationell und peitschen uns 90 Minuten nach vorne. Das ist sicher auch ein Grund dafür, warum wir so gut spielen.

Frage: Der Spielplan hält für den VfB noch die direkten Duelle gegen Wolfsburg und Bayern bereit. Sie können also gegen die direkte Konkurrenz noch Punkte gutmachen.

Gomez: Es ist aber egal, gegen wen wir spielen. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Wenn es uns gegen einen direkten Konkurrenten gelingt, ist das umso schöner. Aber drei Punkte gegen Köln sind genauso viel wert.

Frage: Könnte die Qualifikation des VfB für die Champions League auch helfen, Spieler wie Sie oder Serdar Tasci beim VfB zu halten?

Gomez: Es ist das Ziel jedes Spielers, so hoch und so gut wie möglich zu spielen. Da gehört die Champions League mit dazu. Ob das diese Jahr realisierbar ist, weiß ich nicht. Wir haben in der Vorrunde zu viele Punkte verschenkt. Aber wenn wir so weiter machen, ist das auch nicht so weit weg.

Frage: Im Verein treffen Sie wieder, wie Sie wollen. Sind die Wunden von der Nationalelf endgültig verheilt?

Gomez: Ich hatte nie Wunden. Es war sicherlich keine einfache Zeit, weil ich nicht getroffen habe. Ich habe aber auch gesagt: Wenn ich fit und gesund bin, werde ich meine Tore machen. So wird es auch irgendwann wieder in der Nationalmannschaft sein.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski