München - Der Anruf kam morgens um 4:30 Uhr. Bayern-Manager Robert Schwan klingelte am 13. März 1970 Udo Lattek aus dem Schlaf, denn er brauchte einen Mann für das Vormittags-Training. Er nahm den, der in der neuen Saison ohnehin nach München kommen sollte. Und Lattek ließ sich nicht lange bitten und trat die Nachfolge von Branko Zebec sofort an.

Die Bayern-Fans fragten sich: Udo wer? Während sich die ersten Bundesliga-Trainer Tschik Cajkovski und besagter Zebec als Spieler und Trainer schon einen Namen gemacht hatten, kannten Lattek nur Insider. Der Ex-Stürmer des VfL Osnabrück aber kannte seine Bayern schon - jedenfalls die Nationalspieler. Denn er war seit der WM 1966 Co-Trainer von Bundestrainer Helmut Schön.

Franz Beckenbauer persönlich machte sich für den im Umgang mit den Spielern angenehmen Lattek stark und fragte ihn dann im Auftrag des Vereins, ob er nicht nach München kommen wolle. Er kam und lotste auch seine Schützlinge aus der DFB-Jugend-Auswahl, Uli Hoeneß und Paul Breitner, nach München. Es begannen goldene Zeiten. Udo Lattek, den Bayern 1983 ein zweites Mal holte, gewann in München den Europapokal der Landesmeister und schaffte zwei Mal den Meister-Hattrick (1972-74 und 1985-87). Bis heute ist er der erfolgreichste Titelsammler der Bundesliga und keiner fragt mehr "Udo wer?"

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