Gelsenkirchen - Borussia Dortmund schwimmt weiter auf einer Erfolgswelle. Der überragend herausgespielte 3:1-Sieg im Revierderby auf Schalke krönt einen äußerst gelungenen Saisonstart, der den BVB bis auf Platz 3 in der Tabelle katapultierte. Der Held des Spiels war ein Japaner.

Die Mixed-Zone in der Arena auf Schalke gehört zu den geräumigeren der Bundesliga. Dort treffen die Journalisten die Spieler und Vereinsfunktionäre nach den Spielen zum Gespräch. Meistens reicht der Platz gut aus, doch diesmal war es besonders voll. Aus allen Ländern der Welt schienen die Berichterstatter gekommen zu sein, um über den Revierklassiker zu berichten. Eine besonders große Gruppe entsandte diesmal Japan. Aus gutem Grund.

Denn ein Spieler namens Shinji Kagawa war der überragende Akteur auf dem Platz. Leichtfüßig wirbelte der 21-jährige BVB-Neuzugang aus Fernost die gesamte Schalke Defensive durcheinander. Locker verwandelte er zwei Großchancen zur vorentscheidenden 2:0-Führung der Borussen. Doch das alles schien für den Angreifer weit weniger anstrengend zu sein als der Interviewmarathon nach der Partie.

Kagawa bleibt bescheiden

Gut eine Stunde nach dem Abpfiff erfüllte Shinji Kagawa die Interviewanfragen, mal mit, mal ohne Dolmetscher. "Ich freue mich, dass ich mit meinen zwei Toren zu unserem Sieg beisteuern konnte. Die freuenden Gesichter meiner Teamkollegen nach dem Spiel zu sehen, war besonders toll", sagte er bescheiden.

"Natürlich bin ich stolz, dass ich dieser tollen Mannschaft mit den Fans im Rücken zu diesem Sieg verhelfen konnte. Unser Kampfgeist und Siegeswille haben heute den Unterschied gemacht. Wir müssen jetzt diesen Willen und die Kondition für die kommenden Spiele aufrecht erhalten", blickte Shinji Kagawa auch gleich pflichtbewusst voraus.

Es war eine Freude, die Borussia im Derby kombinieren zu sehen. Die blutjunge Truppe trumpfte beinahe schon unverschämt frech auf. Mit sieben Deutschen in der Startelf, angetrieben vom Türken Nuri Sahin und vorne mit dem paraguayanisch-japanischen Offensivduo Lucas Barrios/Shinji Kagawa nahm der BVB die verunsicherten Gastgeber förmlich auseinander. Statt mit 3:1 hätten die Dortmunder auch mit 6:1 gewinnen können, denn allein drei Mal rettete die Latte für "Königsblau".

"Rasselbande" gegen die "Roten Teufel"

"Wir haben den Gegner von der ersten bis zur letzten Minute dominiert. Wir hatten auswärts 22 Abschlüsse nach einem so schweren Spiel in der Ukraine. Wir sind fit, das sieht man. Es war ein Hammerspiel", jubelte Nuri Sahin: "Das war kein normales Spiel, das wird gefeiert."

Doch die Feierlichkeiten werden kurz gehalten. Denn schon am Mittwoch wartet mit dem ebenfalls stark gestarteten Aufsteiger aus Kaiserslautern die nächste Prüfung auf Jürgen Klopps "Rasselbande".

"Kaiserslautern spielt unglaublich dynamisch. Ich habe das Interview von Tiffert gesehen, der meinte, der FCK würde darauf reduziert, dass er gut rennen kann. Den Fehler machen wir nicht. Wir wissen, dass sie Fußball spielen können. Wir genießen den Derbysieg und ab Dienstag geht es mit Vollgas auf Kaiserslautern zu", kündigte Klopp an.

Große Lust auf erfolgreichen Fußball

Der Coach denkt auch gar nicht daran, die aufkommende Euphorie irgendwie zu bremsen: "Dann wären wir ja bescheuert." Doch er weiß auch, wie schmal der Grat sein kann, auf dem der BVB wandelt. "Wir haben unter der Woche bewiesen, dass eine wahnsinnige Dominanz im Spiel auf einmal völlig raus sein kann, weil wir nur einen Moment arrogant waren", erinnert Klopp an die verspielte 2:0-Führung beim 4:3-Sieg in der Europa League in Lwiw.

"Das durfte uns nicht noch einmal passieren. Und dass es gegen Schalke nicht passiert, war mir auch klar", so Klopp weiter: "Die Jungs haben noch nichts erreicht, ich habe noch nichts erreicht. Wir haben alle große Lust darauf, einen erfolgreichen Fußball zu spielen. Und dafür muss man mehr tun."

Der Saisonstart ist dem BVB erst einmal gelungen. Platz 3 in der Tabelle, die Nummer eins im Pott, neun Punkte Vorsprung auf Schalke. Besser geht es kaum. Doch bei aller Freude über die Demonstration fand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch nachdenkliche Worte in Richtung Schalke.

Gespenstische Atmosphäre

"Ein komisch anmutendes Gefühl war die Stille in der zweiten Halbzeit. Normal hat man hier noch lange nach Abpfiff ein Ohrensausen, weil einem der Kopf dröhnt. Diesmal war es teilweise gespenstig ruhig, eine komische Atmosphäre", sagte Watzke: "Und jetzt einmal ganz ernst von mir: Ich hoffe, dass die Schalker sich in den nächsten Wochen fangen. Ich weiß, wie das in so einem großen Verein läuft. Es wird sicherlich schwierig. Von uns gibt es da auch keine Häme."

Viel schlimmer kann es für die "königsblauen Knappen" gar nicht mehr kommen: Erst die Demütigung durch den Erzrivalen und dann auch noch Mitleid. Doch den Dortmundern wird es egal sein.

Aus Schalke berichtet Tobias Gonscherowski