München - Die Sommerpause war ganz kurz, der Ball rollt wieder. Die 2. Bundesliga startet so früh wie selten in die neue Saison, der Supercup wird ausgespielt und die 1. Runde im DFB-Pokal ausgetragen. Und die meisten Vereine halten weiter nach Verstärkungen ihrer Spielerkader Ausschau.

Friedhelm Funkel findet es gar nicht lustig. 54 Tage nach dem entscheidenden Relegationsspiel seines VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach bestreitet der Aufstiegsfavorit schon wieder sein erstes Punktspiel in der 2. Bundesliga.

Reicht die kurze Zeit zur Regeneration?

Nicht einmal acht Wochen liegen zwischen den beiden Partien. Eine vernünftige Regeneration nach der anstrengenden Saison und eine gezielte Vorbereitung auf die neue Spielzeit könne da gar nicht stattfinden, argumentiert der erfahrene Coach. Womit er nicht ganz unrecht hat.

Auf der anderen Seite haben die Vereine der 2. Bundesliga bei der entsprechenden Abstimmung mit großer Mehrheit selbst diesen Weg gewählt, um mit dem frühen Start einmal aus dem Schatten der Bundesliga zu treten und mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, als das sonst üblich wäre.

Topspiel zum Start

Am Freitag, den 15. Juli, fällt also der Startschuss der Saison 2011/12 gleich mit einem absoluten Topspiel. Die SpVgg Greuther Fürth, in der abgelaufenen Saison als Vierter wieder einmal haarscharf am Aufstieg vorbeigeschrammt, empfängt den runderneuerten Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt.

Es wird ein rasantes Klassespiel, in dem die Franken nach einem Doppelschlag von Christopher Nöthe zur Pause mit 2:0 vorne liegen. Nach dem Seitenwechsel dreht sich das Blatt aber komplett. Die Eintracht schlägt zurück, zwei Tore von Alexander Meier egalisieren den Rückstand, kurz vor Schluss markiert Neuzugang Karim Matmour .

Die Eintracht mit dem neuen Trainer Armin Veh und dem ebenfalls neuen Sportdirektor Bruno Hübner freut sich über einen gelungenen Start, der ein bisschen getrübt wird. Denn Marco Russ, das Urgestein der Hessen, hat sein letztes Spiel im Trikot der Eintracht absolviert und verlässt nach 15 Jahren den Verein. Er wechselt nach Wolfsburg.

Neuer-Nachfolger Fährmann im Blickpunkt

27 Tore fallen an diesem 1. Spieltag, die Stadien sind gut besucht und mit Aufsteiger Eintracht Braunschweig gibt es direkt einen überraschenden ersten Tabellenführer. Die Skepsis von Friedhelm Funkel war übrigens berechtigt. Der VfL Bochum verliert zum Auftakt nach schwacher Vorstellung mit 0:2 beim Geheimfavoriten Fortuna Düsseldorf.

Der gelungene Auftakt macht Appetit auf mehr Fußball. Der Supercup steht an, der erste Titel der neuen Saison wird in einem Ruhrderby vergeben. In Gelsenkirchen empfängt der Pokalsieger Schalke 04 den Meister Borussia Dortmund. Das Spiel wird eine einseitige Angelegenheit. Der BVB dominiert das Spiel, vergibt aber genauso wie beim letzten torlosen Aufeinandertreffen in der Bundesliga auch die größten Tormöglichkeiten. Ein Elfmeterschießen muss nach dem 0:0 nach 90 Minuten entscheiden.

In dem wird der nicht unumstrittene Schalker Keeper Ralf Fährmann, der das schwere Erbe von Manuel Neuer angetreten hat, zum Helden. Er pariert die Elfmeter von Kevin Großkreutz und Ivan Perisic, während alle Schalker Schützen treffen. Die "Knappen" freuen sich über ihren ersten Supercup-Triumph überhaupt.

"Brazzo" kehrt in die Bundesliga zurück

Auch im Juli wieder glühen die Handys der Bundesliga-Manager. Eine Reihe von Transfers werden über die Bühne gebracht, wenn auch nicht so spektakuläre wie jene von Manuel Neuer von Schalke nach München oder von Nuri Sahin von Dortmund zu Real Madrid.

Der VfL Wolfsburg präsentiert neben Russ auch noch den Stuttgarter Nationalspieler Christian Träsch und den unverwüstlichen Hasan Salihamidzic von Juventus Turin als prominente Neuzugänge. Werder Bremen tut etwas für die in der Vorsaison arg schwächelnde Defensive und angelt sich Andreas Wolf aus Nürnberg sowie den Griechen Sokratis. Die Bayern verpflichten Rafinha, der 1. FC Köln den Wolfsburger Sascha Riether.

Köln holt den etwas anderen Trainer

Apropos 1. FC Köln. In der Domstadt ist man neugierig auf den neuen Trainer. Der Norweger Stale Solbakken hatte zuvor sehr erfolgreich den FC Kopenhagen zum dänischen Abonnementmeister gemacht und war dabei andere Wege gegangen. In Köln hält er es genauso.

Zunächst ist er beim offiziellen Trainingsauftakt gar nicht dabei, sondern noch im Sonderurlaub. Dann trifft er ein und überrascht damit, dass im Trainingslager das überall sonst übliche Kondition bolzen nicht Priorität genießt. Wichtiger ist ihm die Vermittlung seines neuen Spielsystems, das zunächst keiner so richtig zu begreifen scheint.

Und schließlich wagt er es auch noch, dem kölschen Idol Lukas Podolski die Kapitänsbinde wegzunehmen, damit sich dieser ganz auf den Fußball konzentrieren könne und die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt wäre. Der "Prinz" hatte das Amt aber gar nicht als Belastung sondern als Ehre angesehen und reagiert beleidigt.

Das erste Pflichtspiel gewinnt der FC im DFB-Pokal glanzlos gegen den SC Wiedenbrück mit 3:0. Damit ziehen sich die "Geißböcke" aber noch wesentlich besser aus der Affäre als der rheinische Rivale Bayer Leverkusen. Die "Werkself" geht in Dresden nach einer 3:0-Führung noch mit 3:4 unter.

DFB-Frauen blamieren sich bei der WM

Das Leverkusener Schicksal des peinlichen Erstrunden-K.-o. teilen auch die Bundesligisten Werder Bremen (1:2 in Heidenheim), VfL Wolfsburg (2:3 bei RB Leipzig) und SC Freiburg (2:3 in Unterhaching). Auch die Zweitligisten Union Berlin, FC St. Pauli und Energie Cottbus blamieren sich bei klassentieferen Gegnern.

Die hohen Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen, konnte die deutsche Damennationalmannschaft. Bei der WM im eigenen Land kommt das überraschende Aus bereits im Viertelfinale durch eine 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen den späteren Champion Japan. Die große Karriere von Superstar Birgit Prinz endet auf der Ersatzbank. Zu allem Übel verpasst Deutschland mit dem frühen Ausscheiden auch noch die Olympiateilnahme im kommenden Jahr.


Das Spiel des Monats: Dynamo Dresden - Bayer 04 Leverkusen 4:3 n.V.

Bayer Leverkusen hatte eine starke Saisonvorbereitung absolviert und dem in zwei Punktspielen sieglosen Zweiliga-Aufsteiger Dynamo Dresden beim Aufeinandertreffen im Pokal eine Lehrstunde erteilt. Aber eben nur 60 Minuten. Nach Toren von Eren Derdiyok, Sidney Sam und Andre Schürrle führte die hochüberlegene "Werkself" mit 3:0.

Eigentlich der richtige Zeitpunkt, um den zunächst geschonten Stars Michael Ballack und Stefan Kießling noch ein lockeres halbes Stündchen Auslaufen zu ermöglichen, denkt sich der neue Leverkusener Cheftrainer Robin Dutt. Der Schuss geht kolossal nach hinten los. Aus unerklärlichen Gründen gelingt Bayer fortan nichts mehr, Dresden hingegen alles.

Per Doppelschlag verkürzen die Sachsen nach 70 Minuten durch Sebastian Schuppan und Robert Koch auf 2:3. Vier Minuten vor dem Abpfiff gelingt erneut Koch sogar der Ausgleich. In der Verlängerung krönt Alexander Schnetzler in der 117. Minute die unglaubliche Aufholjagd mit dem Siegtreffer zum 4:3-Endstand. Leverkusen ist raus, das Los beschert Dynamo ein hochattraktives Auswärtsspiel beim Meister Borussia Dortmund.

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2011 im Überblick