München - Manchmal erfordert ein echter Neuanfang einfach eine Luftveränderung. In neuer Umgebung werden die Uhren wieder auf null gestellt, alles geht von vorne los. Und so beginnt für Linksverteidiger Christian Pander in dieser Woche - nach etwa einem Jahrzehnt bei Schalke 04 - mit dem Vorbereitungsstart bei Hannover 96 endlich ein neuer Lebensabschnitt.

Von zahllosen Blessuren zurückgeworfen, schien der 27-Jährige an seiner alten Wirkungsstätte zuletzt kaum mehr auf die Beine zu kommen. Dabei hatte alles so gut angefangen: Nachdem Pander seine individuelle Klasse schon in seiner Premieren-Saison im Profi-Kader der "Königsblauen" aufblitzen ließ und stolze 24 Partien absolvierte, avancierte der gebürtige Münsteraner danach leider zum vielleicht größten Pechvogel der Liga.

"Funky Pee" a.k.a. das Sorgenkind

Gesundheitliche Probleme sorgten immer wieder dafür, dass der Mann, der in seinem linken Fuß vermutlich mehr Gefühl hat, als manch anderer in der Hand, in den Folgejahren lediglich auf 78 von 238 möglichen Partien kam. Pander wurde zum Dauerpatienten, der mehr Stunden in der Rehaklinik als auf dem Trainingsplatz verbrachte. Die "Nebentätigkeit" als Mitinhaber einer Plattenlabels verhalf dem Musikliebhaber da allenfalls vorübergehend zu etwas Zerstreuung, im Zentrum stand für den - am Mikrofon nach eigenem Dafürhalten "talentfreien" - "Funky Pee" trotzdem stets der Fußball.

Und das vollkommen zu Recht: Denn wenn das Schalker Sorgenkind in den vergangenen Spielzeiten mal fit war, ließen sich seine vielen Stärken nicht leugnen: Faires und sicheres Defensivverhalten (mehr als 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aber nur alle 108 Minuten Foul gespielt) sowie viel Vorwärtsdrang mit genauen Flanken (75 Prozent angekommene Pässe), gefühlvollen Freistößen und gefährlichen Distanzschüssen (durchschnittlich alle 69 Minuten).

Abschied "schweren Herzens"

Die Entscheidung, den auslaufenden Vertrag mit dem Eigengewächs nicht zu verlängern, fiel den Verantwortlichen in Gelsenkirchen daher letztlich alles andere als leicht.

"Christian Pander besitzt als Fußballer ganz besondere Fähigkeiten, die er für Schalke oft unter Beweis gestellt hat. Leider konnte er in den vergangenen Jahren nicht viele Spiele absolvieren, da er aus Verletzungsgründen immer wieder zurückgeworfen wurde", meinte S04-Sportvorstand Horst Heldt, der den Schritt "schweren Herzens" verkünden musste.

Wiedersehen mit Slomka

In diesem Fall war des einen Leid aber des anderen Freud: Denn so vermochte sich schließlich Hannover die Dienste des zweimaligen Nationalspielers zu sichern. "Ich freue mich auf 96. Die Mannschaft hat sehr viel Potenzial, das hat die vergangene Saison deutlich gezeigt. An diese Erfolge möchte ich mit dem Team anknüpfen. Besonders erfreulich ist dabei, dass ich Mirko Slomka bereits aus der Schalker Zeit kenne. Er ist ein umsichtiger guter Trainer, mit dem ich gerne wieder zusammen arbeite", sagte der Neuzugang.

Man kennt sich und schätzt sich. Während Slomka auf die "hohe sportliche Qualität" des "charakterstarken Spielers" verwies, hob Sportdirektor Jörg Schmadtke außerdem hervor, dass die intensiven Medizinchecks "alle gut verlaufen" seien. Mit anderen Worten, es ist alles angerichtet für einen erfolgreichen Neuanfang.

Stefan Missy

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