Köln - Die Bundesliga geht in ihre heiße Phase, die letzten fünf Spieltage der Saison 2014/15 stehen an. Aber wer wird Deutscher Meister, wer kommt in Champions und Europa League und wer steigt ab? bundesliga.de hat Ex-Spieler und -Trainer an den Tabellenrechner gebeten - und deren persönliche Tipps eingefangen.

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Friedhelm Funkel kennt sich im Abstiegskampf aus, wie kaum ein anderer. Der 61-Jährige war Trainer bei sechs verschiedenen Clubs in der Bundesliga und hat oft um den Klassenerhalt gespielt. Das wichtigste Erfolgsrezept liegt für ihn in der Ruhe im Umfeld. Deshalb glaubt Funkel auch an Stuttgart und Freiburg - Hamburg und Hannover hingegen haben es schwer. Alle Tipps von Friedhelm Funkel finden Sie oben in der Bildergalerie zum durchklicken.

"Es darf keine Nebenkriegsschauplätze geben"

bundesliga.de: Herr Funkel, Sie kennen sich mit dewas sind für Sie die entscheidenden Faktoren im Abstiegskampf?

Friedhelm Funkel: In aller erster Linie Ruhe. Man muss soweit wie möglich alle unnötigen Dinge von der Mannschaft fernhalten. Es darf keine Nebenkriegsschauplätze geben, über die mehr berichtet wird als über die sportliche Situation. Deshalb müssen die Verantwortlichen im Club Ruhe bewahren und ausstrahlen. Das sehe ich zum Beispiel aktuell beim VfB Stuttgart.

bundesliga.de: Inwiefern?

Funkel: Beim VfB steht Robin Dutt zusammen mit dem gesamten Vorstand klar hinter Trainer Huub Stevens. Trotz der 1:2 Niederlage zuletzt gegen den FC Augsburg herrscht Ruhe. Das Positive, und davon gibt es im Stuttgarter Spiel derzeit einiges, wird mitgenommen. Die Mannschaft wirkt sehr stabil. Das ist ausschlaggebend dafür, dass der VfB die Klasse halten wird. Das sehe ich bei Hannover 96 und dem Hamburger SV absolut nicht.

bundesliga.de: Beide Clubs haben gerade den Trainer gewechselt.

"In Paderborn kann man jeden nur loben"

Funkel: Genau. Die einen beurlauben fünf Spiele vor Schluss den Trainer, die anderen haben schon den vierten Coach in dieser Saison. Bei beiden wurden die Trainer ständig in Frage gestellt. Nicht umsonst haben Hannover und der HSV die längsten Erfolglosserien in der Bundesliga. In Hamburg wird plötzlich der Sportdirektor zum Trainer - das geht, meines Erachtens, gar nicht. Jetzt ist Bruno Labbadia dort. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass da plötzlich alles so positiv läuft, dass sie noch drei Spiele gewinnen.

bundesliga.de: Freiburg, Stuttgart und Paderborn haben an ihren Trainern festgehalten.

Funkel: In Stuttgart und beim SC Freiburg sind Präsidium und Publikum ruhig geblieben. Die jüngsten Erfolge geben ihnen recht. Grundsätzlich gilt das auch für den SC Paderborn. Aber da reicht es vom Kader einfach nicht, um in der Bundesliga zu bleiben. Club und Mannschaft sind an ihre Grenze gekommen, wie in den vergangenen beiden Jahren Fürth und Braunschweig. In Paderborn kann man eigentlich jeden nur über den grünen Klee loben für das Erreichte. Aber es reicht nicht für die Bundesliga.

"Dem BVB traue ich Platz sieben zu"

bundesliga.de: Für den Sechzehnten gibt es noch die Möglichkeit, über die Relegation die Klasse zu halten. Wie stehen da in diesem Jahr die Chancen?

Funkel: Ich denke, dass es der Sechzehnte - nach meiner Rechnung also Hannover - mit Karlsruhe oder Darmstadt zu tun bekommt. Kaiserslautern wird als Zweiter direkt aufsteigen. Grundsätzlich ist es für einen Zweitligisten in einem solchen Duell immer schwer, da ein Bundesliga-Club einen viel stärkeren und ausgeglicheneren Kader hat.

bundesliga.de: Wie sieht es denn im Kampf um die Europacup-Plätze aus? Wer macht dort das Rennen?

Funkel: Die ersten vier Plätze stehen schon fest. Da ist nur die Frage, ob Gladbach oder Leverkusen Dritter wird. Schalke und Augsburg werden sich auf fünf und sechs retten. Borussia Dortmund traue ich Platz sieben zu. Sie haben noch drei direkte Duelle gegen Konkurrenten im Kampf um die Europacup-Plätze, zwei davon zuhause. Das wird reichen.

Das Interview führte Tobias Schild

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