Santo Andre - Aus Freunden werden Gegner, aus dem aktuellen und dem ehemaligen Bundestrainer für rund 90 Minuten erbitterte Konkurrenten: Das abschließende Gruppenspiel zwischen Deutschland und den USA am Donnerstag in Recife (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) steht ganz im Zeichen der beiden Verantwortlichen Joachim Löw und Jürgen Klinsmann und elektrisiert vor allem deshalb die Massen.

Zwischen den Fußballlehrern, die zwischen 2004 und 2006 gemeinsam das System Nationalmannschaft zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff revolutioniert hatten, herrscht allerdings derzeit Funkstille. "Wir haben mit Beginn der Vorbereitung keinen Kontakt mehr gehabt", sagte Bierhoff am Dienstag kurz vor der Abreise des DFB-Teams auch stellvertretend für Löw.

Dies gelte auch für Klinsmanns Sonderberater Berti Vogts, unter dem Deutschland 1996 nicht zuletzt wegen des Golden Goals von Bierhoff bei der EURO in England seinen bislang letzten Titel geholt hat. Eines ist für Klinsmanns früheren Mitspieler aber sonnenklar: "Jürgen wird seine Mannschaft richtig heiß machen."

"Unter Löw hat neue Zeitrechnung begonnen"

Bierhoff würde sich wünschen, wenn die Namen Klinsmann und Vogts im deutschen Lager bis Donnerstag tabu wären. Dass dem aber nicht so ist, demonstrierte Thomas Müller, der zum Vater des Sommermärchens seine Meinung verdeutlichte. "Wir spielen gegen die USA und nicht gegen Jürgen Klinsmann. Es gibt noch einige Betreuer aus der Klinsmann-Zeit bei uns, aber unter Joachim Löw hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Er hat der Mannschaft seinen Stempel aufgedrückt - und das wollen wir gegen die USA zeigen", sagte der WM-Torschützenkönig von 2010. Der Bayern-Profi hatte unter Klinsmann sein Bundesligadebüt gefeiert.

Auch Bierhoff, der 2004 auf Wunsch von Klinsmann als Teammanager installiert wurde, stellte klar: "Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich lebe im Hier und Jetzt und schaue immer nach vorne." Der frühere DFB-Kapitän teilte die von Klinsmann getroffene Feststellung: "Wie Jürgen gesagt hat: 'It's about business.' Wir werden uns sicherlich vor dem Spiel freundschaftlich begrüßen, aber dann allein auf die Arbeit konzentrieren."

Dabei ginge es in der erstmals bei dieser WM getragenen Arbeitskleidung rot und schwarz einzig darum, den Gruppensieg klarzumachen, wie Bierhoff und Müller beide verdeutlichten. "Wir wollen gewinnen, alles andere ist uninteressant", sagte der Teammanager. Die Diskussionen über eventuelle Ergebnisabsprachen unter Freunden, wie einst 1982 in Gijon zwischen Deutschland und Österreich, hält Bierhoff für absurd.

Bierhoff will "schon mal an Rio schnuppern"

Mit einem Unentschieden könnten die DFB-Auswahl und das US-Team Portugal und Ghana nach Hause schicken, was auch Müller bewusst ist. "Ich weiß, was es mit diesem Thema auf sich hat. Aber wer mich kennt und sieht, weiß, dass das kein Thema für mich ist", sagte der angesichts seiner Platzwunde über dem Auge wie ein angeschlagener Boxer aussehende Offensivspieler. Der Cut rührt von einem Zweikampf aus dem Ghana-Spiel kurz vor Schluss her.

Bierhoff versicherte zudem, dass man mit Blick auf den weiteren Turnierverlauf auch nicht auf Platz spielen werde: "Ich halte nicht so viel von solchen Strategien, sich Ergebnisse auszusuchen. Da fliegst du meistens auf die Schnauze. Deshalb sei die Zielsetzung der deutschen Elf klar: "Wir haben den Weg als Gruppenerster als den besseren gesehen. Wir könnten im Viertelfinale schon mal an Rio schnuppern."

Schweinsteiger und Podolski stehen bereit

Mit welchem Personal Löw den weiteren Weg einschlägt, konnte Bierhoff aber auch nicht verraten. Lediglich, dass alle 23 Spieler topfit seien. In den vergangenen Trainingseinheiten deutete aber vieles darauf hin, dass Löw am Zuckerhut erstmals von Beginn an auf Bastian Schweinsteiger setzt. Auch Lukas Podolski wäre eine Option. Schweinsteiger würde vor der Abwehr neben Kapitän Philipp Lahm den zuletzt müde wirkenden Sami Khedira ersetzen. Podolski wäre auf der linken Offensivseite eine Alternative zu Mario Götze.

Auch Torjäger Miroslav Klose drängt ins Team. Löw wird aber wohl zunächst weiter an Müller in vorderster Front festhalten. Der Dreifachtorschütze aus dem Auftaktspiel gegen Portugal (4:0) warnte vor dem Gruppenshowdown trotz der hervorragenden Ausgangslage: "Wir müssen höllisch aufpassen. Das Turnier kann schnell vorbei sein und dann schauen wir in die Röhre."