Bremen – Zunächst lief es für den Österreicher Florian Kainz seit seinem Wechsel im Sommer zum SV Werder Bremen alles andere als rund. Doch der 24-Jährige ließ sich nicht entmutigen und trainierte hart. In der Rückrunde entwickelte sich Kainz unter Trainer Alexander Nouri zu einer echten Alternative. Mit zwei Jokertoren spielt er sich mehr und mehr in den Fokus. Im Interview spricht Kainz über sein Siegtor gegen den HSV und welche Ziele der SVW in den verbleibenden fünf Spielen noch erreichen will.

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Frage: Plötzlich Derbyheld, das hätten Sie vor ein paar Wochen sicherlich auch noch nicht gedacht, oder?

Florian Kainz: Nein, ganz sicher nicht. Der Sieg im Derby ist natürlich super und für die Mannschaft und für mich extrem wichtig. Wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass ich das entscheidende Tor schieße, dann hätte ich das sofort unterschrieben. Wir sind sehr froh, dass wir diese wichtigen Punkte einfahren haben.

Frage: Können Sie noch einmal beschreiben, wie das Tor entstanden ist?

Kainz: Max Kruse hat den Ball bekommen und ich schätze Max als Spieler sehr und habe mir gedacht, dass er mitdenken wird und mir den Ball durchsteckt. Dann habe ich versucht so schnell wie möglich abzuziehen. Ich hatte allerdings nicht gesehen, dass der Torwart die kurze Ecke aufgemacht hat, bin darüber aber sehr froh (lacht).

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© imago / Nordphoto

"Ich sollte neuen Schwung bringen"

Frage: Sie sind für ihren Landsmann Florian Grillitsch eingewechselt worden. Was hat Ihnen ihr Trainer Alexander Nouri mit auf den Weg gegeben? Welche Rolle sollten Sie einnehmen?

Kainz: Ich sollte - wie immer, wenn ich eingewechselt werde - noch einmal neuen Schwung in die Offensive bringen. Der Trainer hat mir auch noch ein paar taktische Anweisungen mit auf dem Weg gegeben. Ich denke, ich habe meine Rolle mit dem Siegtor ganz gut ausgefüllt (lacht).

Frage: Sie waren zuletzt immer ein Joker und wurden eingewechselt. Jetzt haben Sie bereits zwei Mal als Einwechselspieler getroffen. Über kurz oder lang wollen Sie sicher auch mal von Beginn an ran, oder?

Kainz: Ich bin in den letzten Spielen immer von der Bank gekommen und das hat auch ganz gut geklappt. Man muss aber auch einfach sagen, dass es in den letzten neun Spielen mit der angestammten Formation super funktioniert hat und dann ist auch schwierig, ins Team zu kommen. Ich versuche jetzt einfach, wenn ich als Joker eingewechselt werde, alles für die Mannschaft zu tun.

"Die Stimmung war schon einzigartig"

Frage: Ihr Kapitän Zlatko Junuzovic hat im Interview gesagt, dass man als Derby-Siegtorschütze der Mannschaft einen ausgeben muss. Haben Sie sich schon etwas überlegt?

Kainz: Nein, so schnell nach dem Spiel habe ich mir noch nichts überlegt.

Frage: Für Sie war es das erste Nordderby. Wie haben Sie sich heute gefühlt. War dieses Spiel schon ein ganz Besonderes für Sie?

Kainz: Das war einfach super heute. Man hat schon die ganze Woche gemerkt, dass dieses Spiel ein Besonderes ist. Ich habe mit Rapid Wien schon ein paar Derbys gegen Austria Wien gespielt, aber vor so einer Kulisse wie heute habe ich noch nie gespielt, das war einfach fantastisch. Die Stimmung war schon einzigartig. Wir wollten den Fans und der ganzen Stadt für Ihre tolle Unterstützung auf diese Weise auch etwas zurückgegeben. Im Derby geht es auch einfach nur so, dass man alles reinhaut und das Spiel gewinnt.

Frage: Der SV Werder hat einen überragenden Lauf und hat in der Rückrunde schon 23 Punkte geholt - nur der FC Bayern München ist da noch besser. Jetzt ist es nur noch ein Punkt auf Platz sieben, der eventuell schon für die Europa-League-Qualifikation reichen könnte. Schaut die Mannschaft jetzt nur noch nach oben in der Tabelle oder ist weiterhin Klassenerhalt angesagt?

Kainz: Ich glaube, wir müssen trotz des Derby-Sieges auf dem Boden bleiben und von Spiel zu Spiel schauen. Am kommenden Spieltag müssen wir in Ingolstadt ran und da müssen wir dann wieder drei Punkte holen. Wenn wir den Klassenerhalt sicher haben, dann können wir uns auch noch neue Ziele stecken. Ich bin aber eher erst einmal demütig und versuche mich auf das nächste Spiel zu konzentrieren.

"Ich möchte nicht an die Vergangenheit denken"

Frage: Was ist denn noch alles drin in dieser Saison, wenn die Mannschaft in dieser Form weiterspielt? Im Moment gibt es keinen Grund, warum das Team einbrechen sollte, oder?

Kainz: Nein, im Moment gibt es keinen Grund. Wir versuchen jetzt den positiven Schwung mitzunehmen und weiter zu punkten und dann werden wir sehen, zu was es reicht.

Frage: Nach Ihrem Wechsel im Sommer aus Österreich war die Hinrunde für Sie sicherlich nicht befriedend. Haben Sie jetzt das Gefühl, dass Sie richtig beim SV Werder angekommen sind?

Kainz: Ja, ganz klar. Das Frühjahr ist für mich viel besser gelaufen als der Herbst, der ziemlich enttäuschend für mich gelaufen ist. Ich möchte aber nicht so viel an die Vergangenheit denken, sondern jetzt so viel Positives mitnehmen wie es geht und in die Zukunft schauen. Damit ich dann auch bald in der Startelf stehe.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage