Köln - Im Vorfeld des Spiels Hertha BSC gegen den SV Werder Bremen stand eine Person im Mittelpunkt, die sonst nicht so viel Aufmerksamkeit erfährt. Denn statt eines Schiedsrichters war erstmals in der Bundesliga eine Schiedsrichterin im Einsatz. Bibiana Steinhaus hat mit ihrem Einsatz Geschichte geschrieben. Trotz des Trubels machte sie einen guten Job.

Besondere Würdigung erfuhr die Unparteiische von der Hertha, die zu ihren Ehren einen Video-Einspieler produziert hatte, der Steinhaus in eine Reihe mit "Berliner Größen" wie Marlene Dietrich und Angela Merkel stellte. Vom Berliner Publikum erhielt Steinhaus bei Bekanntgabe der Aufstellungen vereinzelten Applaus. Pünktlich um 15.30 Uhr ertönte schließlich der historische Anpfiff.

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Angesichts der vielen Augen, die an diesem Tag auf sie gerichtet waren, war es keine Selbstverständlichkeit, mit welcher Souveränität Steinhaus ihren Job erledigte. Die 38-Jährige blieb besonnen, hatte keine Probleme in der Spielleitung und behielt auch in kritischen Situationen einen kühlen Kopf.

Gute Beispiele waren gleich zwei Szenen in kurzer Folge rund um die 75. Spielminute. Erst ging Valentin Stocker im Bremer Strafraum zu Boden, kurz darauf lag Vedad Ibisevic am Boden. Hertha-Fans und -Spieler forderten lautstark einen Strafstoß. In beiden Situationen entschied Steinhaus, dass es keinen Elfmeter geben würde. In beiden Fällen lag sie richtig. Der Video-Assistent musste keine Korrektur vornehmen.

"Ich pfeife Bundesliga, weil meine Leistungen stimmen, nicht, weil ich eine Frau bin", hatte Steinhaus im Vorfeld in einem Interview auf der Hertha-Homepage betont. Und die bestätigte diese Aussage auf dem Platz. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn ihre Leistungen nach dem Spiel überhaupt kein Thema gewesen wären. Gegenüber der Madsack-Gruppe hatte sie auf die Frage, welche Überschrift sie nach dem Spiel gerne lesen würde, gesagt: "Keine, dann ist alles gut."

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Mit ihrem Debüt in Berlin schloss sich für Steinhaus ein Kreis. Schon 2003 leitete die Schiedsrichterin im Olympiastadion als 24-Jährige das DFB-Pokal-Finale der Frauen, Jahre später pfiff sie in der 2. Bundesliga Heimspiele von Hertha BSC. Neben dem Einspieler hatte Hertha anlässlich des Steinhaus-Debüts noch eine zweite Überraschung in petto. 500 "Bibiana-Steinhaus-Tickets" für Frauen mit einem Sondernachlass in Höhe von 50 Prozent waren im Vorfeld angeboten worden. 

Steinhaus selbst hatte sich ihr Bundesliga-Ticket redlich verdient. Sechsmal war sie Schiedsrichterin des Jahres, leitete 80 Zweitliga-Spiele, seit 2009 ist sie bei internationalen Frauen-Turnieren im Einsatz, zuletzt bei der EM in den Niederlanden. Für DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich war es "einfach an der Zeit", dass die Polizeihauptkommissarin den Sprung in die Eliteklasse schafft. Steinhaus hat ihn geschafft - und das mit Bravour. Steinhaus selbst atmete nach dem Abpfiff tief durch. Ihr Kommentar zum Debüt: "Ich bin erleichtert, dass es rum ist und freue mich, dass ab morgen die Normalität wieder einkehrt."

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