München - Borussia Dortmund ist nach Meinung der Experten der erste Herausforderer von Herbstmeister Bayern München. Seit elf Bundesliga-Spielen ist der BVB ungeschlagen, und auch auf dem Transfermarkt landeten die Westfalen mit der Verpflichtung von Marco Reus einen spektakulären Coup.

Im Gespräch mit bundesliga.de äußert sich Christian Wörns, Borussias Innerverteidiger der Meisterelf von 2002, über den BVB des Jahres 2012.

bundesliga.de: Die Nachricht der letzten Wochen war der Transfer von Marco Reus zu Borussia Dortmund im kommenden Sommer. Viele sehen darin eine Dortmunder Kampfansage an den FC Bayern. Sie auch?

Christian Wörns: Nein, ich sehe den Wechsel nicht als Kampfansage an die Bayern. Er ist mehr ein Zeichen an die eigene Mannschaft, das zeigen soll, dass es in Dortmund positiv weitergeht. Der Verein hat wieder höhere Ziele als noch vor ein paar Jahren, er will sich wieder für die Champions League qualifizieren. Dafür braucht man einen breiten Kader mit viel Qualität.

bundesliga.de: Ist der Transfer sinnvoll?

Wörns: In meinen Augen schon. Marco Reus ist ein guter Spieler, der flexibel einsetzbar ist, der über außen kommt, aber auch im Zentrum spielen kann. Er kann sicher auch zusammen mit Mario Götze spielen.

bundesliga.de: Besteht Ihrer Meinung nach die Gefahr, dass sich Dortmund mit solchen Transfers auf Dauer finanziell übernehmen könnte, wie das früher schon einmal der Fall war?

Wörns: Nein. Die Borussia kann sich den Wechsel leisten, sie hat in den letzten Jahren für mein Empfinden gut gewirtschaftet und große Gewinne eingefahren. Dazu kommen die Einnahmen aus der Champions League in diesem Jahr. Wenn dann die Möglichkeit besteht, einen Topmann zu verpflichten, muss man zugreifen.

bundesliga.de: Die Borussia ist international nicht mehr vertreten. Könnte das ein Vorteil im Kampf um die Meisterschaft sein?

Wörns: Ja, es kann wieder ein Vorteil in der Bundesliga werden. Die Champions League kostet nicht nur physisch viel Kraft sondern auch psychisch. Am Anfang der Saison haben beim BVB in der Bundesliga die Ergebnisse nicht so gestimmt. Aber die Mannschaft hat längst wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden. In der Champions League hat die Mannschaft außer in Piräus auch gute Spiele, aber leider keine Ergebnisse abgeliefert. Ich habe Borussia Dortmund ganz dick auf dem Zettel, wenn es um die Meisterschaft geht, auch wenn die Bayern Favorit bleiben.

bundesliga.de: Wie sensibel und zerbrechlich ist das Dortmunder Gebilde? Die ersten unzufriedenen Spieler mucken auf.

Wörns: Insgesamt wirkt der BVB auf mich immer noch sehr homogen und gefestigt. Es ist ganz normal, dass es auch ein paar unzufriedene Spieler wie Lucas Barrios, Mohamed Zidan oder Jakub Blaszczykowski gibt. Aber es ist relativ ruhig, Jürgen Klopp hat alles gut im Griff.

bundesliga.de: Haben die nicht ganz billigen Neuzugänge Ilkay Gündogan und Ivan Perisic bislang nach Ihrer Ansicht die Erwartungen erfüllt?

Wörns: Man muss neuen Spielern wie Ilkay Gündogan oder Ivan Perisic immer Zeit geben und darf nicht erwarten, dass sie nur weil sie eine hohe Ablöse gekostet haben, sofort funktionieren. Sie haben viel Potenzial, müssen sich aber erst eingewöhnen. Die Zeit bekommen sie. Gündogan hatte anfangs einige Probleme, hat sich aber in den letzten Spielen vor der Winterpause gefangen und eine gute Leistung abgeliefert. Perisic hat auf seiner Position viel Konkurrenz. Aber auch er wird noch gebraucht.

bundesliga.de: Zum Saisonende läuft der Vertrag des Mannschaftskapitäns Sebastian Kehl aus. Würde Sie mit ihm verlängern?

Wörns: Ich rate dem BVB dazu, mit Sebastian Kehl zu verlängern. Ich habe viele Dortmunder Spiele gesehen, und er hat mir zuletzt sehr gut gefallen. Mit seiner Erfahrung ist er wichtig für die Mannschaft, gerade wenn es einmal nicht so gut läuft. Er steht seinen Mann.

bundesliga.de: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Dortmund auch daran interessiert sei, Nuri Sahin aus Madrid zurückzuholen. Wäre er in der Mannschaft überhaupt noch willkommen?

Wörns: Auf alle Fälle. Die Mannschaft würde sich über eine Rückkehr von Nuri Sahin sicher freuen, weil er einfach ein guter Spieler ist. Er wurde ja nicht umsonst zum besten Spieler in der Meistersaison gewählt. Aber ich gehe davon aus, dass er versuchen wird, sich bei Real Madrid durchzusetzen. Er hatte das Pech, dass er in der Vorbereitung verletzt war und dann körperlich viel aufholen musste. Die Mannschaft hat gut funktioniert, dann war es besonders schwer, Einsätze zu bekommen. Wenn er jetzt seine Chance bekommt, muss er sie nutzen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski


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