München - Beim FC Bayern ist Selbstbewusstsein unabdingbar. Der Verein definiert sich über mentale Stärke und unbedingten Siegeswillen, bisweilen wird selbst eine Spur positiver Arroganz innerhalb des Clubs gerne gesehen. Für Neuzugang Xherdan Shaqiri genau das Richtige.

"Ich bin ein Winner-Typ. Der Verein passt perfekt zu mir", sagte der 20-Jährige bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in München und schob einen Satz hinterher, der den Verantwortlichen gefallen wird: "Der FC Bayern will und muss Titel gewinnen, das ist der Anspruch."

Der Wechsel zum deutschen Rekordmeister war für den Schweizer Nationalspieler der logische Schritt, nachdem er beim FC Basel drei äußerst erfolgreiche Jahre erlebte. Neben drei Meisterschaften in Folge (2010 bis 2012) gewann er zwei Mal den Schweizer Pokal. Mit seiner kämpferischen Art spielte er sich in die Herzen der Fans und in das Notizbuch von Jupp Heynckes.

Heynckes angetan, aber "müssen ihn auf FCB-Niveau heben"



"Shaqiri muss man verpflichten. Das ist ein Straßenfußballer, der aus der Intuition heraus Fußball spielt", sagte der Bayern-Coach über den bulligen Offensivspieler. Allerdings ist sich Heynckes bewusst, dass die Welt beim FC Bayern eine andere ist: die gestiegene Erwartungshaltung, der große Medienrummel, der harte Konkurrenzkampf.

"Wir müssen ihn auf FCB-Niveau heben", fordert der 67-Jährige. Um genau dieses zu erreichen, lässt Shaqiri nichts unversucht. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London sagte er ab. "Ich muss mich hier in eine neue Mannschaft integrieren", meinte Shaqiri: "Für mich war von Anfang an klar, dass die Tendenz zum FC Bayern geht, auch wenn jeder Fußballer einmal bei Olympischen Spielen dabei sein will."

Eine nachvollziehbare Entscheidung. Shaqiri wird sich mit einigen der besten Spieler Europas messen müssen. Allerdings hat er gegenüber seinen Konkurrenten einen Trumpf in der Hand - in der Offensive ist er überall einsetzbar, selbst die Position des Außenverteidigers gehört zu seinem Repertoire. "Wenn man heutzutage polyvalent ist, dann ist das ein Vorteil gegenüber einem Spieler, der nur auf einer Position spielen kann", weiß der Schweizer.

Pizarro: "Ich will alles gewinnen"



Mit so einer Vielfältigkeit kann Shaqiris Teamkollege Claudio Pizarro nicht aufwarten. Der beste ausländische Bundesligastürmer aller Zeiten (160 Tore in 333 Spielen) sucht im Herbst seiner Karriere noch einmal die Herausforderung. "Der FC Bayern ist der beste Verein, bei dem ich bisher gespielt habe", sagt der 33-Jährige mit Blick auf sein erstes bayrisches Engagement zwischen 2001 und 2007.

Wie Shaqiri sieht sich Pizarro hochkarätiger Konkurrenz gegenüber. Ein Umstand, der ihn nicht beunruhigt. Als er Anfang des Jahrtausends von Werder Bremen an die Isar wechselte, war er nach Giovanne Elber, Carsten Jancker, Alexander Zickler und Roque Santa Cruz lediglich Stürmer Nummer fünf - durchgesetzt hat er sich trotzdem. "Ich habe das Vertrauen, oft zu spielen", sagte Pizarro und ergänzte im typischen Bayern-Duktus: "Ich will alles gewinnen."

Sebastian Schramm