Stuttgart - Fünf Tore geschossen, aber auch drei kassiert: So lautet die nüchterne Bilanz des Erfolges des FC Bayern Münchens in Stuttgart.

Hinter den nackten Zahlen stehen Erkenntnisse. Nach vorne sind die Bayern stark, nach hinten aber, da müssen die Star-Kicker von der Isar noch zulegen.

Fehler bringen Stuttgart wieder ran

Es gibt wohl kaum einen besonneneren Spieler in der deutschen Bundesliga als Jörg Butt. Deswegen ist es für einen Journalisten auch immer ratsam, sich nach einem Spiel des FC Bayern München die Meinung des Münchner Torwarts anzuhören.

So auch nach dem 5:3-Erfolg des FC Bayern München beim VfB Stuttgart, wo man Überraschendes von Butt zu hören bekam: "Unser Trainer Louis van Gaal wird mit der 2. Halbzeit sicher nicht zufrieden sein." In der Tat leisteten sich die Spieler von der Isar im Angesicht einer klaren 3:0- Führung Fehler in der Defensive, die den tapferen VfB beinahe wieder ins Spiel gebracht hätten.

Rang 2 in greifbarer Nähe

Letztlich aber ging alles gut, nur wiederholen sollten die Bayern ihre Nachlässigkeiten nicht, denn bereits am kommenden Mittwoch geht es im Achtelfinale des DFB-Pokal wieder zum VfB nach Stuttgart (Mi., ab 20:15 Uhr im Live-Ticker). Aber trotz der drei Gegentore: Der FC Bayern München befindet sich nach zwei Siegen in Folge auch in der Bundesliga zurück in der Erfolgsspur.

Mittlerweile trennen die Münchner nur noch vier Punkte auf den begehrten 2. Platz für die Champions-League-Teilnahme. "Wir haben in der Vorrunde viel zu viele Punkte leichtfertig hergeschenkt, deswegen ist es noch ein weiter Weg in der Rückrunde", meint Butt. "Deshalb können wir auch nicht zufrieden sein."

Tolle Vorstellung von Gomez

Hochzufrieden sein wird Mario Gomez. Nach seinem "Dreierpack" bei der Rückkehr nach Stuttgart hat es der Nationalstürmer mittlerweile auf zwölf Saisontreffer gebracht.

Allerdings geriet auch Gomez nach dem Spiel nicht in Euphorie. "Wir sind derzeit auch noch nicht in der Lage, ein Spiel einfach so herunterzuspielen. Auch wir kriegen Probleme, wenn wir zu wenig machen", sagte er. "Glücklicherweise haben wir heute mehr Tore gemacht, als wir kassiert haben."

Ohne Schweinsteiger in Stuttgart

Eindeutig bemerkbar machte sich im Bayern-Spiel das Fehlen von Bastian Schweinsteiger, der wegen einer Grippe erst gar nicht mit nach Stuttgart gekommen war. So leisteten sich die Münchner besonders zu Beginn im Spielaufbau viele Fehler, wobei es besonders Dribbel-Ass Franck Ribery zuzuschreiben war, dass die Bayern dennoch immer gefährlich blieben.

Der Franzose zeigt sich von Woche zu Woche formverbessert und machte mit seinem jungen Stuttgarter Gegenspieler Ermin Bicakcic bei dessen Bundesliga-Debüt teilweise was er wollte. Alle fünf Bayern-Treffer fielen über die Ribery-Seite.

Steigerung dennoch notwendig

Dennoch: Die Bayern werden sich steigern müssen, wollen sie in diesem Jahr ihre großen Ziele auch erreichen. Der zwar aufopferungsvolle kämpfende aber äußerst fehlerhafte VfB wird nicht der Maßstab sein, an dem sich die Bayern orientieren.

Auch van Gaal war vor allem mit dem Start seiner Mannschaft in die Partie alles andere als zufrieden: "Wir hätten in den ersten zehn Minuten ein Gegentor bekommen können, doch Jörg Butt hat uns gerettet."

Wichtiger als die spielerischen Defizite scheint zudem das gestiegene Selbstvertrauen der Münchner zu sein. Die Mannschaft scheint wieder fest an sich zu glauben und sieht sich auch wieder in der Lage ihre großen Ziele mit Nachdruck zu verfolgen. Das wird sie auch müssen, schließlich wartet mit Inter Mailand kein Geringerer als der amtierende Titelträger im Achtelfinale der Champions League.

Klose wieder da

Hinzu kommt auch, dass sich personell bei den Bayern einiges zum Guten wendet: So stand Miroslav Klose in Stuttgart nach langer Verletzungspause wieder einige Minuten auf dem Platz, für van Gaal eine willkommene Alternative zu Alleinunterhalter Gomez.

Auch Thomas Müller macht Fortschritte. In Stuttgart hatte Müller viele gute Szenen. Und wenn dann noch Arjen Robben zurückkehrt, scheinen sich die Zeichen in München vielleicht doch noch zum Guten zu wenden.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer