Köln - Mit sieben Punkten aus den letzten drei Partien hat sich Werder Bremen ein Polster von vier Punkten auf den Relegationsplatz erarbeitet. Nun empfangen die Hanseaten am Samstag den 1. FC Köln im Weserstadion. Vor dem Spiel gegen die Defensivkünstler vom Rhein spricht Werders Mittelfeldspieler Fin Bartels im Interview mit bundesliga.de über den Aufwärtstrend, Trainer Alexander Nouri und die Aufgaben vor der Winterpause.

bundesliga.de: Fin Bartels, Werder hat in den letzten Wochen fleißig gepunktet und sich im Abstiegskampf etwas Luft verschafft. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Fin Bartels: Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, nicht mehr und nicht weniger. Die letzten Spiele waren deutlich positiver. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. So viele Punkte haben wir dann doch noch nicht.

bundesliga.de: Aber immerhin vier Zähler Vorsprung auf Platz 16. Allerdings punkten auch die Konkurrenten Hamburger SV und FC Ingolstadt fleißig.

Bartels: Genau, nach den Ergebnissen vom letzten Wochenende war es auch enorm wichtig, dass wir selbst in Berlin auch einen Dreier geholt haben.

bundesliga.de: Welche Ursachen sind für den Aufschwung bei Werder auszumachen? Liegt es an der Rückkehr der lange verletzten Stürmer Max Kruse und Claudio Pizarro?

Bartels: Philipp Bargfrede kommt auch noch dazu. Man darf nicht vergessen, dass das drei Spieler mit einer enormen Qualität sind, die jetzt wieder zurückgekommen sind. Insgesamt hatten wir viele Verletzte in dieser Saison und viele neue Spieler geholt. Es war klar, dass es nicht von Anfang an so reibungslos laufen würde. Trotzdem hätten wir es uns vorgestellt, dass es etwas einfacher werden und besser laufen würde. Jetzt wollen wir wie gesagt unseren guten Weg fortsetzen.

bundesliga.de: In dieser Saison und auch schon zum Ende der vergangenen Saison hat Werder vor allem gepunktet, wenn der Druck riesig war. Woher nimmt die Mannschaft diese mentale Stärke?

Bartels: Bei uns stimmt es in der Mannschaft. Wir haben wichtige Persönlichkeiten, die dann auch das Heft in die Hand nehmen. Die Truppe war schon immer intakt - auch in schwierigen Phasen. Wir haben immer an uns geglaubt. Und das müssen wir in Zukunft konstanter abrufen.

bundesliga.de: Sie spielen Ihre dritte Saison in Bremen und haben die ganz großen Zeiten von Werder ein bisschen aus der Ferne miterlebt. Was macht für Sie den Club so besonders?

Bartels: Der Verein ist trotz seiner riesigen Erlebnisse und den Auftritten in der Champions League immer familiär und bodenständig geblieben. Es geschieht nicht häufig, dass die Fans auch in schwierigen Zeiten so zum Club stehen. Dieser Zusammenhalt in Bremen ist einmalig.

bundesliga.de: Wie erklären Sie sich das?

Bartels: Das ist schwer zu erklären. Aber die Fans wissen auch, dass es nur zusammen geht. Es hilft nichts, wenn die Spieler während des Spiels ausgepfiffen werden. Bei den Spielern ist vieles Kopfsache, dann ist es ganz stark, wenn die Fans uns diesen Rückhalt geben. Dann geht es auch einfacher, als wenn nur draufgehauen wird. Nach dem Abpfiff kann man den Unmut verstehen.

bundesliga.de: Werder hat nach dem 3. Spieltag den Trainer gewechselt. Alexander Nouri hat die Ruhe bewahrt und ist mit guten Resultaten gestartet, dann gab es erneut vier Niederlagen in Serie. Jetzt hat Werder die Trendwende geschafft. Wie erleben Sie den Trainer?

Bartels: Er hat immer die Ruhe bewahrt, auch nach den nicht so positiven Resultaten. Er hat einen klaren Weg, das ganze Trainerteam hat eine klare Ansicht. Es hat dann etwas gedauert, bis wir das umgesetzt haben. Jetzt wollen wir bis zur Winterpause fleißig weiterpunkten.

bundesliga.de: Sie haben in dieser Saison elf Spiele bestritten, standen sechsmal in der Startelf und wurden fünfmal eingewechselt. Wie sehen Sie selbst Ihr Standing in der Mannschaft?

Bartels: Ich hätte sicher besser starten können. Die ersten zwei Spiele waren nicht berauschend, dann war ich verletzt und der neue Trainer kam. Da musste ich mich nach der Verletzung erstmal hinten anstellen. Ich will natürlich so viel spielen wie möglich. Aber in erster Linie geht es darum, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen.

Video: Pizarros große Karriere

bundesliga.de: Am Samstag gastiert der 1. FC Köln im Weserstadion, gegen den Werder seit dem Wiederaufstieg des FC noch nicht gewonnen hat. Warum ist es unangenehm, gegen die Kölner zu spielen?

Bartels: Bei Köln ist eine Mannschaft auf dem Platz, die wirklich als Einheit gerade defensiv enorm gut steht. Zudem sind sie mit Anthony Modeste auch nach vorne sehr gefährlich. Man muss höllisch aufpassen. Es wird wahrscheinlich ein Geduldsspiel. Wir dürfen uns nicht einlullen lassen oder den Kölnern Räume bieten. So wie vor einem Jahr im Pokal, als wir sie im Weser-Stadion mit viel Disziplin und Geduld 1:0 geschlagen haben.

>>> Alle Infos zu #SVWKOE im Matchcenter

bundesliga.de: Und zum Abschluss geht es dann zur TSG 1899 Hoffenheim gegen eine weitere Mannschaft, die in der Tabelle weit oben steht.

Bartels: Wenn wir Hertha BSC noch dazunehmen, haben wir zum Abschluss drei starke Überraschungsmannschaften, die eine enorm starke Saison spielen. Es wird nicht einfach, in diesen Partien zu punkten, aber auch wir wollen bis zur Winterpause möglichst viele Punkte einfahren.

bundesliga.de: Wie viel Selbstvertrauen hat der Sieg in Berlin der Mannschaft gegeben? War es vor allem wichtig zu sehen, dass man auch gegen die Spitzenmannschaften der Bundesliga gewinnen kann?

Bartels: Das war sehr wichtig. Wir können jetzt mit breiterer Brust auftreten. Wir dürfen aber wie gesagt keinen Schritt weniger machen. Das Selbstvertrauen nach dem Hertha-Spiel kann uns beflügeln.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski